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GeorgsrittDie Zahl der Teilnehmer an der Reiterprozession in Kallmuth ist weiter rückläufig

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Hoch zu Ross grüßt der Pfarrer mit dem gelupften Birett.

Als erfahrener Reiter nahm der Hauptzelebrant Pastor Thomas Schlütter im Sattel auf dem Wallach „Jojo“ an der Prozession teil. Das Birett vertauschte er beim Ritt aber gegen einen Reiterhelm.

Auch Radfahrer steuerten bei der Traditionsveranstaltung verstärkt die Festwiese an. Pfarrer Thomas Schlütter saß als früherer Westernreiter sicher im Sattel.

Auch sonnige Tage haben ihre Schattenseiten. „Der Tag ist wie für uns gemacht“, freute sich Robert Ohlerth, Ortsbürgermeister von Kallmuth, über den Sonnenschein, der am 1. Mai den traditionellen Georgsritt für einen warmen Tag sorgte. Doch die Freude war nicht ungetrübt bei der 72. Auflage der Traditionsveranstaltung. Denn nur 53 Pferde mit ihren Reitern nahmen an der Prozession teil, die wie in jedem Jahr von der Festwiese am westlichen Ortseingang zum Georgspütz führt.

Die katholischen Reiter werden immer weniger“, bedauerte Ohlerth. Zwar gebe es in den Orten rund um Kallmuth immer noch genug Pferde, doch die würden eben nicht alle an der Reiterprozession teilnehmen. Doch eines sei sicher: „Solange noch ein Reiter mitgeht, werden wir den Georgsritt am Leben halten“, versprach er.

Kaltblüter ziehen Prozessionswagen mit den Geistlichen

Immer noch gibt es Reiter, die zum ersten Mal beim Georgsritt dabei sind. Etwa Jana Roos, die mit der Stute „Bärbelchen“ aus Gemünd angeritten war. Ihr eigenes Pferd erhole sich nach einer Krankheit. So hatte sie sich die Stute von Janina Cadoni ausgeborgt. Auch wenn Roos zum ersten Mal in Kallmuth mitritt, sei das nicht ihre erste Pferdesegnung gewesen, erklärte sie. „Ich kenne das aus der Gegend von Daun“, sagte sie.

Nomen ist bekanntlich Omen, und so ließ es sich Maria Luise Kallmuth aus Kreuzau-Untermaubach nicht nehmen, auch in diesem Jahr den Tag der Arbeit in Kallmuth zu verbringen. „Meine Vorfahren sind vor vielen Jahrhunderten einmal in Kallmuth ansässig gewesen“, berichtete sie. Wenn es ihr möglich sei, komme sie stets zu der Reiterprozession und dem Gottesdienst. „Die letzten zwei Jahren war ich allerdings nicht hier“, gestand sie.

Die Prozession der Reiter zieht über eine Straße. Allen voran die berittenen Fahnenträger.

Zum 72. Mal zogen Pferde, Reiter und Fußgänger am 1. Mai zur Pferdesegnung an den Georgspütz.

Die drei Reiterinnen sitzen auf ihren Pferden.

In kallmuth zu Hause sind Rübe (v.l.), Joyce und Dusty, die mit ihren Reiterinnen Jana, Julia und Klara am Georgsritt teilnahmen.

Auf dem Prozessionswagen ließen sich die Geistlichen Dr. Shaji Thomas, Subsidiar Felix Dörpinghaus und Diakon Manfred Lang über die rund 1,5 Kilometer lange Strecke bis zum Georgspütz von den beiden Kaltblut-Wallachen Zeus und Thor ziehen. Nicht so dagegen Hauptzelebrant Pastor Thomas Schlütter aus Schleiden, der die Predigt des Gottesdienstes am Georgspütz hielt. Wie ein Superheldenumhang wehte sein Chormantel im Wind, als er auf dem Rücken des Wallachs „Jojo“ an der Prozession teilnahm.

