Abo

150 Jahre FriedenskircheSanierung der ältesten evangelischen Kirche in Ehrenfeld steht an

4 min
150 Jahre alt und sanierungsbedürftig: Die Friedenskirche mit ihrem gut 40 Meter hohen Turm, von der Vogelsanger Straße aus gesehen.

150 Jahre alt und sanierungsbedürftig: Die Friedenskirche mit ihrem gut 40 Meter hohen Turm, von der Vogelsanger Straße aus gesehen.

Pfarrer Stefan Dross will sich in Zeiten von Mitgliederschwund zeitgemäßer präsentieren und mehr Verbindung zum urbanen Ehrenfelder Umfeld suchen.

Ende April 1876 wurde der Grundstein für die Ehrenfelder Friedenskirche gelegt, noch im Dezember desselben Jahres konnte der markante klassizistische Sakralbau eingeweiht werden. 150 Jahre Friedenskirche: Die Evangelische Gemeinde Ehrenfeld wird das runde Jubiläum ihres ältesten Gotteshauses in gebührender Weise feiern. Doch ganz ungetrübt ist die Freude nicht: „Das Gebäude muss dringend saniert werden, wir können nicht warten, bis uns irgendwann die Steine vom Turm auf den Kopf fallen“, erklärt Stefan Dross.

Der Pfarrer der Ehrenfelder Kirchengemeinde lässt keinen Zweifel daran, dass es bei den Arbeiten vor allem um die Instandhaltung der Kirche an der Rothehausstraße gehen wird. Größere Veränderungen, gar ein anderes „Design“, seien nicht beabsichtigt. Schon, weil der Backsteinbau unter Denkmalschutz stehe, vor allem aber fehle es an den nötigen Mitteln für große Sprünge: „Wir müssen sehen, was wir uns noch leisten können“, sagt Stefan Dross, „allein die Aufstellung des Baugerüsts wird rund 130.000 Euro kosten.“

Die Vernetzung im Veedel vorantreiben: Pfarrer Stefan Dross sieht durchaus positive Entwicklungsmöglichkeiten für die Evangelische Gemeinde Ehrenfeld.

Die Vernetzung im Veedel vorantreiben: Pfarrer Stefan Dross sieht durchaus positive Entwicklungsmöglichkeiten für die Evangelische Gemeinde Ehrenfeld.

Kirchen kämpfen mit Mitgliederschwund

Denn die Zeiten sind hart für Kirchengemeinden. Auch nach dem Höhepunkt der Austrittswelle, die der Missbrauchsskandal und der spezielle Umgang mit dem Thema in der Domstadt ausgelöst hatten. Die Zahl der Gemeindeglieder nimmt weiter ab, folglich gehen auch die Kirchensteuer-Einnahmen zurück. In der Hoffnung auf Synergieeffekte hatten sich die ehemaligen evangelischen Kirchengemeinden Ehrenfeld und Bickendorf 2024 zur Evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld vereinigt, ihr Gebiet ist heute fast mit dem des Stadtbezirks Ehrenfeld identisch. Schon 2019 war im Vorgriff die Dreifaltigkeitskirche in Ossendorf säkularisiert worden.

Doch der Schrumpfungsprozess geht weiter. So soll die Zahl der Pfarrstellen in der Gemeinde von derzeit fünf bis Anfang der 2030er Jahre auf drei reduziert werden. Auch über den Verkauf weiterer Gebäude wird diskutiert, denn die laufenden Kosten sind hoch. „Ich glaube nicht, dass es die Friedenskirche trifft, sie ist schließlich die älteste evangelische Kirche im Kölner Norden und einfach ein cooler Ort“, meint Pfarrer Dross. Aber garantieren könne er ihren Bestand derzeit auch nicht.

Die übrigen vier verbliebenen Gotteshäuser der Ehrenfelder Gemeinde sind jedenfalls wesentlich jüngeren Datums: Die Auferstehungskirche in Bocklemünd wurde 1972 eingeweiht, die Emmauskirche in Vogelsang 1955, die Epiphaniaskirche in Bickendorf 1965 und die Versöhnungskirche in Neuehrenfeld 1963. Doch Stefan Dross hofft, dass im Rahmen der anstehenden Arbeiten maßvolle Veränderungen in der Friedenskirche möglich sind, die das Gebäude für die aktuellen Bedürfnisse der Gemeinde fit machen. Ein Architektenwettbewerb ist angelaufen, an dem sich acht Büros beteiligen. Noch am Ende des Jubiläumsjahres soll der Öffentlichkeit ein Konzept für die Sanierung vorgestellt werden.

Das wünscht sich Pfarrer Stefan Dross von einer Sanierung der Kirche

Einige konkrete Wünsche hätte der Pfarrer: „Der Hall ist einfach schrecklich: Für den Chorgesang ist das okay, aber wenn wir hier eine Veranstaltung haben, bei der beispielsweise verschiedene Gruppen untereinander diskutieren, dann kommen wir schnell an unsere Grenzen.“ Auch träume er davon, Familien eine Kirche anzubieten, in der sich Kinder auf Wunsch in einen abgetrennten Bereich zurückziehen können und die Eltern nicht ständig gestresst sind, weil die Kleinen den Gottesdienst stören.

„Man muss auch nicht grundsätzlich gegen Kirchenbänke sein und Stühle bevorzugen. Aber in der Friedenskirche riskiert man Bandscheibenvorfälle, wenn man die Bänke für bestimmte Veranstaltungen beiseite räumen möchte. Das ist viel zu umständlich.“ Auch Altar, Taufbecken und Kanzel könne man anders positionieren und damit Alternativen zum heute noch oft praktizierten „Frontalunterricht“ der Geistlichen schaffen.

Friedenskirche in Ehrenfeld: Wie sie mit Kultur und Freizeitangeboten noch attraktiver wird

Zeitgemäßer soll sich die Friedenskirche demnächst präsentieren, ihrer Lage mitten in dem „jungen Stadtteil“ entsprechend. „Religion ist wieder ein Thema, auch wenn sich das nicht bei den Kircheneintritten niederschlägt. Aber man verspürt schon eine große Begeisterung, eine Bereitschaft zum Engagement“, so Dross. Die Räume der Gemeinde, die Kirchen und Pfarrzentren, seien ausgelastet durch die vielen Angebote für Familien, Jugendliche und Senioren, nicht zuletzt bei Veranstaltungen rund um die Themen Freizeit und Kultur: Chorkonzerte, Rollschuhdisco, Nachtflohmärkte, Repair-Café und Krabbeltreffs – die Vielfalt lebt.

Und wenn das Rothehausstraßenfest gefeiert wird oder die Kölner Theaternacht, dann öffnen sich die Türen der Friedenskirche. Vielleicht bald auch mal zur Ehrenfelder Kunstroute: „Wir müssen uns noch weiter in den Stadtteilen vernetzen, noch mehr Teil des urbanen Lebens sein“, meint Stefan Dross.

„Wir haben etwa 11.500 Gemeindeglieder in Ehrenfeld. Mit den Gottesdiensten erreichen wir zehn Prozent, schätze ich, durch die übrigen Veranstaltungen aber 30 Prozent“, sagt der Pfarrer noch. Da sei noch mehr möglich, 60 Prozent vielleicht – wenn man die passenden Räume hat.