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Nach Angriff mit BenzinWie sicher ist der Ehrenfelder Bahnhof?

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Während auf der Venloer Straße das Straßenfest der c/o pop die Menschen anzieht, patrouillieren Mitarbeiter des Ordnungsamtes durch den Park an der Bartholomäus-Schink-Straße.

Während auf der Venloer Straße das Straßenfest der c/o pop die Menschen anzieht, patrouillieren Mitarbeiter des Ordnungsamtes durch den Park an der Bartholomäus-Schink-Straße.

Dreckig, eng – aber auch gefährlich? Ein Masterplan „Sicherheit“ soll die Zustände verbessern – davon bekommen die Anwohner bislang nichts mit.

Fragt man Petra Manzini nach der Lage in ihrem Veedel, zeigt sie mit der freien Hand auf den Spielplatz an der Bartholomäus-Schink-Straße. „Da würde ich meine Kinder jedenfalls nicht spielen lassen. Manzini wohnt seit mehr als 20 Jahren in der Nähe des Ehrenfelder Bahnhofs. Sie ist im Stadtteil geboren und hat hier auch ihre Kinder großgezogen. An einem lauen Frühlingsnachmittag geht sie mit ihrem Hund die Bartholomäus-Schink-Straße entlang, vorbei am Bahnhof und dem gegenüberliegenden Park.

Spielende Kinder sind dort an diesem Tag tatsächlich nicht zu sehen. Stattdessen liegt ein Mann ausgestreckt auf einer Bank und schläft, auf einer anderen teilen sich zwei Männer ein Tetrapack Wein. Manzini erzählt von Partygästen, die in ihrem Hauseingang Drogen konsumierten und urinierten. Und der Bahnhof? An dem müsse sie zum Glück nur selten vorbei. „Da fühle ich mich definitiv nicht wohl.“

Bahnhof Ehrenfel unter Schlusslichtern in Stationsbericht

Vieles hat sich in Ehrenfeld in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Aus dem einstigen Arbeiterviertel ist ein pulsierendes Szeneviertel geworden. Mit Clubkultur, Bars, Cafés und hippen Geschäften kamen auch Gentrifizierung und steigende Mieten. Der Bahnhof Ehrenfeld und sein Umfeld aber bleiben für viele Anwohnerinnen und Anwohner ein Ärgernis. Im Stationsbericht 2025 des Verkehrsverbands go.Rheinland zählt der Bahnhof zu den vier Schlusslichtern unter insgesamt 195 Bahnhöfen.

Anfang April rückte der Ort auch wegen eines besonders drastischen Vorfalls in den Fokus: Eine mutmaßlich psychisch kranke Frau übergoss einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit Benzin. Der Angriff warf ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage rund um den Bahnhof. Doch auch abseits solcher dramatischen Einzelfälle ist Kriminalität dort seit Längerem ein Thema.

Müll, Graffitis und eine Schlafstätte obdachloser Menschen prägen das Bild an einem Nachmittag im April am Bahnhof Ehrenfeld.

Müll, Graffitis und eine Schlafstätte obdachloser Menschen prägen das Bild an einem Nachmittag im April am Bahnhof Ehrenfeld.

Ende 2024 legte das Beratungsbüro „Sozial-Raum-Management“ im Auftrag der Stadt seinen Abschlussbericht zum „Masterplan Sicherheit“ vor. Darin analysierte es unter Beteiligung der Polizei, des Zentrums für Kriminalprävention und Sicherheit (ZKS), der AWB und weiterer Institutionen die Kriminalitätslage sehr detailliert. Auf Grundlage der Kriminalstatistik zeigt die Analyse bis hinunter auf die Ebene einzelner Straßenzüge, wo in Köln die Schwerpunkte liegen. Auch das Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld taucht in dem Bericht auf den vorderen Plätzen auf – wenn auch deutlich hinter Hotspots wie dem Neumarkt und einigen Quartieren in Kalk und Mülheim.

Dennoch entschieden sich Vertreter von Stadt und Polizei, neben dem Bereich rund um den Bahnhof Trimbornstraße in Kalk auch die Quartiere um den Bahnhof Ehrenfeld besonders in den Blick zu nehmen, um die Situation zu verbessern.

In Ehrenfeld, so der Bericht, hingen viele Straftaten mit dem Partygeschehen zusammen. Hinzu komme, dass sich mitten im Viertel ein S-Bahnhof befinde, an dem die Zuständigkeiten zwischen Deutscher Bahn, Polizei und Stadt häufig ungeklärt seien.

Am Ende stand ein Katalog mit Handlungsempfehlungen. Dazu gehören viele kleinteilige und niedrigschwellige Maßnahmen, etwa bessere Beleuchtung, der Rückschnitt von Baumkronen, mehr Sauberkeit oder zusätzliches Sicherheitspersonal. Deutlich aufwendiger sind Ideen wie ein neues Nutzungs- und Gestaltungskonzept für die Bahnbögen an der Bartholomäus-Schink-Straße – ein Thema, das in Ehrenfeld seit zwei Jahrzehnten kontrovers diskutiert wird.

