Beim Frühjahrsputz arbeiten sich Bahn, KVB, AWB und Stadtverwaltung gemeinsam durch den Hauptbahnhof – der es bis auf ein paar Schmuddelecken am wenigsten nötig hat.
Kölns „Visitenkarte“ wird gesäubertFrühjahrsputz am Hauptbahnhof – Nicht bloß sauber, sondern rein
Jeder Hauptbahnhof in Deutschland hat einen Hinterhof. In Köln ist das der Breslauer Platz. Dessen schlimmster Teil sind die Parkbuchten unter den S-Bahngleisen auf dem Weg zum Eigelstein. Die Tage, an denen der beißende Uringeruch nicht in die Nase steigt und die hintersten Ecken nicht mit menschlichen Fäkalien verdreckt sind, lassen sich an einer Hand abzählen.
Bis Juni werden 1400 Stationen geputzt
Es sind die Tage, an denen die Mitarbeiter des Parkplatzbetreibers Conti-Park das Grundreinigungsbesteck auspacken, um menschliche Hinterlassenschaften zu entfernen. Beim täglichen Rundgang mit Besen und Eimer ist das nicht vorgesehen. Gründlich gereinigt wird sonst immer zum Monatsanfang. Am Donnerstag mal außer der Reihe. Weil sich die Deutsche Bahn bei ihrer Frühjahrsputzaktion, die noch bis in den Juni an 1400 Stationen deutschlandweit durchgezogen wird, den Hauptbahnhof vorknöpft. In einer Gemeinschaftsaktion mit der KVB, der AWB, dem Ordnungsdienst der Stadt und unter Beteiligung des Oberbürgermeisters.

Mitarbeitende der Deutschen Bahn reinigen die Rolltreppen zum Gleis im Hauptbahnhof. Foto: Alexander Schwaiger
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„Da kannst Du putzen, wie Du willst. Da kannst Du jede Menge Wasser auffahren und spezielle Reinigungsmittel einsetzen. In zwei Stunden stinkt das hier wieder genauso bestialisch“, sagt der Mitarbeiter von Conti-Park am Breslauer Platz und gönnt sich eine Verschnaufpause. „Das ist frustrierend und ekelhaft. Und glauben Sie bloß nicht, dass nur die Obdachlosen hier ihre Notdurft verrichten. Da kommen Autofahrer, parken ihren Wagen und packen erstmal aus. Das ist mein schlimmster Arbeitsplatz, ein absoluter Brennpunkt.“
Aktionstage haben nur den Sinn, den Leuten zu sagen, dass wir unser Wohnzimmer gemeinsam sauber halten müssen
Die prominente Putzkolonne auf der Schokoladenseite des Bahnhofs bekommt davon wenig mit, auch wenn Katja Hüske, für die Personenbahnhöfe verantwortliche Vorständin bei der Bahn, sagt, man nehme sich an diesem Aktionstag „auch die Ecken vor, die wir vielleicht sonst nicht so regelmäßig putzen“. Wenig später fährt sie mit der Reinigungsmaschine durch die Vorhalle.
„Das ist eine Daueraufgabe“
Bevor Oberbürgermeister Torsten Burmester sich mit Warnweste und dem neuen Supersauger der AWB, den er offenbar sehr zu schätzen weiß, auf dem Bahnhofsvorplatz an die Arbeit macht, stellt er klar, dass sich die Sauberkeit in der Stadt mit Aktionstagen allein nicht verbessern lässt: „Das ist eine Daueraufgabe, die wir nicht nur am Hauptbahnhof und im Umfeld des Doms, sondern in ganz Köln konsequent angehen müssen. Aktionstage haben nur den Sinn, den Leuten zu sagen, dass wir unser Wohnzimmer, unsere Stadt gemeinsam sauber halten müssen.“

