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Masterplan für die Rheinbrücken
Die Stadt Köln geht mit der späten Sanierung der Zoobrücke ein hohes Risiko ein

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Die Stadt Köln will die Zoobrücke frühestens ab dem Jahr 2040 sanieren.

Die Stadt Köln will die Zoobrücke frühestens ab dem Jahr 2040 sanieren.

Die entscheidende Frage wird sein, ob überhaupt so viel Zeit zur Verfügung steht, um das 60 Jahre alte Bauwerk instandzusetzen, sagt unser Autor.

Der Masterplan für die Sanierung der Rheinbrücken, den Mobilitätsdezernent Ascan Egerer am Freitag vorgestellt hat, steht auf äußerst wackeligen Füßen. Nicht zuletzt aufgrund der epischen Bauarbeiten an der Mülheimer Brücke wird die Zoobrücke nun frühestens im Jahr 2040 instandgesetzt – also in 16 Jahren. Das bedeutet, dass die Stadt die wichtigste Kölner Verbindung über den Rhein nicht vor dem Jahr 2046 auf den neuesten Stand bringen wird.

Nicht für diese Belastung ausgelegt

Die entscheidende Frage wird sein, ob der Stadt Köln überhaupt so viel Zeit zur Verfügung steht. Die Zoobrücke wird bis dahin 80 Jahre alt sein – 1966 eröffnet, war sie nie für die Belastung ausgelegt, die sie heutzutage tragen muss. Das liegt vor allem am Lastverkehr, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen hat. Und damals konnte sich niemand vorstellen, dass einmal jeden Tag 120.000 Autos und mehr über dieses Bauwerk fahren würden.

Hält die Zoobrücke dem noch 20 Jahre stand oder geht sie vorher in die Knie? Das wissen auch die Ingenieure der Stadt nicht sicher. Eine Garantie dafür, dass das Bauwerk bis zur Sanierung ohne jede Einschränkung zur Verfügung stehen wird, möchte die zuständige Amtsleiterin verständlicherweise nicht abgeben.

Das verdeutlicht noch einmal, wie fragil das Konstrukt ist, das der Mobilitätsdezernent und sein Team entworfen haben, und wie hoch das Risiko ist, das sie eingehen. Eine Gewissheit, dass auf dem langen Weg bis 2040 nichts schiefgeht, gibt es nicht. So stellt sich am Ende die Frage, ob es nicht zu gewagt ist, die Zoobrücke als letzte zu sanieren, bloß, weil sie die jüngste der vier städtischen Rheinbrücken ist. Angesichts ihrer überragenden Bedeutung auch für den Wirtschaftsverkehr, die Messe und die Lanxess-Arena kann es sich Köln nicht leisten, dass diese Hauptverkehrsader ausfällt.

Jenseits davon ist die Überlegung von Oberbürgermeister Torsten Burmester zu begrüßen, gegebenenfalls auch einmal eine Brücke abzureißen und neu zu bauen, obwohl sie unter Denkmalschutz steht. Das hätte der Stadt und somit den Steuerzahlern bei der Mülheimer Brücke ein Vermögen gespart. Es braucht den Mut, manchmal auch Denkmäler einzureißen – eine Millionenstadt wie Köln ist kein Museum, sie lebt nicht zuletzt von Veränderung.