Was aber ist aus den Ideen, Analysen und Plänen rund eineinhalb Jahre später geworden? Einiges, sagt die Stadt – aber vieles dauert noch. Baumkronen wurden zurückgeschnitten, Grünflächen und Spielplätze werden regelmäßiger gereinigt, Ordnungsamt und Polizei seien häufiger präsent. Andere Maßnahmen, besonders rund um die Haltestellen, stecken noch in der Planung. „Für weitergehende Maßnahmen ist eine Abstimmung zwischen der Deutschen Bahn, der Stadt Köln und der KVB vorgesehen“, sagt eine Stadtsprecherin. Die Umsetzung erfolge schrittweise – „unter Berücksichtigung der personellen und finanziellen Ressourcen der zuständigen Ämter“. Sicherheit und Ordnung hätten aber „weiterhin hohe Priorität“, betont sie.

Anwohner uneins über Sicherheitslage

Am vergangenen Samstagabend ist die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt deutlich sichtbar. Während auf der Venloer Straße das Straßenfest der c/o pop die Menschen anzieht, patrouillieren Mitarbeiter des Ordnungsamtes durch den Park an der Bartholomäus-Schink-Straße, um das Partypublikum von den Spielgeräten zu verscheuchen.

Fragt man Anwohnerinnen und Anwohner in Ehrenfeld allerdings nach dem Masterplan Sicherheit und dessen Wirkung, erntet man vor allem ratlose Blicke. „Nie gehört“, sagt Petra Manzini. „Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass sich hier irgendetwas verändert hat.“

Ähnlich sieht es Kashin Bibo, die in einem Kiosk in der Nähe des Bahnhofs arbeitet. „Das mit dem Klauen ist schlimm geworden“, sagt sie. Immer wieder kämen wohnungslose oder offenkundig alkoholisierte Männer in den Laden, nähmen sich Flaschen und liefen einfach davon. „Die wirken oft benebelt, lassen sich nichts sagen. Da hat man schon mal Angst.“ Insgesamt, sagt sie, hätten die sichtbare Obdachlosigkeit und der Drogenkonsum im Veedel zugenommen.

Es gibt allerdings auch andere Stimmen. Die jungen Kellner eines Cafés sagen, sie hätten weder Probleme noch Sicherheitsbedenken rund um den Bahnhof. „Klar, ab und zu fragen hier obdachlose Menschen nach Geld. Aber mit denen kann man reden, die sind meistens sehr verständnisvoll.“ Der Ehrenfelder Bahnhof sei zwar dreckig, „aber Angst habe ich nicht“, sagt eine Kellnerin. Eine andere Anwohnerin nennt den Bahnhof zwar „verschachtelt und eklig“, fügt aber hinzu: „Da gibt es deutlich gefährlichere Ecken in Köln.“ Wieder eine andere berichtet, dass sich auch die Drogenszene, die sich zeitweise in Ehrenfeld angesiedelt hatte, nachdem sie vom Neumarkt verdrängt worden war, inzwischen kaum noch im Viertel aufhalte.

Die Polizei berichtet derweil von einer rückläufigen Tendenz. Seit Jahresbeginn seien rund 60 Straftaten rund um den Bahnhof Ehrenfeld registriert worden, teilt ein Sprecher der Behörde auf Anfrage mit. Bei den Delikten handele es sich vor allem um Körperverletzungen, Taschendiebstähle, Fahrraddiebstähle und Drogendelikte. Von Januar bis April 2023 registrierte die Polizei dort noch deutlich mehr als 100 Straftaten.

Ähnlich äußert sich die Bundespolizei, die für die Sicherheit im Bahnhof selbst zuständig ist. „Der Bahnhof Köln-Ehrenfeld wird seitens der Bundespolizei derzeit nicht als besonders gefährdete Bahnanlage der Eisenbahnen des Bundes eingestuft“, sagt eine Sprecherin. „Eine Auswertung der Deliktsbereiche Eigentums- und Gewaltdelikte zeigt für die Jahre 2024 und 2025 ein gleichbleibendes niedriges Niveau. Auch im Bereich der Straftaten insgesamt konnte kein signifikanter Anstieg festgestellt werden.“ Die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbehörden erfolge „lageabhängig, derzeit jedoch nicht regelmäßig“, sagt sie.

Ob diese Zahlen auch eine Folge des Masterplans Sicherheit sind, bleibt unklar. In den kommenden Wochen will die Stadt zunächst einen Sachstandsbericht zum Masterplan Sicherheit veröffentlichen. Auch ob die Maßnahmen des Plans wirken, solle untersucht werden. „Der Erfolg wird mit der Fortschreibung des Masterplans messbar sein“, sagt die Stadtsprecherin. Die nächste Version des Masterplans ist für 2028 geplant.