Rund 300 Jugendliche informieren sich im Jugendhaus Rheindorf über Ausbildungswege. Der Übergang von der Schule in den Beruf fällt vielen schwer.
Berufsorientierung Infobörse in RheindorfDer schwierige Weg in die Ausbildung

„Die Jugendlichen müssen merken, dass es Menschen gibt, die sich ihrer Sorgen annehmen“, sagt Ansgar Lutz.
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Immer mehr Schülerinnen und Schüler fühlen sich orientierungslos, wenn es um ihre Zukunft geht. Es gibt eine große Bewerberzahl auf wenige Ausbildungsplätze, viele warten vergeblich auf Rückmeldungen von Betrieben. Diese Erfahrung ist für die meisten Jugendlichen frustrierend. Auf der Infobörse des Arbeitskreises Jugend und Arbeit sollen junge Menschen in die richtige Richtung gelenkt werden.
Der Arbeitskreis vereint 15 Träger und Einrichtungen und bietet ein breites Spektrum an Hilfen: von Berufsorientierung über Beratung und Qualifizierung bis hin zu konkreten Ausbildungswegen. Ziel ist es, diese Angebote möglichst leicht zugänglich zu machen.
Von Jugendberufshilfe über Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer bis hin zum Berufsbildungsbereich für Menschen mit Behinderung sind einige Einrichtungen vor Ort. Doch das Angebot scheint nur bedingt mit den Erwartungen vieler Jugendlicher zusammenzupassen.
Zwischen Lustlosigkeit und Überforderung
In den Gesprächen und an den Ständen wird deutlich: Ein Teil der Jugendlichen wirkt wenig motiviert, teilweise auch desinteressiert und skeptisch. „Schülerinnen und Schüler haben immer weniger Orientierung“, sagt Ansgar Lutz von der Offenen Jugendberufshilfe. Neben der schwierigen Berufswahl spielen auch persönliche Belastungen, Zukunftsängste und globale Krisen eine Rolle. Hinzu kommt: Entscheidungen werden häufig aufgeschoben. Einige Jugendliche jobben lieber zunächst, statt sich festzulegen. Andere fühlen sich von der Vielzahl an Möglichkeiten eher überfordert als motiviert.
Schülerinnen und Schüler haben immer weniger Orientierung.
Auch strukturelle Probleme erschweren den Einstieg. In Leverkusen stehen etwa 100 freie Ausbildungsplätze rund 195 Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber. Gleichzeitig ist das Angebot oft sehr spezialisiert, etwa im chemischen Bereich. Klassische Berufe wie kaufmännische Ausbildungen oder Kfz-Mechatronik bleiben besonders gefragt, entsprechend groß ist hier die Konkurrenz. Viele Jugendliche berichten zudem, dass sie auf Bewerbungen keine Rückmeldung erhalten. Das frustriert die meisten sehr.
Unterstützung bleibt entscheidend
Gerade deshalb betonen die Organisatorinnen und Organisatoren, Annika Schäfer von der Koordinierungsstelle Übergang Schule Beruf, Stadt Leverkusen, Ansgar Lutz von der Offenen Jugendberufshilfe und Michaela Pelster vom Wuppermann Bildungswerk, wie wichtig es sei, frühzeitig Hilfe anzunehmen, etwa durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, Schulsozialarbeit oder Übergangslotsen an Berufskollegs. „Die Jugendlichen müssen merken, dass es Menschen gibt, die sich ihrer Sorgen annehmen“, sagt Ansgar Lutz.
Die Möglichkeit, direkt am Ausstellungsstand Termine zu vereinbaren, soll Hemmschwellen abbauen. Die zentrale Botschaft lautet: Unterstützung ist da – aber man muss sie auch nutzen. Ein Beispiel dafür ist die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme „BvB Pro“, angeboten von den Grone-Bildungszentren in Leverkusen. Hier können Jugendliche über ein bis eineinhalb Jahre verschiedene Berufsfelder praktisch ausprobieren. Ziel ist es, Orientierung zu schaffen und den Einstieg in Ausbildung oder Arbeit zu erleichtern.
Wunsch nach Struktur
Diese Chance nutzen auch der 20-jährige Aleksander Stoilkor und der 17-jährige Tim Trishin. Beide haben einen Realschulabschluss. Tim Trishin kommt nach verspäteten Bewerbungen über die Arbeitsagentur in die Maßnahme und möchte Kfz-Mechatroniker werden. Aleksander Stoilkor interessiert sich für eine kaufmännische Ausbildung. Ihr gemeinsamer Rat lautet: Praktika machen, um herauszufinden, was wirklich passt.
Pia Krieger ist 16, besucht die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, hat schon ein paar Praktika im medizinischen Bereich hinter sich und will später auch in dieser Richtung arbeiten. „Ich habe das Gefühl, das ist nicht die richtige Veranstaltung für mich“, sagt sie. Das Event findet sie chaotisch. Zur Berufsvorbereitung in der Schule wünscht sie sich noch mehr Praxis. Die 15-jährige Kjamila Bislimi sammelte bereits Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern, interessiert sich aber für Kosmetik. „Ich weiß noch nicht, was für eine Ausbildung ich machen möchte“, sagt sie.
„Be Azubi“ ist eine neue Internetseite der Stadt in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung, auf der Unternehmen mit Interessierten an Praktikums- und Ausbildungsplätzen zusammengebracht werden sollen. Im Bildungsausschuss informierte Eva Lorenz, zuständig für Jugendförderung und Sozialarbeit, über den Stand des Angebots: Die Seite steht für beide Seiten zur Anmeldung bereit, einige Unternehmen, darunter auch die städtischen Töchter, haben sich bereits registriert. Bei weiteren Unternehmen soll aktiv dafür geworben werden.
Betriebe legen dabei ein Profil an, wählen Berufsfelder und Praktikumsangebote aus und können ihre Angebote an Schulpraktikumstermine in der Umgebung anknüpfen. Auf der Seite soll hinterlegt werden, wann an den jeweiligen Schulen die Praktikums-/Berufsfelderkundungstage stattfinden.
Schülerinnen und Schüler ab Klasse acht können ein anonymes Profil anlegen und dort Stärken, Fähigkeiten und Interessen eintragen. Begleitet werden sie dabei von den Studien- und Berufsorientierungslehrkräften an ihren Schulen. Über das Portal können sie sich auf freie Plätze bewerben und ebenfalls Zu- und Absagen sowie Teilnahmebescheinigungen erhalten.
Unternehmen können auch gezielt Angebote an Schülerinnen und Schüler stellen, deren Interessen in das Firmenprofil passen. (stes)
