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„Carlsgarten muss bleiben“Umbaupläne von Musicalbetreiber und Stadt Köln zunächst gestoppt

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Der Carlsgarten am aktuellen Standort von Schauspiel und Depot in Mülheim.

Der Carlsgarten am aktuellen Standort von Schauspiel und Depot in Mülheim. 

Das Schauspiel Köln kehrt zurück an den Offenbachplatz, und auf dem Depotgelände in Mülheim gibt es bald Musicals zu sehen. Die Mülheimer Politik kritisierte die Umbaupläne für den Carlsgarten.

Am Depot-Gelände in Mülheim, das nur noch wenige Wochen Interimsspielstätte des Schauspiel Köln ist, soll erst einmal nichts umgestaltet werden: Pläne zu „gestalterischen Anpassungen an der Fassade“ des Depots oder der Erneuerung des Carlsgartens, die die Stadtverwaltung vergangene Woche für diesen Sommer angekündigt hatte, werden zunächst zurückgestellt. Frank Blase, Geschäftsführer der Apiro Entertainment, der ab November im Depot 1 das Musical „Kick like a Woman“ zeigen will, rudert mit seinen Umbauplänen für den Kulturstandort zurück. Das teilte er dieser Redaktion mit.

Er befinde sich, so Blase, schon länger im Gespräch mit Schauspiel-Intendant Kay Voges, Klaus Kröhne, dem stellvertretenden geschäftsführenden Direktor der Bühnen, sowie mit Anna Bründl, der neuen Geschäftsführerin des Kooperationshauses im Depot 2: „Wir haben jetzt erst so richtig verstanden, wie einzigartig dieses Experiment in Deutschland ist.“ Die Gemengelage, dass sich Akteure aus der freien Szene mit einem Anbieter aus der Privatwirtschaft und städtischen Bühnen einen Ort teilen, dürfte in der Tat einmalig sein.

Visualisierung Depotgelände Mülheim

So hatte sich Apiro Entertainment das Depot-Gelände für die Zukunft vorgestellt. Diese Pläne sind erstmal gestoppt.

Musical-Unternehmer und Bühnen Köln beschließen einjährige Pilotphase

Dementsprechend fehlen Erfahrungswerte. „Deshalb“, sagt Frank Blase, „starten wir die erste Spielzeit als Pilotphase, in der wir den Vertrag mit der Stadt zum Leben bringen.“ Apiro werde das Depot so bespielen, wie es das ehemalige Schauspiel-Interim vorfindet. Verändert wird also vonseiten der Entertainment-GmbH nichts, weder am Carlsgarten noch am Foyer oder im Saal des Depot 1.

Entwürfe, die im Januar dieses Jahres in einer Sondersitzung des Betriebsausschusses präsentiert wurden, zeigen hingegen weitreichende optische Veränderungen des Carlsgartens und der Fassade des Depots. Darin weichen die Containerbauten zugunsten von neun Holzkuben, zudem ist ein breiter Weg quer durch den Garten eingezeichnet. In der Mülheimer Politik hatte diese Visualisierung zuletzt große Kritik ausgelöst, weil der Oasen-Charakter verloren ginge.

Die Grünen forderten am 20. April in einer Anfrage an OB Torsten Burmester, dass der Carlsgarten in seiner jetzigen Form – also als gewachsenes „kleines Biotop“, „identitätsstiftenden Ort“ und „Lebensraum für Pflanzen, Bienen und Insekten und als ein Ort des gemeinschaftlichen Gärtnerns“ – zu erhalten sei. Kurz: „Der Carlsgarten muss bleiben.“

Nach einem Dringlichkeitssantrag von den Mülheimer Grünen, Linken und Volt hat die Bezirksvertretung am 27. April dies dann mehrheitlich auch beschlossen. Außerdem solle der Nutzgarten „auch künftig von drei Seiten in eine Umfriedung eingebettet sein, die den Garten optisch und akustisch von dem Geschehen auf der Straße und vor dem Foyer des Depots trennt“ sowie „den Pflanzen den nötigen Schatten und Schutz vor Witterungseinflüssen bietet“.  

Der Carlsgarten ist ein urbaner Nutzgarten, in dem viele Insekten leben.

Der Carlsgarten ist ein urbaner Nutzgarten, in dem viele Insekten leben.

Stadt Köln will sich noch nicht äußern, Container und Grotte am Carlsgarten „veraltet“

Die Stadt hatte sich auf mehrere Nachfragen nicht zu den konkreten Plänen geäußert, mit der Begründung, dass die Abstimmungen noch liefen. Nun steht alles erst einmal auf Stand-by. An den Kosten sollten sich sowohl die Bühnen als auch Apiro Entertainment beteiligen. Von „absehbaren baulichen Defiziten“ der Container sowie der Grotte – des grünen Hügels, unter dem sich eine weitere kleine Spielstätte verbirgt – war im Betriebsausschuss der Bühnen am 7. Mai die Rede gewesen. Ob die Erneuerung dieser Elemente auch ein Jahr warten kann, ist derzeit nicht klar. Die Stadt wolle zu gegebener Zeit informieren, heißt es.

Jonas Höltig von den Mülheimer Grünen mahnt die Bühnen und die Stadtverwaltung zu mehr Transparenz an. Die Mülheimer Politik sowie die Öffentlichkeit sollten an den Plänen beteiligt werden, sagt er. „Es war immer Konsens zwischen uns und der Verwaltung, dass das, was am Interimsstandort der Bühnen gut funktioniert hat, auch bleiben soll. Weder die BV noch die Nachbarschaft wurden in diese Pläne mit einbezogen.“ 

Depot Köln-Mülheim: Mischmodell aus Musical, freier Szene und Schauspiel Köln

Wie es nach der ersten Spielzeit weitergeht, will Musical-Unternehmer Frank Blase noch nicht verraten. „Wir freuen uns auf dieses Experiment, auf das Abenteuer Kultur“, sagt Blase. Er hat das Depot 1 für fünf Jahre angemietet. Die Einnahmen von Apiro Entertainment sollen laut Stadt dazu beitragen, „den Standort zu sichern und gleichzeitig das Depot 2 als zentralen Produktions- und Aufführungsort für die freie Szene“ sowie als rechtsrheinischen Aufführungsort des Schauspiel Köln, das im Juni wieder an den Offenbachplatz heimkehrt, zu erhalten.

Die Entscheidung, das größere Depot 1 (600 Plätze) an Blase zu vermieten, hatte im Januar in der freien Tanzszene für Unmut gesorgt (wir berichteten). Die freie Szene wurde darüber recht spät informiert, zudem hatte sich die Tanzszene lange erhofft, im Depot 1 eine Spielstätte für größere Produktionen zu finden. Ab Herbst teilt sich die freie Szene stattdessen das kleinere Depot 2 (bis zu 250 Plätze) mit dem Schauspiel Köln.