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100 Ideen für KölnWie Journalismus die Zukunft gestaltet

6 min
Der Deutsche Lokaljournalistenpreis geht nach Köln.

Der Deutsche Lokaljournalistenpreis geht nach Köln.

Tausende Leserinnen und Leser, prominente Stimmen, eine Redaktion im Dialog: Der Deutsche Lokaljournalistenpreis geht nach Köln.

Wenn wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, fragen, warum Sie den „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiterhin lesen, antworten viele von Ihnen: Weil die Zeitung eine treue, tägliche Begleiterin ist. Weil wir ohne die Zeitung einsam wären. Weil wir den Nachrichten im Stadt-Anzeiger – anders als vielen Texten und Videos im Internet – vertrauen. Das Vertrauen unserer Leserinnen und Leser ist unser größtes Kapital. Es bringt Zinsen, die sich mit Geld nicht aufwiegen lassen. Das gilt in Zeiten digitaler Medien mit von Oligarchen gesteuerten Algorithmen, die Hass und Empörung belohnen, mehr denn je. Vertrauen in die Tageszeitung, das bedeutet in aller Regel auch Vertrauen in die Demokratie. Bei aller Kritik an dem, was nicht funktioniert.

Im Rahmen unserer Serie „100 Ideen für Köln“, die wir im vergangenen Jahr im Vorfeld der Kommunalwahlen im Kölner Lokalteil gestartet haben, brachte die Leserinnen und Leser uns ihr Vertrauen besonders eindrucksvoll entgegen. Mehrere 1000 (!) Mails mit Vorschlägen und Visionen für eine lebenswerte Stadt gingen bei uns ein. Dazu kamen 50 Ideen von prominenten Kölnerinnen und Kölnern. Noch mehr Menschen beteiligten sich an der Abstimmung für ihre Lieblingsideen auf unserer Plattform ksta.de.

Jetzt ist der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für die Serie „100 Ideen für Köln“ mit dem ersten Platz des Deutschen Lokaljournalistenpreises ausgezeichnet worden – einem der renommiertesten Preise für Lokaljournalismus in Deutschland. Er wird seit 1980 von der Konrad-Adenauer-Stiftung vergeben.

Die Jury lobte den dialogischen Ansatz der Berichterstattung. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ habe „mit allen heute zur Verfügung stehenden Mitteln und auf allen Verbreitungswegen – Print, digital und über Social Media-Kanäle – das Stadtgespräch bestimmt“. Besonders gelungen sei es, der oft als schwer empfundenen Wahlberichterstattung „etwas Leichtes, Spielerisches“ zu verleihen. „Die Auszeichnung freut uns sehr, weil sie einen Ansatz würdigt, den wir für zentral halten: Journalismus darf sich nicht im Beschreiben von Problemen erschöpfen. Gerade guter Lokaljournalismus sollte Menschen auch ermutigen, ihre Stadt mit Ideen und Zuversicht mitzugestalten“, sagt Chefredakteur Gerald Selch. „Dieser Preis ist die Anerkennung für eine Redaktion, die journalistische Relevanz mit Nähe zu den Menschen verbindet.“

Nähe zu Menschen und Gemeinschaften in Köln und der Region herzustellen – durch Berichte, Interviews, Reportagen, Podcasts und Videos, aber auch durch Veranstaltungen, Diskussionen und neuartige digitale und analoge Beteiligungsformate, hat sich der „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf die Fahnen geschrieben, um die Zukunft des Journalismus zu gestalten. „Wir wollen einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft, die oftmals nicht mehr aus Empörungsschleifen herausfindet, mit offenem Dialog, Beteiligungen aller Bürgerinnen und Bürger und konstruktiven Vorschlägen begegnen“, sagt Selch.

Im ersten Teil der Serie hatte Sterne-Köchin Julia Komp eine zentral gelegene Markthalle vorgeschlagen. „Markthallen sind in vielen Städten ein Publikumsmagnet – für Einheimische wie Touristinnen und Touristen. Für Köln wäre das eine große Chance. Ein Ort, der kulinarische Vielfalt, Regionalität und Nachhaltigkeit sichtbar macht, passt perfekt in unsere Zeit“, hatte sie geschrieben und viele begeisterte Leserbriefe und Kommentare auf Social Media erhalten. Patrick Adenauer, Chef des Kölner Bau- und Immobilienunternehmens Bauwens, hatte zum Auftakt der Serie einen Sonderbeauftragten für Sauberkeit vorgeschlagen.

Einige Ideen wurden zum Wahlkampf-Thema, viele zum Stadtgespräch. Kuriose waren dabei wie jene von Schriftstellerin Husch Joisten, die vorschlug, alle Bauzäune in einheitlicher Farbe zu streichen. Naheliegende wie der Wunsch nach mehr kostenlosen Toiletten im öffentlichen Raum. Zukunftsgewandte wie die Idee von Musiker Stephan Brings, mit Baken abgetrennte Fahrradtrassen in der Innenstadt zu schaffen. Bei bereits bestehenden Plänen wie Visionen für einen Masterplan gegen die Wohnungsnot fragte die Redaktion so lange beim Ideengeber nach, bis der Vorschlag konkret genug war und neue Aspekte für eine öffentliche Debatte enthielt. Die Redaktion hat hier das getan, was Zeitung immer tut: nachgefragt und redigiert, Informationen eingeordnet und gefiltert.

