Auf einer modernen Kleinkunstbühne ermöglichte sie jungen Talenten wie Hape Kerkeling, Harald Schmidt oder den Missfits erste Auftritte.
150 aus 150Alexandra Kassen gründete das Senftöpfchen

Lore Lorentz (links, Gründerin des Kommödchens in Düsseldorf) und Alexandra Kassen (rechts)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 14. Teil der Serie geht es um die Theaterleiterin Alexandra Kassen.
Bedeutung
Alexandra Kassen, geboren in der Oberpfalz, und ihr Ehemann Fred, gebürtiger Düsseldorfer, unterhielten seit 1955 in München eine Künstlerkneipe, in dem die Lach- und Schießgesellschaft auftrat. Fred Kassen begleitete die Kabarettgruppe am Klavier. 1959 zog das Ehepaar nach Köln und gründete das Theater „Senftöpfchen“ an der Pipinstraße mit einem Programm voller „Ironie, Satire und scharfer Zeitkritik“.

Alexandra Kassen gründete 1959 gemeinsam mit ihrem Mann das Senftöpfchen.
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Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes 1972 leitete Alexandra Kassen das erste Kölner Nachkriegskabarett bis 2014, seit den 1990er Jahren unterstützt von ihrer Tochter und Nachfolgerin Alexandra Franziska Kassen. 1986 erfolgte der Umzug in die Altstadt. Kassen richtete das Theater auf eine moderne Kleinkunstbühne aus und ermöglichte vielen jungen Talenten erste Gehversuche auf der Bühne. Hape Kerkeling gehörte ebenso dazu wie Harald Schmidt, die Missfits, Ingo Appelt oder Dieter Nuhr. Alfred Biolek begann im „Senftöpfchen“ seine Karriere als Talkmaster und setzte sie im Fernsehen fort. Manche Künstlerinnen und Künstler traten über Jahrzehnte bei den Kassens auf.
Alexandra Kassen geb. Geller
Geboren: 30. Januar 1923 in Nittendorf
Gestorben: 25. Juni 2017 in Köln
Wirken in Köln
Kassen gelang es, die Kleinkunstbühne in Köln salonfähig zu machen. Auch Karnevalsbands ermöglichte sie Auftritte. Anfang der 1970er Jahre präsentierte Alexandra Kassen mit den „Folies Parisiennes“ die erste Travestie-Revue in Köln – im katholischen Milieu ein gewagtes, aber erfolgreiches Engagement der ehemaligen bayerischen Klosterschülerin. Das Theater erhielt nie öffentliche Zuschüsse, sondern konnte in einem Förderverein Privatleute für sich begeistern.
Bemerkenswert
Zur 50-Jahr-Feier des Senftöpfchens fand 2009 eine Gala in der Kölner Oper mit vielen Prominenten statt. Die mit Bundes- und Landesorden hochdekorierte Prinzipalin, wie immer mit einem Hütchen auf dem Kopf, genoss die Ehrungen sichtlich. Ein solches Hütchen zierte auch die Urne bei ihrer Beerdigung auf dem Friedhof Melaten.
Spuren in der Stadt
Das Senftöpfchen, Große Neugasse. Hingehen lohnt immer.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
