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150 aus 150Willy Weyres leitete den Wiederaufbau des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg

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historisches Foto von Dombaumeister Willy Weyres

Das historische Foto zeigt den früheren Dombaumeister Willy Weyres und ist im Mai 1989 im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen, es wurde retrodigitalisiert.

Der Architekt war ab 1944 kommissarischer Dombaumeister. Unter seiner Leitung wurde der Dom repariert und teilweise erneuert.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 24. Teil der Serie geht es um den Architekten Willy Weyres.

Bedeutung

Unter der Leitung von Willy Weyres wurde der Kölner Dom nach dem Zweiten Weltkrieg repariert und teilweise erneuert. Bereits im November 1944 war Weyres zum kommissarischen Dombaumeister ernannt worden. 1945 erfolgte die endgültige Ernennung in das Amt, das er bis 1972 innehatte. Obwohl der Dom im Vergleich zu anderen umliegenden Bauwerken in seinem Grundbestand erhalten blieb, war er dennoch schwer beschädigt. Bombentreffer, Erschütterungen durch Druckwellen und herumfliegende Bauteile hatten dem Bau zugesetzt. Ein Großteil der Gewölbe im Langhaus und den Querhäusern waren eingestürzt, nahezu alle Fenstermaßwerke beschädigt, unzählige Fialen und Zierformen abgesprengt.

Im April 1945 machte sich Weyres an den Wiederaufbau. Bereits zur 700-Jahrfeier der Grundsteinlegung am 15. August 1948 waren Teile des Doms wieder zugänglich. Die vollständige Wiedereröffnung erfolgte zum Deutschen Katholikentag im Sommer 1956. Weyres initiierte die archäologischen Grabungen, richtete die Glasrestaurierungswerkstatt ein und beauftragte zeitgenössische Künstler mit Arbeiten für den Dom, so Ewald Mataré für die Bronzetüren am Südportal.


Willy Weyres

Geboren: 31. Dezember 1903 in Oberhausen

Gestorben: 18. Mai 1989 in Aachen


Weyres lehnte eine vollständige originalgetreue Wiederherstellung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Baugestalt ab, sondern ließ eine zeitgenössische Formensprache zu. Besonders sichtbar ist dies am Vierungsturm, dem „Türmchen“. Weyres entwarf persönlich die neuen Glasfenster im Langhaus. 1945 bis 1955 war er als Diözesanbaumeister für den Wiederaufbau von 200 und die Neuerrichtung von 25 Kirchengebäuden im gesamten Erzbistum zuständig.

Wirken in Köln

Neben den Arbeiten am Dom war Weyres am Wiederaufbau der Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz beteiligt. 1949 gründete er die Aachener gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mit, die zahlreiche Wohnsiedlungen in Köln baute.

Bemerkenswert

Seit 1955 lehrte Weyres an der RWTH Aachen als Ordinarius für Baugeschichte und Denkmalpflege. Sein neben dem Dom markantestes Bauwerk steht in Düsseldorf-Heerdt. Hier baute er nach dem Krieg einen Hochbunker zur Kirche um.

Spuren in der Stadt

Weyres’ Grabstätte befindet sich auf Melaten.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.