Die Stadt will ihre Bauprojekte früher priorisieren und eingreifen, wenn es teurer wird. Das wird auch höchste Zeit, findet unser Autor.
Bauinvestitions-DeckelStadt Köln muss endlich ihre Kostenexplosionen stoppen


Die Mülheimer Brücke wird seit Jahren saniert.
Copyright: Arton Krasniqi
Es ist lange überfällig, dass die Stadt Köln viel strenger auf ihre Ausgaben für Bauprojekte schaut – unabhängig von der dramatischen Haushaltssituation. Endlich passiert in dieser Sache etwas Handfestes.
Man darf aber zumindest skeptisch sein, ob das Pilotprojekt auf lange Sicht zu verlässlicheren Kosten- und Terminplänen führt. Dafür sind einfach zu viele Bauprojekte aus dem Ruder gelaufen.
Marode Infrastruktur
Die Kölner Infrastruktur ist jetzt schon teils marode, siehe Brücken, Tunnel, Museen, Turnhallen und Schwimmbäder. Darum hätten sich Politik und Verwaltung in der Vergangenheit viel mehr kümmern müssen, als Geld vorhanden war. Das ist vorbei – und rächt sich jetzt.
Den Haushalt zu sanieren, indem die Stadt beispielsweise einfach Sanierungen weiter aufschiebt, ist zwar ein Mittel, aber eines, das arg kurz greift: Je länger sie damit wartet, desto teurer wird es. Es ist und bleibt ein Balanceakt.
Keine Debatten ausschließen
Selbst unabhängige Haushaltsexperten sagen, der städtische Haushalt hänge stark an der Konjunktur und den Steuern. Aber der Kölner Rat ist bislang auch nicht durch besondere Bescheidenheit oder Einsparungen aufgefallen. Das muss sich ändern – und das wird wehtun.
Grünen-Fraktionschefin Christiane Martine hatte gegenüber dieser Redaktion erwogen, mehrere Museen in einem Gebäude zusammenzulegen, um sich die vielen Sanierungen zu sparen. Der Vorschlag kam nie ins Fliegen, es gab nie eine ernste Debatte. Warum eigentlich nicht?
Stadt muss planbarer bauen
Genauso wie man in anderen Bereichen sparen kann, klar, und sei es nur durch einen klaren Plan, welche Turnhalle wie lange noch durchhält, welchen Kunstrasenplatz es wirklich braucht. Das alles tut weh. Nur: Sich einfach nur empören und alles geht weiter wie bisher, hilft keinem. Das ist die eine Seite.
Die andere: Diese Stadt muss lernen, termingerechter und damit günstiger zu bauen, um weniger Geld auszugeben – Investitionslimit hin oder her. Der gerade vom Rechnungsprüfungsamt vorgelegte Bericht zum Bühnen-Debakel schonte alle Beteiligten doch arg, angesichts von Gesamtkosten von 1,5 Milliarden Euro.
Es braucht eine andere Fehlerkultur
Trotzdem offenbarte die Analyse zumindest, was für ein Chaos am Offenbachplatz zeitweise herrschte – koste es, was es wolle, egal, ob es die Baustelle voranbringt. Stadtverwaltung und Bühnen mögen die Hauptschuld bei beteiligten Firmen verorten, doch das ist Unsinn. Wenn ein eigenes Bauprojekt sich zu einem derartigen Debakel ausdehnt, hilft auch der Blick in den Spiegel.
Das zeigt sich auch an anderer Stelle: Zuletzt räumte Sonja Rode, Leiterin des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, zwar ein, dass die Stadt Köln die Mülheimer Brücke vor dem Baubeginn noch intensiver hätte untersuchen müssen. Aber Rode sagte noch: „Es wurden aber keine Fehler gemacht.“
Wie bitte? Bei einem Projekt, das beim Baubeschluss 116,3 Millionen Euro und jetzt eine halbe Milliarde Euro kosten soll. Solange diese Art der „Fehlerkultur“ in der Verwaltung herrscht, ändert auch ein Bau-Deckel am Kölner Problem nichts.
