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150 aus 150Bernd Alois Zimmermanns bekanntestes Werk galt als unspielbar

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Der Komponist der Oper "Die Soldaten", Bernd Alois Zimmermann (l), unterhält sich mit dem Dirigenten und musikalischen Leiter Michael Gielen während einer Probe im Kölner Opernhaus.

Bernd Alois Zimmermann (links) unterhält sich mit dem Dirigenten und musikalischen Leiter Michael Gielen während einer Probe im Kölner Opernhaus.

In seiner Anti-Kriegs-Oper „Die Soldaten“ verwendete der Komponist eine Collagetechnik aus Simultanszenen, Filmprojektionen und Lautsprechern.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 23. Teil der Serie geht es um den Komponisten Bernd Alois Zimmermann.

Bedeutung

Bernd Alois Zimmermann war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er begann 1938/39 ein Studium an der Musikhochschule Köln, das er wegen Kriegsdienst und Verwundung unterbrechen musste und 1947 zum Abschluss brachte. Zu dieser Zeit war Zimmermann bereits als freier Komponist tätig. 1948 bis 1950 nahm er an den Darmstädter Kursen für Neue Musik teil und arbeitete anschließend als Lektor für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln.

Seit 1957 experimentierte er mit Hörspiel-Musiken im WDR. In dieser Zeit wurde er Professor an der Musikhochschule und gründete dort das Seminar für Bühnen-, Film- und Rundfunkmusik. Am bekanntesten ist seine in Zwölftontechnik komponierte Anti-Kriegs-Oper „Die Soldaten“. Grundlage war die gleichnamige Komödie von Jakob Michael Reinhold Lenz. Das vieraktige Werk galt als unspielbar, wurde aber dann doch nach langem Ringen mit dem Generalmusikdirektor und Änderungen durch Zimmermann 1965 in Köln uraufgeführt. Es folgten zahlreiche Inszenierungen im In- und Ausland.

Kritiker bezeichneten Zimmermanns einzige vollendete Oper als „Jahrhundert-Werk“. Er verwendete eine Collagetechnik aus Simultanszenen, Filmprojektionen und Einspielungen über Lautsprecher, teilweise im Zuschauerraum. Neben einem Orchester mit 100 Musikern, Solisten und Chor sieht Zimmermann Sprechschauspieler und eine Jazz-Combo vor. Ursprünglich sollten sieben Dirigenten das Werk präsentieren, was Zimmermann nach Einsprüchen änderte.


Bernd Alois Zimmermann

Geboren: 20. März 1918 in Bliesheim

Gestorben: 10. August 1970 in Groß-Königsdorf


Wirken in Köln

Zu seinen Schülern an der Musikhochschule gehören der Komponist und Bandleader Harald Banter sowie York Höller, Professor an der Musikhochschule.

Bemerkenswert

Zimmermann litt unter Depressionen und einer Augenkrankheit. Die Aussicht, nicht mehr komponieren zu können, trieb ihn in den Suizid. 1987 fand in Köln ein ihm gewidmeter dreitägiger Kongress statt. Seit 2014 hält eine nach ihm benannte Gesellschaft in Erftstadt-Bliesheim das Andenken wach.

Spuren in der Stadt

1966 erhielt Zimmermann den Kunstpreis der Stadt Köln. Seit 1978 vergibt die Stadt ein Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für Neue Musik in Höhe von 12.000 Euro.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.