Auf dem Bürgerforum am 9. Mai werden die nächsten Planungsschritte auf dem Zanders-Gelände in Bergisch Gladbach vorgestellt.
ZandersGladbachs Papierfabrik bekommt einen Freizeitpark

Das Emblem der Papierfabrik Zanders
Copyright: Christopher Arlinghaus
Schon fünf Jahre ist es am kommenden Donnerstag her, dass die Papierfabrik Zanders, industrielles Herz von Bergisch Gladbach , ihren Betrieb eingestellt hat. Der 30. April 2021 ist zu einem Tag geworden, der sich tief in das Gedächtnis eingebrannt hat.

Klettermöglichkeit in der Gleisharfe
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Die Umwandlung zu einem lebendigen Stadtviertel mit einer modernen Infrastruktur benötigt Zeit, mehr, als mancher erwartet hat. Das erste konkrete Projekt ist jetzt so gut wie abgeschlossen: der Gleispark. Zum ersten Mal legen zudem das Projektteam Zanders und das Architekturbüro „Albert Speer und Partner“ einen Entwurf für eine Planungsvariante vor mit einer Illustration der beschlossenen Leitideen – allerdings ohne Zeitplan.

Planerin Marie Meußen erklärt die nächsten Schritte
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Der Gleispark ist dabei ein erster sichtbarer Baustein. Das Allermeiste der knapp 37 Hektar Fläche ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Für Radfahrer und Passanten gibt es seit einiger Zeit einen Durchgang nach Gronau. Aktuell musste die Route umgelegt werden, weil Rohrleitungen ausgetauscht werden. Fahrradfahrer müssen aufpassen, nicht mit den Reifen in den Schienen hängen zu bleiben.

Industriearchitektur prägt das Bild
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Es sind schon Unfälle passiert. Der Gleispark soll ebenfalls Kontaktmöglichkeiten schaffen. Schon vom Namen her kann der Park seine verkehrsgeschichtliche Herkunft nicht leugnen. Über Jahrzehnte waren die früheren Verladerampen auf dem Werksgelände über Zubringergleise angebunden an ein Schienennetz. Die Bahngleise sind immer noch zu sehen, werden bewusst nicht versteckt.
Im Gegenteil, sie kommen jetzt auf andere Weise zur Geltung. Besucher können sehen, wo die Güterwaggons früher verladen wurden und die ins Werk transportierte Kohle in ein riesiges Silo kam. Die Relikte der Industriegeschichte sind jetzt zu Spazierwegen im Park geworden, indem die Flächen zwischen den Gleisen mit Pflastersteinen verfüllt wurden.

Die Strunde fließt auch über das Werksgelände
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Es ist für jeden etwas dabei: Sitzbänke, eine Halfpipe für Skater, eine Anlage für Krafttraining, Kleinspielfeld für Fußball und Basketball, Tischtennisplatten sowie Rutsche und Klettergerüste für jüngere Kinder. „Eine Insel zum Sitzen und zum Verweilen“, sagt Marie Meußen, die als Stadtplanerin das Projekt im Zanders-Team begleitet. Die Eröffnung findet am Samstag, 9. Mai, statt, wenn das Projektteam interessierten Gladbacherinnen und Gladbachern ein Update zu den neuesten Entwicklungen gibt.
Anbindung an die Stadt
Die neue Freizeit- und Erholungsfläche macht die Stadtlandschaft, gelegen an der Hauptverkehrsachse der Gohrsmühle, luftiger und grüner. Gleichzeitig fällt das Rohe, Ungeschliffene auf, das sich wie ein Rückgrat durch die ganze Anlage zieht. So, wie es jetzt ist, wird es aber nicht bleiben – auch wenn Stadtplaner und Architekten soweit wie möglich im Bestand arbeiten möchten.
„Wir haben außer den denkmalgeschützten Gebäuden weitere Gebäude identifiziert, die sich für eine Nachnutzung eignen würden“, erläutert Meußen. Sie sollen entsprechend beworben werden, in der Hoffnung, dass sich ein Investor findet. Wohnen im historischen Backsteingebäude, das könnte Interessenten anziehen. In den neu präsentierten Skizzen findet sich alles, was ein Stadtviertel braucht, vom Supermarkt über eine Kindertagesstätte bis zur Grundschule.

Relikte der Industriearchitektur
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„Nur für die Kinder, die hier wohnen werden“, erklärt die Stadtplanerin. Nicht gemeint sei eine neue Grundschule, die die Stadt zusätzlich an anderer Stelle wegen des grundsätzlichen Zuzugs errichten muss. Drei- bis fünfgeschossig soll gebaut werden, für bis zu 3000 Menschen, auf den Skizzen findet sich die Wohnbebauung in Richtung Heidkamper Tor. Es ist ein weiter Weg, den die Planer bereits gegangen sind, das wird deutlich.
Und ein weiter Weg liegt noch vor ihnen. „Eine Infrastruktur, wie in jedem Stadtviertel vorhanden, hat es auf Zanders nicht gegeben“, sagt die Planerin. Von Industriestrom müsse komplett umgestellt werden auf herkömmliche Netze, zum Beispiel. Hier sei die Belkaw als Partner an der Seite. Auch bei der Entwässerung bleibe vieles zu tun, bei Planung und Umsetzung. Zandrianer wissen, dass es zahlreiche Klärbecken auf dem Gelände gibt.
Klären der Abwässer
Aber sie seien ausgerichtet gewesen auf die Bedürfnisse der Papierfabrik und die Abwässer in den Rechtsrheinischen Kölner Randkanal abgeleitet worden. Nun aber müsse ein Kanalnetz entstehen, das die Abwässer der künftigen Bewohner in Richtung des Zentralklärwerks Beningsfeld in Refrath ableite. Zum Jahresende seien zur Infrastruktur wegweisende Beschlüsse vorbereitet.
In wenigen Jahren, meint die Planerin, könnten die ersten Wohnungen bezogen werden. Wohnen mit Industriecharme, das werde stark nachgefragt. Manche Hallen, in schlechtem Zustand, seien schon abgebrochen worden. Aber um jedes einzelne Gebäude werde gerungen. Und dann rückt die Planerin einen Bauzaun zur Seite, an einer unscheinbaren Ecke des Geländes.
Auf einmal: Natur pur, die Strunde plätschert. Unterirdisch sprudelt sie aus einer Verrohrung heraus. Diese grüne Zone kennt kaum jemand, das Gelände ähnelt hier einem bergischen Urwald. „Das wird alles so bleiben“, verspricht die Planerin. Die offengelegte Strunde, daran lässt die Planerin keinen Zweifel, soll auch zu einem künftigen Markenzeichen des neuen Stadtviertels werden.
