Der Autor wurde 1982 mit seinem Roman „Die Bertinis“ bekannt. Zudem produzierte er als TV-Journalist mehr als 100 Dokumentationen.
150 aus 150Ralph Giordano schrieb über Rechtsextremismus und Antisemitismus

Der Schriftsteller Ralph Giordano im März 2013 in Hamburg vor dem Senatsempfang zu seinem 90. Geburtstag.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 22. Teil der Serie geht es um den Journalisten und Autor Ralph Giordano.
Bedeutung
Mit seinem autobiographischen Roman „Die Bertinis“, der das Schicksal einer christlich-jüdischen Familie während der NS-Zeit in Ralph Giordanos Geburtsstadt Hamburg erzählt, wurde der Autor 1982 bundesweit bekannt. Als Sohn einer jüdischen Mutter hatte er selbst die Verfolgung und das jahrelange Verstecken erlebt. Das Buch wurde in einer fünfteiligen Fernsehserie verfilmt. Nach dem Krieg begann Giordano als Journalist bei der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung.
Von 1946 bis 1957 war er Mitglied der KPD und lebte einige Monate in der DDR. Nach seiner Rückkehr sagte er sich vom Kommunismus los und veröffentlichte eine Abrechnung mit dem Stalinismus. Fast dreißig Jahre arbeitete er bis 1988 als Fernsehjournalist, unter anderem seit 1964 für den WDR, und produzierte über 100 Dokumentationen, vor allem zu historischen Themen. Engagiert schrieb Giordano über Rechtsextremismus und Antisemitismus. Nach den Ausschreitungen in Hoyerswerda 1991 sowie den Mordanschlägen von Mölln 1992 und Solingen 1993 rief er öffentlich zur bewaffneten Gegenwehr auf.
Ralph Giordano
Geboren: 20. März 1923 in Hamburg
Gestorben: 20. Dezember 2014 in Köln
Wirken in Köln
Giordano, der seit 1972 in Köln lebte, war aktiver Unterstützer des NS-Dokumentationszentrums. 2007 kritisierte er den Moscheebau an der Venloer Straße. Der Türkisch-Islamischen Union Ditib als Bauherrin warf er unter anderem vor, den Völkermord an den Armeniern zu leugnen. Gründe für seine ablehnende Haltung zur Ditib-Moschee waren vor allem Abschottung, Zustimmung zur Scharia und Ablehnung der Demokratie durch Islam-Vertreter.
Giordanos Äußerungen lösten eine kontroverse Debatte aus. Er erhielt Beifall vom rechten Spektrum, den er entrüstet von sich wies. Gleichzeitig bekam er Morddrohungen. Am 1. Juni 2007 veröffentlichte er im „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein „Manifest zur Verteidigung der Meinungsfreit“.
Bemerkenswert
Giordano war weit gereist und berichtete immer wieder davon. 2002 schrieb er ein Buch über Sizilien, die Heimat seines Großvaters. Für die Recherchen reiste er mehr als 10.000 Kilometer über die Insel.
Spuren in der Stadt
Giordanos Grab befindet sich auf dem Südfriedhof.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