„Ideen-Wettbewerbe sind für mich gelebte Demokratie“, sagt Jürgen Domian, der für die Serie 50 Kirschblüten-Bäume vor der Kölner Oper und 10.000 Bäume für die Stadt vorgeschlagen hatte. „Als Bürger habe ich die Chance, etwas vorzuschlagen – und wenn es gut läuft, wird meine Idee sogar umgesetzt. Wettbewerbe schaffen Öffentlichkeit. Das ist die beste Voraussetzung, um Dinge zu verändern“, so Domian.

Viele Tausend Leserinnen und Leser stimmten im September 2025 im Internet über ihre beliebtesten unter den „100 Ideen für Köln“ ab. Über die Top Ten diskutierten elf der 13 Kölner OB-Kandidierenden eine Woche vor der Kommunalwahl auf dem Schiff MS Rheinmagie. 500 Leserinnen und Leser waren zu Gast, Sarah Brasack, stellvertretende Chefredakteurin des „Kölner Stadt-Anzeiger“, und Chefkorrespondent Joachim Frank führten als Moderations-Duo durch einen tiefgründigen, kurzweiligen und humorvollen Abend. Kolleginnen und Kollegen der Lokalredaktion stellten gemeinsam mit prominenten Paten die ausgewählten Top-Ideen vor.

Das Publikum und die OB-Kandidaten entschieden über das finale Ranking: Ganz oben landete Eckart von Hirschhausens Idee einer Schwammstadt, dicht gefolgt von Jürgen Domians Baumbepflanzungen. Rang drei ging an Stephan Brings mit dem Wunsch nach Fahrradtrassen. Die Favoriten des kurz darauf zum Kölner OB gewählten Torsten Burmester waren: die Schwammstadt, ein Sonderbeauftragter für Sauberkeit und Julia Komps Idee einer Markthalle.

Wie es weitergeht mit den Ideen, verfolgt die Redaktion. Am 19. Mai startet in Kooperation mit der Sparkasse Köln-Bonn ein neues Talkformat, bei dem einzelne Themen unserer Serie mit Experten und prominenten Unterstützern vor Publikum diskutiert werden. Wir beginnen mit einer Diskussion zur Frage, wie Köln sauberer werden kann.

Wozu heute (noch) Zeitung? Die Ideen-Serie hat nur eine mögliche Antwort darauf gegeben, wie sich Menschen und Perspektiven zusammenbringen lassen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten. „Es geht im Journalismus nach wie vor darum, Menschen in Machtpositionen in die Verantwortung zu nehmen, zu informieren, Meinungen zu bilden und zu unterhalten“, sagt Kendra Stenzel, Leiterin der Lokalredaktion. „Wichtig, vielleicht wichtiger denn je ist es, dass wir über Kritik und Kontrolle hinausgehen. Wir wollen Brücken bauen, konstruktive Vorschläge machen und zum aktiven Mitgestalten anregen.“ Die Ideen-Serie und der Konrad-Adenauer-Preis seien „eine tolle Bestätigung dafür, dass konstruktiver Lokaljournalismus wirkt und die Kölnerinnen und Kölner sich nicht mit dem Ist-Zustand zufriedengeben, sondern die Stadt zum Besseren verändern wollen“, so Stenzel.

Der Preis der Adenauer-Stiftung ist für die Redaktion Motivation und Ansporn, der Empörung, dem Hass und den um sich greifenden Fake News im Netz weiterhin mit Sorgfalt, Empathie, Fakten und Beteiligung aller zu begegnen. Ob gedruckt, digital oder mit Ihnen vor Ort: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll für Sie, liebe Leserinnen und Leser, in Zeiten des Wandels ein Stück Heimat bleiben.


Wie geht es weiter mit den „100 Ideen für Köln“? Das verfolgt die Lokalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und startet dazu ein neues Talk-Format. Zum Auftakt am 19. Mai diskutieren die ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner und Thomas Thalau, Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) Köln, darüber, wie Köln sauberer werden kann. Außerdem zu Gast: Ein AWB-Mitarbeiter, der täglich dafür sorgt, Kölns Straßen von Müll und Dreck zu befreien.

Den Live-Talk „100 Ideen für Köln“ veranstaltet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Kooperation mit der Sparkasse Köln-Bonn. Es moderieren Julia Hahn-Klose und Susanne Rohlfing aus dem Kommunalpolitik-Team der Lokalredaktion. Er findet am 19. Mai um 18.30 Uhr in der Workstage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln statt. Der Einlass startet ab 18 Uhr. Karten für eine Schutzgebühr von 5 Euro gibt es hier: rausgegangen.de