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St. Dreifaltigkeit WolsdorfEin Siegburger Gotteshaus feiert 125-Jähriges

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Blick auf Siegburg Wolsdorf mit der Kirche St. Dreifaltigkeit

Blick auf Siegburg Wolsdorf mit der Kirche St. Dreifaltigkeit

1901 wurde das Gotteshaus im neogotischen Stil geweiht, am kommenden Wochenende wird gefeiert.    

Siegburg, da denken die meisten an Abtei und Servatiuskirche oder an den mittelalterlichen Kirchenschatz. Nicht aus dem Blick sollte indes geraten, dass auch der Stadtteil Wolsdorf eine Kirche zu bieten hat, die näheres Hinsehen lohnt: die Kirche St. Dreifaltigkeit an der Jakobstraße, ein helles und freundliches Gotteshaus, das seine schlichte Eleganz seiner Entstehungszeit zu verdankt hat. 1901 wurde die Kirche im Stil der Neogotik geweiht.

Autor Jens Kröger beschreibt in der Ausgabe der Siegburger Hefte vom Mai 2011 die dreischiffige Hallenkirche mit dem Turm an der Nordseite in einem Winkel zwischen Chor und Seitenschiff. Die Hanglage eignete sich, um eine Unterkirche für einen geräumigen Saal zu bauen, so dass sich der Bau eines Pfarrheims erübrigte. 1960 bis 1962 wurde ein Erweiterungsbau in Form eines Querschiffs hinzugefügt.

Enormes Wachstum im kleinen Landstädtchen

Kröger beschreibt, dass die ersten Überlegungen zum Bau der Kirche in eine gute Zeit für Siegburg fielen: 1879 wurde die evangelische Stadtkirche errichtet, 1882 eine Krankenhauskapelle an der Ringstraße und 1906 bis 1909 St. Anno im Norden der Stadt gebaut. „Sie alle spiegeln das enorme Wachstum wider, das das kleine Landstädtchen infolge der Industrialisierung erlebte.“ Heute erhalten sei, mit Ausnahme des Turms von St. Anno, nur noch die Kirche St. Dreifaltigkeit.

Die Wolsdorfer hatten 1895 einen Kapellbauverein gegründet und 1898 ein Bittgesuch an Bürgermeister Jakob Spilles gerichtet, aus dem Wolsdorfer Steinbruch Baumaterial zu holen. Im gleichen Jahr konnte das nötige Grundstück gleich neben der Schule gekauft werden. Am 20. Mai 1900 wurde Grundsteinlegung gefeiert. 1905 wurde eine Klais-Orgel in Betrieb genommen. Zwei der drei Glocken mussten 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben werden.

Neogotik trifft auf Spätexpressionismus

Der Düsseldorfer Künstler Hubert Dürnholz schuf in den 20er Jahren zeitgemäße Innenausmalungen. „In ihrem spätexpressionistischen Duktus verbanden die auf einem hellen Ockergrund dargestellten Szenen biblische Themen mit lokalen Bezügen.“ Drei Deckenfelder zeigten Gottvater, Sohn und Heiligen Geist, zu sehen waren aber auch Bauern sowie eine Familie bei Feld- und Gartenarbeit, Schüler auf dem Weg zur Schule und ein Walzwerkarbeiter.

In den Zweiten Weltkrieg fiel eine Neugestaltung des Altarraums, die im August 1941 abgeschlossen wurde. „Es dürfte wohl kaum ein Gotteshaus in der Erzdiözese Köln geben, das zu einem noch späteren Zeitpunkt während des Zweiten Weltkrieges eine neue Altaranlage erhielt, wurden doch durch Luftangriffe zur selben Zeit in den Großstädten schon die ersten Kirchen zerstört.“ Weitere Neugestaltungen der Dreifaltigkeitskirche folgten im Laufe der Jahre.

Richtfest für die Kirche Sankt Dreifaltigkeit Siegburg-Wolsdorf

Richtfest für die Kirche Sankt Dreifaltigkeit Siegburg-Wolsdorf

Auf der Internetseite der Servatius-Gemeinde hebt der Verfasser Stefan Groß die Chorfenster mit der Darstellung und Verehrung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit aus den Jahren 1942-1945 hervor. Der damalige Pfarrrektor Heinrich Dresen habe sie mit entworfen, eine Firma in Kevelaer die Fenster gefertigt. „Diese Fenster spiegeln auch teilweise den Druck und den Zeitgeist wider, dem sich dieser Widerstandspriester im Dritten Reich ausgesetzt sah.“

Auf dem Portal Rheinische Geschichte des LVR wird geschildert, wie Dresen immer wieder mit dem Regime in Konflikt geriet. Bereits am 18. März 1945 druckte er auf einer kleinen Handpresse Flugblätter: „Macht die weißen Fahnen fertig“ und „Helft uns, den Krieg beenden. Keinen Schuss mehr schießen! Die braunen Teufel haben ausregiert“.

1955 wurde St. Dreifaltigkeit als Rektoratspfarrei aus der Mutterpfarrei St. Servatius gelöst. Nach dem Tod von Pfarrer Johannes Ley 1986 aber fand sich kein Priester mehr für Wolsdorf. Seit 2009 gehört sie zur neuen Kirchengemeinde St. Servatius, zu der auch St. Anno Siegburg, St. Elisabeth Deichhaus, St. Joseph Brückberg, St. Servatius Stadtmitte, und St. Marien Kaldauen-Seligenthal-Stallberg vereinigt wurden.   


Das Jubiläum wird am kommenden Wochenende gefeiert: Am Sonntag, 10. Mai, beginnt um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst mit einer Ausstellungseröffnung St. Dreifaltigkeit in alten Bildern, die Ausgabe der Siegburger Blätter, die sich dem Gotteshaus widmet, ist erhältlich. Am Sonntag drauf, 17. Mai, 9.30 Uhr folgt ein weiterer Festgottesdienst mit Weihbischof Ansgar Puff, der von Wolsdorfer Vereinen und Chören mitgestaltet wird. Anschließend wird in der Unterkirche gefeiert.