Der Unternehmer eröffnete 1897 ein Lebensmittelgeschäft in Ehrenfeld. Einige Jahre später führte er das Prinzip der Selbstbedienung ein.
150 aus 150Cornelius Stüssgen war Begründer der Selbstbedienungsläden

Cornelius Stüssgen um 1950. (Archivfoto)
Copyright: Karl Hugo Schmölz
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 31. Teil der Serie geht es um den Unternehmer und Begründer der Selbstbedienungsläden Cornelius Stüssgen.
Bedeutung
Cornelius Stüssgen war einer der Pioniere im deutschen Einzelhandel. Nach dem Besuch der Volksschule und einer Lehre in einem Kolonialwarenhandelsgeschäft eröffnete er 1897 als 20-Jähriger sein erstes Lebensmittelgeschäft an der Venloer Straße in Ehrenfeld. Kurze Zeit später folgten weitere Läden, auch außerhalb Kölns. Stüssgen verkaufte qualitativ hochwertige Ware, allerdings nur gegen Bargeld und nicht für das damals übliche „Anschreiben“.
Kontinuierlich baute er seine Lebensmittelkette aus, so dass er vor dem Ersten Weltkrieg bereits über 100 Filialen als „Rheinisches Kaufhaus“ führte. Nach 1918 beschränkte er sich auf das Rheinland. Er unternahm eine Studienreise in die USA und brachte von dort Rationalisierungs- und Absatzideen mit. In Braunsfeld ließ er ein modernes Büro- und Lagerhaus errichten. Im Warenversand bewegten sich die Mitarbeitenden zeitsparend auf Rollschuhen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten zum Unternehmen 150 Filialen. 1939 musste Stüssgen in Folge des Kriegs sechs davon schließen. Im Jahr darauf trat er der NSDAP bei, vermutlich um sein Unternehmen zu retten. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau des Unternehmens. 1952 eröffnete Stüssgens erster Selbstbedienungsladen in Brühl, wenig später auch einer in Braunsfeld an der Aachener Straße.
Cornelius Stüssgen
Geboren: 8. Mai 1877 in Dormagen
Gestorben: 24. Juni 1956 in Köln
Wirken in Köln
1937 errichtete Stüssgen auf dem Braunsfelder Firmengelände einen Fasskeller zur eigenen Abfüllung von Mosel- und Rheinweinen, der sich später zum „Kölner Weinkeller“ als Einzelhandelsgeschäft für Qualitätsweine entwickelte. Stüssgen galt lange Zeit als „die“ Kölner Lebensmittelmarke. 1989 übernahm die Rewe-Gruppe alle Anteile der Stüssgen-AG und gab den Namen 2005 für die Geschäfte auf.
Bemerkenswert
Stüssgen war dreimal verheiratet. Seine wenige Freizeit verbrachte er mit seinen Pferden, mit der Jagd und der Fischerei. Ehrenämter lehnte er ab.
Spuren in der Stadt
Eine 1997 vorgeschlagene Cornelius-Stüssgen-Straße nahm die Stadt 2003 aus der Planung heraus. Die Cornelius-Stüssgen-Stiftung bei der IHK Köln, von ihm selbst errichtet, zeichnet Bestleistungen des Einzelhandelsnachwuchses aus. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Melaten-Friedhof.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
