Wohin mit aussortierter Kleidung? Viele werfen sie in Altkleidercontainer – doch oft entstehen dort statt Hilfe nur neue Müllberge.
Gute Absicht, großes ProblemÜberfüllte Altkleidercontainer im Hahnwald und Sürth

Zwei kommerzielle Altkleidercontainer im Hahnwald und Müllberge drumherum.
Copyright: Inge Swolek
Vor einem Discounter in Köln-Hahnwald stehen auf öffentlichem Grund zwei Altkleidercontainer. Wer sie aufgestellt hat, ist nicht mehr zu erkennen: Schilder fehlen, Kontaktdaten sind unleserlich. Trotzdem legen Menschen weiterhin Säcke mit Kleidung daneben ab. Inzwischen türmen sich dort nicht nur Textilien, sondern auch Hausmüll, Geschirr, Koffer und vergammelte Lebensmittel. Der Platz rund um die Container gleicht einer Müllhalde – und niemand fühlt sich zuständig.
Ein paar Kilometer weiter, in Sürth, zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings vor einem offiziellen Container der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB). Nach Angaben des AWB-Servicebüros werden diese ein- bis zweimal pro Woche geleert.
Immer mehr Altkleider – neue Sammelpflicht seit Januar 2025
Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Klima und Verbraucherschutz werden in Deutschland jedes Jahr über 1 Million Tonnen Altkleider und Schuhe aussortiert. Allein in Köln landen jährlich mehr als 6.000 Tonnen im Restmüll. Durchschnittlich sondert jeder Haushalt rund 31 Kilogramm Bekleidung, Schuhe und Heimtextilien pro Jahr aus. Seit dem 1. Januar 2025 ist es zudem gesetzlich vorgeschrieben, Textilabfälle getrennt zu sammeln und nicht mehr über den Restmüll zu entsorgen.

Ein AWB-Altkleidercontainer am Sürther Marktplatz, davor Tüten voller Kleidung. Stand 9. April 2026
Copyright: Inge Swolek
Damit gerät auch das System der Sammelcontainer zunehmend unter Druck. Der Boom von „Fast Fashion“ sorgt dafür, dass Kleidung immer schneller gekauft und ebenso schnell wieder aussortiert wird. Gleichzeitig sinkt die Qualität vieler Textilien so stark, dass sie kaum noch weiterverwertet werden können. Für kommerzielle Sammler wird das zum Problem: Der Weiterverkauf als Second-Hand-Ware – lange ein wichtiges Standbein – rechnet sich immer seltener.
Was zurückbleibt, sind überfüllte oder verwaiste Container – und immer größere Müllberge daneben. Die Zuständigkeiten sind dabei oft unklar: Im Fall der Container in Hahnwald verweist die AWB auf die Stadt, die die Aufstellung ursprünglich genehmigt hat. Die Stadt wiederum erklärt, dass illegale oder nicht gekennzeichnete Container unter https://sags-uns.stadt-koeln.de/ gemeldet werden müssen. Erst nach einer gewissen Frist könne eingegriffen werden. Ein Verfahren, das Zeit braucht – Zeit, in der das Problem sichtbar wächst.
Die Menschen schauen bei den beiden überfüllten Containern und den Müllbergen offensichtlich weg, egal ob sie beim Discounter einkaufen oder mit dem Rad oder Auto vorbeifahren. Andere nutzen gerne die Gelegenheit, weiteren Müll dazuzuladen – wo Müll ist, kommt schnell mehr dazu. Und ähnliche Entwicklungen könnten auch an anderen Standorten auftreten.
Altkleider richtig entsorgen: Im gesamten Stadtgebiet stehen 540 AWB-Altkleidercontainer, davon 65 im Kölner Süden. Abgabe ist auch möglich an den AWB-Wertstoff-Centern in Ossendorf und Porz, dem Wertstoffhof in Niehl und den AWB-Betriebshöfen, sowie im Kölner Süden in der Herzkammer der Diakonie Michaelshoven, Martinsweg.

