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AltenbergMit dem Edith-Stein-Haus hat das Erzbistum Köln wieder ein zentrales Exerzitienhaus

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Ein altes Haus aus Bruchstein. davor eine alte Platane und eine weiße Fahne.

Für rund fünf Millionen Euro wurde das Alte Brauhaus in Altenberg zum Exerzitienhaus für das Erzbistum Köln umgebaut.

Wo einst Klosterbier gebraut wurde, sollen Menschen nun einen Ort finden, um seelisch aufzutanken. Der Umbau kostete rund fünf Millionen Euro. 

Das Alte Brauhaus gehörte im Mittelalter zu den Wirtschaftsgebäuden des ehemaligen Zisterzienserklosters Altenberg. Hier wurde Bier gebraut, damals kein Luxus, sondern schiere Notwendigkeit, stellte das Gebräu doch sicher, dass man nicht verseuchtes Wasser zu sich nahm. Nun solle das Haus Menschen mit seelischer Nahrung versorgen, sagte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Einweihung am 18. März. Zur feierlichen Eröffnung und Segnung des Hauses (wir berichteten) waren vor allem die für den Bau Verantwortlichen und Ehrengäste eingeladen.

Mit dem Edith-Stein-Haus existiere ein „Ort, an dem Erfahrung des Glaubens auf unterschiedliche Weise möglich ist und Gläubige eine geistliche Heimat finden können“, sagte Kristell Köhler, Bereichsleiterin Glaubensorte & Verkündigung im Erzbischöflichen Generalvikariat, in ihrer Begrüßung. Damit setze man ein wichtiges pastorales Zeichen. Im Edith-Stein-Haus bietet das Erzbistum Exerzitien, geistliche Angebote sowie Kurse zur biblischen und liturgischen Bildung an.

Das Haus wurde barrierearm gebaut und bietet Einzelzimmer für 22 Gäste

Das Alte Brauhaus präsentiert sich nach dem Umbau in schlicht-edlem Ambiente mit hochwertigen Materialien und hellen, klaren Strukturen. Kursteilnehmern stehen 22 Einzelzimmer, jeweils mit Dusche und WC zur Verfügung, Räume der Stille und Meditation, aber auch der Gemeinschaft. An der Dhünn wurde eine kleine Terrasse geschaffen. Um das Haus barrierearm zu gestalten, wurde ein Lift eingebaut. Die Versorgung der Gäste erfolgt in Zusammenarbeit mit dem gegenüberliegenden Haus Altenberg, wo sich auch die Rezeption befindet.

Ein Kardinal in schwarz-purpur Talar steht vor einem Haus.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki segnete das neue Haus für das Bistum.

„Der ganze Spaß hier hat Geld gekostet“, gab Woelki unumwunden zu. Das Erzbistum gibt die Investition für die Sanierung mit rund fünf Millionen Euro an, darin inbegriffen seien sowohl die Kosten für den Umbau als auch die Beseitigung der Flutschäden aus dem Jahr 2021. Die sorgten auch dafür, dass sich der Umbau nach der Coronapandemie noch weiter verzögert hatte. Im Sommer 2024 starteten dann die Arbeiten, die auch die Auflagen des Denkmalschutzes auf dem Areal und die komplexe Wasserführung berücksichtigen mussten. So verläuft hier auch der historische Mühlengraben des ehemaligen Klosters.

Das Edith-Stein-Haus soll ein Ort des Suchens und des Findens sein

Doch wichtiger als die materielle Ausstattung „dieses wunderschönen Hauses“, so Woelki, wichtiger als die äußere Hülle seien die inneren Werte. Man wolle hier „einen Ort der Gottesbegegnung“ im Bergischen Land schaffen. Einen Ort der Stille, an dem Menschen zur Ruhe kommen, geistlich auftanken und ihr Leben „neu justieren“ könnten. Ein Ort der Auseinandersetzung mit der eigenen Person und mit Gott.

Ein Gemeinschaftsraum mit hellem Parkett und hellen Sitzmöbeln. An der Wand eine Regalwand mit geistlichen Büchern.

Das Haus soll ein Ort der Ruhe sein. Ein Ort  für die Fragen des Lebens und zum Kraft schöpfen.

Im Vorfeld hatte es Überlegungen gegeben, ob Altenberg als Standort für ein Exerzitienhaus die richtige Wahl ist – zu touristisch, zu wenig abgeschieden, galt manchem der Ort an der Dhünn. „Es war ein langer Weg des Suchens und Ringens, bis wir an diesem traditionsreichen Ort fündig geworden sind“, erklärte auch der Erzbischof. Ein Prozess, der fast zehn Jahre gedauert habe. Zwischenzeitlich sei auch das Kloster Maria Laach als Standort geprüft worden. Nun aber werte das Edith-Stein-Haus das gesamte Ensemble in Altenberg auf. Ein Ort, der auch ökumenisch geprägt sei und seit dem Mittelalter ein geistlich-religiöses Zentrum sowie seit 100 Jahren mit Haus Altenberg „das Herz der Jugendseelsorge“ darstelle, so Woelki.

Das Exerzitienhaus will an 900-jährige Tradition in Altenberg anknüpfen

Dass man mit Altenberg den richtigen Ort gewählt habe, denkt auch Marianne Bauer, die als Fachbereichsleiterin Geistliches Leben das Kursangebot verantwortet: „Wir sind hier mitten im Leben und knüpfen trotzdem an eine über 900-jährige Tradition an.“ Diese spirituelle Atmosphäre strahle der Ort selbst bei Trubel aus. Die 49-Jährige lernte Altenberg erstmals als Jugendliche kennen, als sie als Teil einer Delegation aus dem Bistum Dresden-Meißen zum Altenberger Licht anreiste. „Sobald man den Torbogen durchschreitet, ist man in der Natur“, sagt sie, das sei ein großer Vorteil im Vergleich zum alten Standort.

Ursprünglich war das Edith Stein-Exerzitienhaus von 1997 bis 2014 auf dem Michaelsberg in Siegburg beheimatet. Als die Benediktiner ihr dortiges Kloster aufgaben, wurde im Rahmen der Gebäudeumgestaltung für die Ansiedlung des Katholisch-Sozialen Instituts entschieden, das Exerzitienhaus zu verlegen. Seither hatten die Kurse dezentral stattfinden müssen.

Ein Haus für alle, die sich auf den Weg machen wollen

„Unser Angebot richtet sich an Christen und Christinnen, die ihren Glauben vertiefen wollen; wie sind aber auch offen für jeden, der sich auf den Weg machen möchte“, so Marianne Bauer. Das Kursprogramm umfasst Angebote für Gruppen und Einzelgäste, von etablierten Kursen bis zu neuen geistlichen Veranstaltungsformaten. Es ist auf der Website (www.erzbistum-koeln.de/edith-stein-haus) zu finden.

Am Sonntag, 22. März, von 11 bis 17.30 Uhr, lädt das Team alle Interessierten zu einem Tag der offenen Tür ein, um die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen und über Schnupper-Angebote das Programm kennenzulernen. Anmeldemöglichkeit und Programmübersicht auf der Homepage des Kölner Erzbistums.