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Langsame Olympia-Zählung
Hätte, hätte, Auszählstätte

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Oberbürgermeister Torsten Burmester besucht das Auszählzentrum.

Tagsüber ging es noch entspannt zu: Oberbürgermeister Torsten Burmester beim Besuch im Auszählzentrum

Während im Rest von NRW bereits gejubelt wurde, wurde in Köln noch gezählt. Aber zuschauen konnte ja ohnehin niemand. Von einem Olympia-Bewerber darf man mehr erwarten. 

Der Sonntagabend hätte für Olympia-Fans ein elektrisierendes Ereignis werden können. Ein deutliches Wahlergebnis nach dem anderen, jubelnde Stadtoberhäupter, begeisterte Sportler und am Ende ein dröhnendes „Ja“ für die Olympiabewerbung. Aber: Hätte, hätte, Auszählstätte. Während im Rest von NRW bereits gejubelt wurde, wurde in Köln noch gezählt. Und gezählt. Und gezählt. Vielleicht war es also nur gut, dass die Menschen zu Hause am missglückten Livestream des Landes ohnehin nicht verfolgen konnten, wie sich die Wahl-Party in die Länge zog und schließlich sichtbar leerte, noch bevor Hendrik Wüst eilig das nicht ganz finale Ergebnis bekanntgab.

Köln und Düsseldorf müssen die Menschen weiter überzeugen

Die Reihe der Probleme, die sich durch den antiklimaktischen Abend zog, ist lang. Am Ende stehen drei Erkenntnisse. Erstens: Die Stadt Köln hat die Auszählung nicht gut organisiert. Das Auszählzentrum war zu klein, die Zahl der Wahlhelfer erst recht. Zweitens: Das Zusammenspiel mit dem Land hat nicht funktioniert. Denn das späte Ergebnis unter den selbst verschuldeten Umständen hätte von weitem absehbar sein und rechtzeitig den Plan für die Wahl-Party und die Ergebnisbekanntgabe informieren müssen. Und drittens: Das Land hat ausgerechnet am Abend des Bürgervotums vergessen, dass es vorrangig darum gehen muss, die Menschen in der Region abzuholen und zu begeistern. Der Service für eben jene hätte am Abend im Fokus stehen müssen.

All das ist umso bitterer bei einem Ereignis, für das monatelang auf allen Ebenen mobil gemacht wurde, und das als Zündung für breite Euphorie im Land hätte dienen können. Stattdessen bot das Debakel all jenen Munition, die den Sinn der NRW-Olympiabewerbung ohnehin infrage stellen: Wenn die „Leading City“ schon an der Organisation eines einzigen Abends scheitert, wie soll sie dann ein Ereignis stemmen, auf das die ganze Welt blickt? Von einem Olympia-Bewerber darf und muss man mehr erwarten.

Kendra Stenzel

Kendra Stenzel

Leiterin Redaktion Köln und Mitglied der Chefredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zuvor leitende Redakteurin. Bis 2024 Redaktionsleiterin ksta.de. Studierte zunächst Psychologie und Rechtswissensc...

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136.998: Das ist die Zahl der Menschen, die gegen Köln als Olympia-Austragungsort gestimmt haben. Hinzu kommen Hunderttausende, die nicht am Bürgerentscheid teilgenommen haben. Anspruch der Stadt und des Landes muss es auch nach dem Referendum bleiben, jeden einzelnen dieser Menschen davon zu überzeugen, dass Olympia in Köln und NRW eine gute Idee ist. Denn neben einem gelungenen Konzept, das visionären Anspruch und gesunden Realismus austariert, sind es am Ende das Engagement und die Begeisterung der Menschen vor Ort, mit denen der Erfolg des Großereignisses steht oder fällt.

Bis 2036 hätten Staatskanzlei und Stadt zum Glück noch etwas Zeit zum Üben. Und 184.523 Kölner Unterstützer haben sie auf dem Weg dahin ja trotz allem bereits gewonnen.