Was sagt eigentlich die Kölner Politik zum Votum der Bürgerinnen und Bürger zu möglichen olympischen Spielen? Ein Überblick.
Kölner Politik über Olympia-Votum„Wir müssen den Leuten das Vertrauen zurückgeben“

Zwei Fechter stehen vor einem „Ja“-Schriftzug am Rheinufer.
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Ein Großteil der Kölner Politikerinnen und Politiker rechnet sich angesichts der insgesamt klaren Zustimmung der befragten Bevölkerung gute Chancen aus, die Olympischen Sommerspiele und Paralympics tatsächlich eines Tages austragen zu können. Das zeigte sich am Sonntagabend auf der Abstimmungsparty der Staatskanzlei im Deutzer Köln-Triangle-Hochhaus. Möglich wären die Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Tatsächlich überraschte das positive Ergebnis aller 16 NRW-Kommunen (ohne Herten) von 66 Prozent im Schnitt auch diejenigen, die ohnehin von einer breiten Zustimmung ausgegangen waren.
„Ein starkes Signal für Köln“ sei das Ergebnis von 57,4 Prozent der Kölner laut Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Er sei „fest davon überzeugt, dass es niemanden im Land gibt, der ernsthaft daran zweifelt, dass wir ein hervorragender Gastgeber für hunderttausende Besucherinnen und Besucher von Olympischen und Paralympischen Spielen sein werden.“
Grüne: Müssen Menschen Vertrauen zurückgeben
Schon vor dem Referendum hatten die Gegner der Olympia-Bewerbung Zweifel an Kölns Fähigkeit geäußert, ein internationales Event wie Olympische Spiele organisieren zu können, wenn doch andere Großprojekte, wie die Sanierung der Bühnen oder der Mülheimer Brücke, häufig nicht nach Plan verlaufen.
Die Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Christiane Martin, sagte am Sonntagabend: „Köln kann es nicht besser oder schlechter als andere Städte. Wir müssen den Leuten das Vertrauen zurückgeben.“
Die Grünen hatten sich im Vorhinein mit einem „Jein“ ambivalent zur Bewerbung geäußert. Sie hatten aber angekündigt, die Bewerbung zu unterstützen, sollte der Bürgerentscheid positiv ausfallen. Martin geht nach der Abstimmung davon aus: „Mit der Stimmung macht das bestimmt etwas in Köln.“
CDU sieht Rückenwind für Bewerbung
Von „Rückenwind“ sprach auch Eric Haeming, sportpolitischer Sprecher der CDU. Vor der Auszählung hatte Haeming noch das Finalspiel um den Pokal des Deutschen Handballbundes nebenan in der Lanxess-Arena verfolgt. „Köln kann große Sportveranstaltungen“, sagte er. Haeming hegt die große Hoffnung, die auch die Sportler Sonntagabend stets als Olympia-Vorteil nannten: „Die Spiele können dazu beitragen, Sportstätten zu modernisieren, neue Angebote zu schaffen und insbesondere Kinder und Jugendliche nachhaltig für Bewegung zu begeistern.“
FDP/KSG kritisiert Stadt für Auszählen
Die gemeinsame Fraktion der FDP und Kölner Stadtgesellschaft (KSG) sprach am Montag von einem starken Signal. Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite sagte: „Die Kölnerinnen und Kölner wollen mitentscheiden und übernehmen Verantwortung für ihre Stadt. Das verdient Respekt und ist gleichzeitig ein richtig starkes Zeichen für direktdemokratische Entscheidungsprozesse.“

Ulrich Breite von der FDP sagte über das lange Auszählen: „Das war kein Ruhmesblatt für diese Stadt.“
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Klare und kritische Worte fand Breite aber für das stundenlange Auszählen in Köln. Das Ergebnis stand erst tief in der Nacht um 3 Uhr fest. Breite sagte: „Während andernorts längst ausgezählt war und man ins Bett gehen konnte, hat Köln noch gezählt. Und gezählt. Und gezählt. Das war kein Ruhmesblatt für diese Stadt. Das ist Wasser auf die Mühlen der Olympia-Kritiker.“
Einer der wenigen, die sich am Sonntagabend keinen Olympia-Pin mit dem Slogan „Köln-Rhein-Ruhr“ ans Hemd gesteckt hatten, war Attila Gümüs, sportpolitischer Sprecher der Linken. Seine Ratsfraktion und die der AfD waren die einzigen, die sich gegen die Bewerbung ausgesprochen hatten. Gümüs sagte: „Wir werden weiter ganz genau auf die Kosten schauen.“ Ein Sparhaushalt, der laut Gümüs Köln zeitnah drohe, passe nicht zusammen mit einer Olympia-Bewerbung.
Köln als „Leading City“, die wichtigste Stadt der NRW-Bewerbung, hatte das schwächste Ergebnis (57,39 Prozent Ja-Stimmen) eingefahren, gleichzeitig aber die zweithöchste Beteiligung (39,68 Prozent). Gümüs sagte dazu: „Man hat in Köln doch mehr hinterfragt, ob die Stadt olympiatauglich ist, als in anderen Kommunen.“
