Zwei Ahnenforscher dokumentierten über mehrere Monate 45.000 Personen, die auf dem Melatenfriedhof begraben sind.
Fast 20.000 GrabsteineGräber des Kölner Melatenfriedhofs in digitaler Datenbank erfasst

Der Melatenfriedhof im Herbst 2025. (Archivfoto)
Copyright: Alexander Schwaiger
Der Melatenfriedhof ist jetzt im Internet zu finden. Dafür hat Leonard Ehmke, ein ehrenamtlicher Ahnenforscher aus Düren, über ein halbes Jahr 50.000 Fotos gemacht. Die meisten Personen, die in Lindenthal begraben sind, können in einer digitalen Datenbank eingesehen werden, inklusive Bildern von Grabstein und Lebensdaten.
45.645 Menschen sind auf dem Friedhof begraben, 18.320 Grabsteine stehen dort (Stand: 25. Februar) – zumindest laut dem ehrenamtlichen Grabstein-Projekt auf der Website „Genealogy“, die vom Verein für Computergenealogie (CompGen) betrieben wird. Friedhöfe und Grabsteine sind für Ahnenforscher eine wichtige Quelle und Anlaufstelle, durch die digitale Datenbank kann einfach recherchiert werden, ohne vor Ort zu sein. Auf einer alphabetischen Namensliste, die seit Dezember 2025 online ist, sind alle bestatteten Menschen vermerkt, deren Namen bestätigt werden konnten.
Interessierte und Familienforscher können sich durch die Namensliste klicken, die Stadtprominenz wie Adenauer, Millowitsch und Ostermann enthält. Klickt man auf einen Familiennamen, wird man auf eine Übersicht aller auf dem Friedhof bestatteten Personen mit diesem Namen weitergeleitet. Angefügt sind, falls vorhanden, Geburtsname sowie Geburts- und Sterbejahr. Über den einzelnen Namen gelangt man zu den Fotos der Grabstätten, wo noch mal alle dem Grab zugeordneten Personen vermerkt sind. Bei bekannten Personen ist zudem ein Wikipedia-Link angefügt.
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Tausende Gräber in fünf Monaten
Diese Namen zu sammeln, klingt einfacher, als es für Leonard Ehmke war: Einige Inschriften waren kaum zu lesen, die ältesten Grabstätten stammen schließlich aus dem frühen 19. Jahrhundert. Doch Ehmke, sein Projektpartner Thomas Falck aus Dresden und ihr Team arbeiten pedantisch: Am Ende blieben nur 311 Inschriften übrig, die sich nicht lesen oder zuordnen ließen. Auch diese unidentifizierten Gräber sind in der Datenbank auffindbar.
Leonard Ehmke, 43, und Thomas Falck, 55, betreiben beide schon seit einigen Jahren ehrenamtlich Ahnenforschung und kennen sich durch ein Projekt über das heutige Gozdnica in Polen, wo beide familiäre Wurzeln haben. Gemeinsam haben sie bereits einen Friedhof in Merode (Kreis Düren) in die Datenbank eingepflegt, nun folgte ein deutlich größeres Projekt. Unterstützung bekamen sie von einem Team von Datenerfassern und der Korrekturleserin Andrea Klemann.
Die Idee, den Melatenfriedhof zu dokumentieren, kam im Februar 2025 von Ehmke, der den Friedhof schon häufiger besucht hat und ihn aufgrund seiner „ganz eigenen Energie“ und Gestaltung schätzt. Nach Erteilung der Fotogenehmigung durch die Friedhofsverwaltung verbrachte er rund fünf Monate damit, jedes Grab zu fotografieren. Die ersten Fotos machte er im April, die letzten im August. Eine genaue Anzahl an Aufnahmen kann Ehmke nicht benennen, er schätzt die Zahl aber auf über 50.000.
Melatenfriedhof als Begegnungsort
So lange alleine Grabsteine auf einem Friedhof zu fotografieren, klingt zunächst nach einer einsamen Beschäftigung. Ehmke hat es aber anders erlebt: Er lernte den Friedhof als ruhigen Begegnungsort kennen, an dem man immer wieder mit Menschen ins Gespräch kommt. Auch für Tiere dient der Melatenfriedhof als Rückzugsort im Großstadttrubel, wie sich Ehmke erinnert: „Ganz besonders imposant war ein Mäusebussard, der seelenruhig ein paar Meter vor mir auf einem Grabstein saß und sich ablichten ließ.“ Auch die Auseinandersetzung mit dem Tod ist dann ein Thema. Ehmke blickt dabei jedoch positiv auf die Erfahrung: „Der Melatenfriedhof ist ein so schöner Ort, dass er einem ein wenig den Schrecken vor dem Tod nehmen kann.“
Thomas Falck, gelernter Facharbeiter für Datenverarbeitung, sortierte und bearbeitete die Fotos. Er ist seit 2020 ehrenamtlich für das Grabsteinprojekt aktiv und half bereits bei der Dokumentierung von über 300 Friedhöfen. Den Melatenfriedhof kennt er bisher nur durch die Fotos seines Projektpartners, nun plant er aber auch selbst einen Besuch vor Ort. Ihn faszinierten beim Durchsehen der Fotos nicht nur die Gräber von Familien, zu denen er durch seine Ahnenforschung eigene familiäre Verbindungen gefunden hat, sondern vor allem kleine individuell gestaltete Grabstellen, unter anderem ein Grabstein in Form einer Gitarre.
Mit Unterstützung eines Teams lud Thomas Falck anschließend rund 30.000 übrig gebliebene Bilder inklusive zugehöriger Daten auf „Genealogy“ hoch. Im Oktober war die Bildbearbeitung abgeschlossen, anschließend ging das Projekt zur Korrektur. Seit Dezember sind die Daten frei verfügbar.
Per Klick zu einzelnen Grabstätten
Ein Beispiel: Unter „F“ findet man den Familiennamen „Früh“. Aufgelistet sind dort vier Personen: Peter Josef Früh, Gründer der Kölschbrauerei mit gleichem Namen, seine Frau Maria Früh und die gemeinsamen Töchter Netty und Christel. Über „Früh, Peter Josef“ gelangt man zum Eintrag des Familiengrabs der Familie Früh, wo laut der Datenbank noch neun weitere Personen begraben sind. Neben den Namen findet man hier neun Fotos der Grabstätte und der verschiedenen Inschriften sowie einen Link zum Wikipedia-Artikel von Peter Josef Früh.
Bereits seit Oktober 2025 gibt es zudem eine Datenbank der Kriegsgräber auf dem Melatenfriedhof auf „Genealogy“. Das kleinere Projekt umfasst 985 Personen auf 517 Grabsteinen. Auch zahlreiche andere Kölner Friedhöfe sind in der Datenbank erfasst, darunter der Historische Alte Friedhof in Deutz und der Historische Decksteiner Friedhof. Leonard Ehmke und Thomas Falck konzentrieren sich zunächst wieder auf ihre Forschung rund um Gozdnica, Ehmke kann sich aber durchaus vorstellen, weitere Friedhöfe in der Kölner Umgebung zum Projekt beizusteuern – dann allerdings in kleinerem Umfang als der Melatenfriedhof.