Solange noch ein Reiter mitgeht, werden wir den Georgsritt am Leben halten.
Robert Ohlerth, Ortsbürgermeister von Kallmuth

„Ich habe mich seit Wochen darauf gefreut“, gestand er. In seiner Kindheit und Jugend hatte er das Reiten gelernt. „In meiner Zeit als Kaplan habe ich mich dann mit Westernreiten beschäftigt“, sagte er. Doch immerhin sei auch das bereits zehn Jahre her, so dass er sich im Vorfeld des 1. Mai auf dem Lindenhof auf der Kartsteinhöhe erst einmal wieder an das Gefühl gewöhnte, in einem Sattel zu sitzen.

Vorbildlich vertauschte er auch, kurz bevor die Prozession startete, das traditionelle Birett, die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher, mit dem Reiterhelm. Doch das alte Feuer schien wieder aufgeflammt zu sein, denn er deutete an, vielleicht wieder mit dem Reiten anzufangen.

Die beiden Frauen halten das Pferd.

Bärbelchen aus Gemünd mit Besitzerin Janina Cadoni und Reiterin Sarah Roos.

Rund 200 Fußgänger waren mit an den Georgspütz gekommen und verfolgten eine engagierte Predigt des Leiters des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden. Er nahm den direkten Bezug zu dem Namenspatron der Prozession und forderte die Gläubigen auf, genau wie Georg die Drachen zu bekämpfen, aber die Drachen unserer Zeit.

„Da ist der Drache eines autoritären Imperialismus“, mahnte er. Nicht nur durch den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Putin, sondern beim US-Präsidenten Donald Trump werde Wahrheit durch Lüge und internationale Solidarität durch puren Egoismus und isolationistischen Nationalismus ersetzt.

Wer verzichten kann, bricht dem Konsumdrachen einen Zacken aus der Krone.
Thomas Schlütter, Pfarrer des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden

Vor der Haustür liege der Drache der Spaltung überall dort, wo Extremismus Fuß fasse. Der Drache, der sich Alternative nenne, sich bürgerlich gebe, und doch die alte Bestie der 1930er- und 1940er-Jahre sei. Und auch in den Einkaufskörben, im unbegrenzten Konsum säßen Drachen. Die stärkste Lanze dagegen sei die Gemeinsamkeit, die im Glauben verwurzelt sei. „Wer verzichten kann, bricht dem Konsumdrachen einen Zacken aus der Krone“, nannte er eine Möglichkeit.

Am Altar vor der Festwiese steht der Pfarrer, die übrigen Kirchenvertreter sitzen hinter ihm. Auf der Wiese sitzen zahlreiche Gottesdienstteilnehmer.

Eine engagierte Predigt hielt Pastor Thomas Schlütter, der die Gläubigen aufforderte, gegen die Drachen der heutigen Zeit zu kämpfen.

Auch mit der Lanze der Wahrheit dagegenzuhalten, wenn in der Whatsapp-Gruppe oder am Stammtisch der Drache der Hetze sein Maul aufreiße, sei eine Möglichkeit. „Das ist moderner Drachenkampf“, so Schlütter.

Zunehmend steuern auch Fahrradfahrer die Festwiese an

Nicht alle Menschen, die am Straßenrand in Kallmuth die Prozession verfolgt hatten, waren mit an den Georgspütz gekommen. Sie waren direkt auf die Festwiese gekommen, wo sich nach dem Gottesdienst auch die Teilnehmer des Georgsrittes bei 350 Liter Erbsensuppe und Kaltgetränken versammelten. Für die musikalische Untermalung sorgte der Musikverein Kallmuth, der auch die Prozession mit schwungvollen Klängen begleitet hatte.

Mehr als 300 Menschen seien auf der Festwiese gewesen, schätzte Ohlerth. Darunter habe es aber auch etliche gegeben, die auf einer Fahrradtour in Kallmuth Station gemacht hätten, um sich zu stärken. „Das hat sich geändert im Vergleich zu den Vorjahren, das habe ich so noch nicht erlebt“, sagte er.