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JubiläumsfestDorfschule in Bergisch Gladbach-Sand wurde vor 150 Jahren gegründet

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Ein Mann steht an einer Drehorgel, dahinter sitzt ein Kind mit Zylinder.

Zu jedem Jahrmarkt gehört auch ein Drehorgelspieler. Das war in Bergisch Gladbach-Sand nicht anders.

Der ganze Ort war auf den Beinen und feierte mit einem bunten Jahrmarkt. Zum Fest erschien auch die Geschichte der Schule als Buch. 

Sand ist ein Ortsteil, der seinen Namen normalerweise eher bescheiden trägt. Doch an diesem Samstag im Mai verwandelt sich Sand in einen lebendigen, pulsierenden Mittelpunkt am Rande von Bergisch Gladbach. Wer durch die Schulstraße möchte, braucht Geduld, muss zu Fuß gehen und wird sofort von einer Welle guter Laune erfasst. Diese ist an diesem Morgen im Überfluss vorhanden.

Die Katholische Grundschule feiert ihr 150-jähriges Bestehen, und wer dachte, ein solches Jubiläum sei eine trockene Angelegenheit für Archivare, wird eines Besseren belehrt. Punkt zehn Uhr morgens. Die Sonne strahlt wohlwollend auf die Sanderaner herab. Ulrich Gürster, der Vorsitzende des Ortsrings, steht mitten im Trubel. Er ist einer jener Männer, ohne die im Dorf wenig laufen würde.

1876 eröffnete die kleine Dorfschule in Sand

Gürster blickt auf die Menschenmassen, die bereits die Festmeile fluten. Sein Fazit ist so kurz wie präzise: „Um 10 Uhr ging es los, ab 10 Uhr war es voll. “ Es klingt nicht nach Stress, sondern nach Erleichterung. Nach dem Erfolg einer monatelangen Kraftanstrengung, die der Ortsring und die unzähligen Helfer geleistet haben. Was 1876 als kleine Dorfschule mit Griffel und Schiefertafel begann, hat sich in eine bunte Welt verwandelt. Wo sonst Autos parken, herrscht jetzt Jahrmarktstimmung.

Schüler flitzen umher und probieren alles aus: frische Waffeln, Kuchen in der Pausenhalle, die rollende Waldschule. Ein Streichelzoo hier, eine Geisterbahn dort, Kühe zum Anschauen und Handwerker, die ein Fachwerkhaus wieder aufbauen. Man kann T-Shirts gewinnen, wenn man das Gewicht eines Ranzens richtig schätzt. Man hört die Musik von zwei Drehorgelspielern. Man feiert nicht einfach; man hat den Ortsteil kurzerhand umgekrempelt.

Im Zentrum des Festes: Das Buch zur Schulgeschichte

Nicole Meynen, die kommissarische Schulleiterin, wirkt in diesem Wirbelsturm der Emotionen wie der Ruhepol, auch wenn sie selbst sichtlich bewegt ist. „Ich habe noch nie erlebt, dass so viele mit anpacken“, sagt sie, während sie den Blick über den Schulhof schweifen lässt, auf dem Eltern, Ehemalige und Nachbarn gemeinsam am Strang ziehen. „Ich bin überwältigt. Es ist etwas ganz Besonderes, 150 Jahre zu feiern. “

In ihren Worten schwingt mehr mit als nur die Pflicht einer Führungsperson. Es ist der Stolz auf eine Gemeinschaft, die in Zeiten der Anonymität das Gegenteil beweist: Hier gehört man dazu. In der Mitte des Geschehens liegt ein Objekt, das die Vergänglichkeit des Tages überdauern wird. Es ist ein Buch. Aber was für eines. Rund 600 Seiten stark, ein gewichtiger Brocken Zeitgeschichte. Wer darin blättert, reist durch anderthalb Jahrhunderte.

Die Schule als Raum für Tausende von Kindheiten

Man sieht Schwarz-Weiß-Aufnahmen von streng blickenden Lehrern, liest von den Entbehrungen der Nachkriegszeit und landet schließlich in der bunten, digitalen Gegenwart. Es ist das Gedächtnis von Sand, gebunden in Leinen und Papier, gesponsert von Markus Hetzenegger, dessen Urgroßvater Xaver schon 1928 einen Kolonialwarenladen in Sand übernahm, aus dem sich der heutige Edeka-Supermarkt entwickelte.

Ein Buch, das zeigt: Diese Schule ist nicht nur ein Gebäude aus Stein, sie ist ein Gefäß für Tausende von Kindheiten. Die Politik gibt sich die Ehre, doch sie bleibt heute Staffage. Bürgermeister Marcel Kreutz, Bundestagsabgeordnete, Landtagsvertreter, Vertreter des Kreises – sie alle sind gekommen, schütteln Hände, doch die Bühne gehört den Familien. Da reihen sich die Politiker ein.

Die Kinder stellten das Projekt „Jahrmarkt“ auf die Beine

Die eigentlichen Stars sind die Kinder. Im Projekt „Jahrmarkt“ zeigen sie, was sie können. Nachgestellte Schulstunden von damals, alte Fotos und Videos lassen staunen. Es ist ein Spiel mit der Zeit, das Jung und Alt verbindet. Mittags mischen sich die Klänge des Dürscheider Jugendblasorchesters unter das Stimmengewirr, später übernimmt Jazz die akustische Regie.

Es ist ein Fest ohne Dünkel. Und, bemerkenswert in der heutigen Zeit: ein Fest ohne Alkohol. Das Organisationsteam entschied sich bewusst dagegen, aus Respekt vor den Kindern. Dem Vergnügen tut das keinen Abbruch. Das Geld, das durch Zuckerwatte, Popcorn, Pommes, Hotdogs und Schmalzbrote in die Kassen gespült wird, fließt direkt dorthin, wo es gebraucht wird: in den Förderverein.

Wenn am späten Nachmittag die Glocken von St. Severin zur Abschlussmesse rufen, wird es für einen Moment stiller im Ort. Dann wird Pfarrer Bernhards gemeinsam mit den „Scholjunge“ den Tag abrunden. Was bleibt, ist das Gefühl, dass 150 Jahre kein Alter sind, vor dem man erschrecken muss. In Sand wirken sie wie ein Versprechen für die Zukunft. Die Schule ist das Herz des Ortsteils, hieß es in den Pressemitteilungen vorab.

Heute hat dieses Herz nicht nur geschlagen – es hat getanzt. Und die vielen Helfer? Die werden morgen wahrscheinlich erst einmal tief durchatmen. Aber das Lächeln, das wird bleiben. Genau wie die 600 Seiten Geschichte, die ab heute in den Regalen der Sander Familien stehen.