Handwerk, klösterliche Traditionen und touristische Angebote zu vereinen, das schafft der Altenberger Klostermarkt auch in diesem Jahr.
Mittelalter erlebenDer Altenberger Klostermarkt ist weit mehr, als eine Verkaufsmeile

Handwerkskunst, Traditionen des klösterlichen Lebens und kulinarische Angebote vereint der Klostermarkt.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Das Geräusch ist unerbittlich. Ping. Ping. Ping. Es schneidet durch das Stimmengewirr der Besucher und das sanfte Plätschern der Dhünn. So laut, dass Schmieden während der Livemusik auf der kleinen Bühne nicht geht. Wer dem Rhythmus folgt, landet bei Felix Görres. Er steht am Amboss, das Gesicht verschwitzt, die Arme muskulös. Görres ist Hufschmied. An diesem sonnigen Samstag in Altenberg ist er mehr: der Taktgeber des Klostermarkts.
Mit der Zange greift er ein glühendes Stück Metall. Es leuchtet hellorange, fast weiß. Ein paar präzise Schläge – aus einem formlosen Stab wird ein flacher. Dann schmiedet er Hufeisen an den Stab. Es entstehen Figuren. Die Zuschauer stehen im Kreis. Sie schweigen. Faszination des Elementaren: glühendes Eisen und Kraft.
Mittelalter und klösterliches Leben werden in Altenberg erfahrbar
Mittelalter erlebbar machenAltenberg hat gerufen, viele sind gekommen. Drei lange Budenreihen ziehen sich über das Gelände zwischen Haus Altenberg und dem neuen Exerzitienhaus Edith Stein. Die Idee: Mittelalter und klösterliches Leben nicht im Museum verstecken, sondern erlebbar machen.

Bei schönstem Wetter schlenderten die Besucher über den Markt.
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Man riecht es. Frisch gebackenes Brot. Das Aroma von Klosterbier. Der herbe Duft von Schnaps. Alles Dinge, die schon die Zisterzienser hier produzierten, lange bevor der Tourismus das Bergische Land entdeckte.
Der Markt bewegt sich zwischen Andacht und Kommerz
Der Markt ist eine Gratwanderung zwischen Andacht und Kommerz. Auf der einen Seite die Domgemeinden, die für die geistliche Betreuung sorgen, der Altenberger Domverein, der Verein Landschaft und Geschichte e.V. (LuGeV) und die Altenberger Kräuterfrauen, die ihre Arbeit erklären.

Zu kaufen gab es Verschiedenes aus dem Bereich der Handwerkskunst.
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Auf der anderen Seite das kulinarische Hier und Jetzt. Markus Wißkirchen versorgt die Besucher mit Getränken und Speisen, das Haus Altenberg verkauft Waffeln am laufenden Band. Und wer den modernen Wachmacher braucht, bekommt ihn am Stand mit frischem Kaffee aus Äthiopien. So mancher Mönch hätte vor der morgendlichen Laudes wohl gern ein solches Getränk genommen. Doch Kaffee kam erst im 17. Jahrhundert nach Europa.
„Im Mittelalter war das eine kriegsrelevante Tätigkeit“
Zurück zu Felix Görres. Wer ihm zusieht, vergisst leicht, dass dieser Beruf kein Hobby ist. „Im Mittelalter war das eine kriegsrelevante Tätigkeit“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ohne Schmied kein Pferd, ohne Pferd kein Ritter, ohne Ritter kein Sieg. Görres beherrscht die Klaviatur der Geschichte – und kennt die Härte der Gegenwart.

Viele Stände luden zum Verweilen ein.
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Selbst während der Pandemie, als das öffentliche Leben stillstand, arbeiteten die Hufschmiede weiter. Pferde brauchen ihre Eisen, Virus hin oder her. Doch das Handwerk fordert seinen Tribut. Nach zwölf Jahren im Beruf streikte der Körper: Bandscheibenvorfall. Trotz seiner jungen Jahre arbeitet Görres heute nur noch zwei Tage die Woche in der Schmiede.
Eine Ausflugsregion, die ihre Wurzeln nicht vergessen hat
Das Eisen ist geduldig – der menschliche Rücken nicht. Am Sonntag wird es ernst: Dann demonstriert er, wie ein Pferd beschlagen wird. Aus der Show wird Notwendigkeit.
Der Klostermarkt ist mehr als eine Verkaufsmeile. Wer die Enge der Budenreihen hinter sich lässt, schließt sich den Wanderungen in die grüne Lunge des Bergischen an oder lässt sich durch den Dom führen, dessen Westfenster in der abendlichen Sonne besonders prächtig wirkt. Das Bergische präsentiert sich als Ausflugsregion, die ihre Wurzeln nicht vergessen hat.
Das Mittelalter in Altenberg ist kein Pappmaschee
Diese Mischung macht den Reiz. Man kauft ein Holztablett beim Handwerker, verkostet ein Bier nach altem Rezept, lauscht der Musik – und über allem thront die massive Präsenz des Altenberger Doms. Eine Inszenierung mit Substanz.
Wenn die Sonne langsam hinter den bewaldeten Hängen versinkt, Felix Görres den Hammer beiseitelegt und die Besucher zur Abendmesse in den Dom gehen, bleibt ein Bild: Das Mittelalter in Altenberg ist kein Pappmaschee. Es schmeckt nach Brot, riecht nach Bier und erinnert an echtes Handwerk. Werkstücke, die durch verdammt harte Arbeit entstehen – nicht durch Roboter im weit entfernten China. Der Klostermarkt in Altenberg vereint regionales Handwerk, klösterliche Traditionen und touristische Angebote der Region.
