Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 140. Teil der Serie geht es um die Widerstandskämpferin und spätere Kommunalpolitikerin Hanna Gerig.
Bedeutung
Hanna Gerig war Widerstandskämpferin und später Kommunalpolitikerin. Von 1917 bis 1924 arbeitete sie bei der Deutschen Bank in Berlin als Auslandskorrespondentin. Beim Katholikentag 1922 lernte sie den Zentrumspolitiker, Gewerkschaftssekretär und späteren Reichstagsabgeordneten Otto Gerig kennen. Die beiden heirateten 1924 und lebten seitdem in Köln. Im NS-Staat verlor Otto Gerig 1933 seine Existenzgrundlage. Vier Jahre war er arbeitslos. Zur Sicherung des Lebensunterhalts verkaufte Hanna Gerig Kaffee, vermietete Zimmer und schrieb Artikel für katholische Zeitschriften. Aufgrund der Unterversorgung starb eines ihrer fünf Kinder an Diphterie. Mehrfach durchsuchte die Gestapo ihr Haus. 1944 wurde ihr Mann verhaftet und in das Lager an der Kölner Messe verbracht. Hanna Gerig erstritt eine Zugangsgenehmigung, die sie in die Lage versetzte, ihren Mann und andere Inhaftierte mit Kleidung, Essen und Medikamenten zu versorgen. Dies trug ihr den Titel „Engel der Messehallen“ ein. Otto Gerig starb im KZ Buchenwald. Aufgrund ihrer Hilfsaktionen wurde Gerig bedroht und musste sich mit ihren Kindern in Lindlar verstecken.
Hanna Gerig
Geboren: 31. Mai 1900 in Potsdam
Gestorben: 15. Dezember 1991 in Köln
Nach dem Krieg trat sie dem Bund der Verfolgten des Naziregimes bei und war lange Jahre dessen Kreisvorsitzende. Als führendes Mitglied in der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft erhielt sie als erste Frau 1952 bis 1965 die Position eines stimmberechtigten Mitglieds im Vorstand der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.
Wirken in Köln
Gerig trat früh der CDU bei und wirkte an der Entwicklung des Parteiprogramms mit. Von 1946 bis 1964 war sie mit zwei kurzen Unterbrechungen Mitglied des Stadtrats. Dort setzte sie sich für Sport, Soziales und Integration ein. Beruflich begann sie nach dem Krieg als Sozialreferentin bei der Rhenag und wechselte 1949 zur „Kölnischen Rundschau“, wo sie bis 1965 als Redakteurin sozialpolitische Fragen behandelte.
Bemerkenswert
Gerig setzte sich bis in hohe Alter für ihren Stadtteil ein und erhielt den Spitznamen „Löwin von Deutz“. 1988 brachte der WDR eine TV-Doku über ihr Leben.
Spuren in der Stadt
1980 und 1988 trug sie sich in das Goldene Buch der Stadt ein.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

