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150 aus 150Robert Gerling veränderte die Versicherungsbranche

Der Unternehmer gründete mehrere Versicherungen, die später im Gerling-Konzern zusammengefasst wurden.

Von
Gerling

Robert Gerling

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 81. Teil der Serie geht es um den Versicherungsunternehmer Robert Gerling.

Bedeutung

Wie kein anderer veränderte Robert Gerling die Versicherungsbranche im frühen 20. Jahrhundert. Nach Lehrzeit in einer Generalagentur und Tätigkeit für Versicherungsgesellschaften gründete der 26-Jährige 1904 in Köln das unabhängige „Büro für Versicherungswesen Robert Gerling“. Dieses bot Industrieunternehmen möglichst günstige Policen an und umging so Preisabsprachen eines Versicherungssyndikats. Das Geschäft verlief anfangs schleppend, nahm aber Fahrt auf, indem Gerling den Mitgliedern des von ihm gegründeten „Rheinischen Versicherten-Verbands“ Versicherungen verkaufte.


Robert Gerling

Geboren: 13. August 1878 in Elberfeld, heute Wuppertal

Gestorben: 25. Januar 1935 in St. Moritz


1909 gründete er das erste eigene Unternehmen, die Rheinische Feuerversicherungs-AG. Die etablierten Gesellschaften versuchten, Gerling aus der Rückversicherung herauszuhalten. Also gründete er mit der Kronprinz AG eine eigene. 1920 weitete Gerling sein Portfolio auf alle Sparten unter dem Dach einer Konzerngesellschaft aus. 1922 erwarb er die „Friedrich Wilhelm Lebensversicherung“. Zeitgleich baute er ein Netz mit 15 regionalen Gesellschaften und zahlreichen Vermittlungsbüros in Deutschland auf.

Die Krisen der 1920er Jahre überstand Gerling dank des Rückhalts bei seinen Industriekunden. In der Inflation reagierte er antizyklisch und übernahm drei weitere Versicherungen. Gleichzeitig investierte er im Ausland. 1925 führte er mit einer Auslandsreiseversicherung und der Hausratsversicherung auf Lebenszeit neue Produkte ein. Sein Erfolg lag in niedrigen Verwaltungskosten, geringem Werbeaufwand und schneller Schadensregulierung.

Wirken in Köln

Gerling unterstützte den Kölner Renn-Verein für Galopprennen. Der 1934 eingeführte und 2018 umbenannte Robert-Gerling-Preis war lange Zeit der bestdotierte Preis. 1922 erwarb er die Villa Marienburg, die die Familie wegen der britischen Besatzung aber erst 1926 beziehen konnte.

Bemerkenswert

1929 erkrankte Gerling unheilbar und führte fortan seine Unternehmen vom Krankenbett aus. Er starb an einer Lungenentzündung, hinterließ aber kein Testament. Dies führte zu jahrelangem Rechtsstreit unter seinen drei Söhnen.

Spuren in der Stadt

Das Grabmal der Familie Gerling befindet sich auf dem Nordfriedhof.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.