Die KVB-Vorstände Alexandra Rohlmann und Marcel Winter putzen die Vitrinen auf der Zwischenebene zur U-Bahn. Foto: Alexander Schwaiger
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Erst kürzlich sei Hamburgs Oberbürgermeister Peter Tschentscher in Köln zu Besuch gewesen. „Er ist abends angekommen. Morgen um neun habe ich ihn am Hotel abgeholt. Wissen Sie, was er mir gesagt hat? Ich wusste gar nicht, dass es in Köln so sauber ist.“
Also doch alles nur halb so schlimm? Der neue KVB-Chef Marcel Winter kennt den Zustand der Bahnhöfe in Köln aus seiner Zeit beim Verkehrsverband go.Rheinland sehr genau. Im Stationsbericht für 2025, knapp zwei Monate alt, landen gleich fünf Kölner Bahnhöfe in der Kategorie „unzumutbar“: Ehrenfeld, Chorweiler, Longerich, Airport/Businesspark und Frankfurter Straße. Der Hansaring steht auch nicht viel besser da.
An Kölns schlimmsten Bahnhöfen kommt keiner mit Schrubber und Eimer
In der Frühjahrsputzliste ist keine dieser Stationen zu finden. Warum also putzt die Bahn den Hauptbahnhof, der es trotz aller Mängel doch nun wirklich nicht nötig hat? Warum macht man Kölns saubersten Bahnhof noch sauberer, während an anderen Stationen von Testfahrern mehrfach unzumutbare Bedingungen bescheinigt werden? Warum räumt man den Keller auf, wenn der Dachstuhl brennt?
„Weil wir damit seine Bedeutung als Visitenkarte unserer Stadt noch einmal herausstellen“, sagt Winter. Und auch beim Hauptbahnhof müsse man sagen: „Hier oben sieht es gut aus, aber je weiter man in den Keller geht, desto schmutziger wird es.“ Den Aufzug zur U-Bahn könne man leider „auch immer wieder riechen. Dort probieren wir immer wieder neue Reinigungsmethoden aus.“
Gemeinschaftsaktion am Hansaring in Vorbereitung
Problematisch sei auch, dass sich die Drogenszene durch die Verdrängung vom Neumarkt auf andere U-Bahnstationen ausweite. Das Dauerproblem mit dem Zuständigkeitswirrwarr am Hansaring stehe indes kurz vor einer Lösung. „Wir haben mit der AWB, der DB, der KVB und den Rhein-Netzen zunächst eine gemeinsame Aktion für den Hansaring vereinbart, bei der es aber nicht bleiben soll“, sagt KVB-Technikvorständin Alexandra Rohlmann. Vergleichbare Lösungen könne man sich auch für den Bahnhof Ehrenfeld vorstellen.

Gruppenbild mit dem Großteil der Putzkolonne vor dem Haupteingang Foto: Alexander Schwaiger
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Diese Aussage dürfte Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentralen Dombau-Vereins (ZDV) mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Sie zählt zu den schärfsten Kritikerinnen des Zustands der S-Bahn-Station Hansaring, räumte zuletzt bei der Gesprächsreihe „100 Ideen für Köln“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein, dass der Mangel an Sauberkeit nicht an der Stadtreinigung liege und andere Städte wie etwa Hamburg „genauso dreckig wie Köln“ seien.
Die Bahn plane derzeit, die Frühjahrsputzaktion in kleinerem Rahmen schon im Herbst zu wiederholen. „Wir prüfen das gerade“, sagt Vorständin Katja Hüske. Insgesamt stecke die Bahn in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro in das Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit. „Umfragen bei Reisenden zeigen uns immer wieder, dass die Sauberkeit und das Erscheinungsbild unserer Bahnhöfe wichtige Faktoren sind, um sich wohl und sicher zu fühlen.“ Im Kölner Hauptbahnhof habe man die Anzahl der Sicherheitskräfte um ein Viertel erhöht. Die Putzaktion sei ein Signal, dass wir „auch hier gemeinsam antreten“.


