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„Ich ben der Stadt-Anzeiger“Björn Heuser sorgt für Wiedergeburt eines alten Ostermann-Lieds

6 min
In der Ausgabe vom 27. Januar 1934 ist „Wenn einer jett om Häzze hät“, das Ostermann auch „Et Stadtanzeiger-Leed“ nannte, erstmals abgedruckt.

In der Ausgabe vom 27. Januar 1934 ist „Wenn einer jett om Häzze hät“, das Ostermann auch „Et Stadtanzeiger-Leed“ nannte, erstmals abgedruckt.

Vor 150 Jahren wurde Willi Ostermann geboren, vor 150 Jahren ebenso der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Passend dazu hat Liedermacher Björn Heuser ein altes Lied neu vertont. Achtung: Ohrwurm-Gefahr!

Für Willi Ostermann braucht es neben Können vor allem Mut. Ein Lied des wohl größten Heimatdichters und Liedermachers der Stadt Köln neu zu vertonen, der Legendenstatus genießt, war daher für Björn Heuser mehr als nur eine Aufgabe. Immerhin: Heuser gilt als Mitsingkönig dieser Stadt und schrieb schon Lieder für Bands wie Bläck Fööss, Paveier oder Klüngelköpp. „Wenn man einem den Ostermann zutraut, dann dem Heuser“, meinte denn auch Chefredakteur Gerald Selch und weihte vor wenigen Wochen den Kölner Musiker in das Vorhaben des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein.


Hören Sie hier das Lied „Et Stadt-Anzeiger-Leed“ von Björn Heuser


„Wenn einer jett om Häzze hät (Ich ben d'r Stadt-Anzeiger)“ lautet ein Ostermann-Lied, das anlässlich des 150. Geburtstag unserer Zeitung eine Renaissance erfahren soll. Komponiert wurde es von ihm 1934. Im Archiv findet sich das Notenblatt, das in der der Morgen- und in der Abendausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom 27. Januar 1934 abgedruckt worden ist. Auf einer Schallplatte veröffentlicht wurde es erstmals 1949, der Interpret war Willy Breuer. 1976 wurde das Werk vom Eilemann-Trio dann als „Dat Stadt-Anzeiger-Lied“ neu aufgenommen.

Björn Heuser vertont Ostermann-Lied neu für „Kölner Stadt-Anzeiger“

Nun, anlässlich des 150. Geburtstags von Willi Ostermann und „Kölner Stadt-Anzeiger“, gibt es das Lied komplett neu arrangiert zum Download. Bis hierhin war es viel Arbeit – allen voran für Björn Heuser. Die Chronologie einer Song-Wiedergeburt:

15. Januar: „Ich mach's!“ Nur wenige Stunden, nachdem er seine Zusage gegeben hat, kreisen bei Björn Heuser die Gedanken um das Ostermann-Lied: „Es ist alt, keine Frage, auch der „Stadt-Anzeiger“ hat 150 Jahre auf dem Buckel – aber ist dennoch jung geblieben, wird auch digital gelesen…“ Seine ersten Ideen schreibt er am nächsten Morgen der Lokalredaktion. Zuvor hat er eine Nachtschicht absolviert, sogar schon ein erstes Demo aufgenommen – auch auf die Gefahr hin, dass Sohnemann und Frau aufwachen könnten.

Björn Heuser nahm im Studio das Ostermann-Lied neu auf.

Björn Heuser nahm im Studio das Ostermann-Lied neu auf.

16. Januar: Heuser fragt Redakteur Jan Wördenweber, den er auch als Keyboarder kennt, ob er für den Song im Studio das Klavier einspielen möchte. Schließlich wäre es schön, wenn das Lied auch mit tatkräftiger Unterstützung des Medienhauses entstehen könnte. Die Zusage kommt prompt, ebenso erklären sich die Kolleginnen Christiane Vielhaber und Barbara Grofe bereit, beim Background-Chor mitzuwirken.

20. Januar: Im „Strings'n'Sounds“-Studio von Produzent Ralf Hahn werden erste Tonspuren aufgenommen. Das Lied, ein Walzer, beginnt mit einem Rauschen, wie man es von alten Vinyl-Schallplatten klingt. Auch der Gesang von Heuser bekommt einen knarzigen Effekt, wie man das auf alten Schellack-Platten kennt. Der „alte Sound“ besteht nur aus Flitsch, Gitarre, Quetsch und Piano – Heuser singt den originalen Text von Ostermann, Refrain und Strophe.

Produzent Ralf Hahn (l.) und Redakteur Jan Wördenweber bei den Aufnahmen im Studio

Produzent Ralf Hahn (l.) und Redakteur Jan Wördenweber bei den Aufnahmen im Studio.

Danach geht es in die Gegenwart: Hahn und Heuser haben einen lauteren, „strahlend“ klingenden Sound mit voller Bandbesetzung hingezaubert. Dazu hat Heuser den Text leicht abgewandelt und ins Hier und Jetzt geholt. „Ich habe das ganz behutsam getan, dass der historische Kern meines Erachtens nicht verletzt wird“, sagt Heuser. So heißt es im neuen Refrain jetzt „Ich ben der Stadt-Anzeiger / zick 150 Johr/ och wenn hück alles anders ist / ben ich immer für üch do“.

Den Zwischenteil, in der Musikerprache „Bridge“ genannt, ist völlig neu – aber bleibt im Stile Ostermanns, den Heuser mit folgenden Zeilen versehen hat: „Selvs der ahle Ostermann fing jeden Daach met der Zeidung ahn / jo, do kannste drop zälle – ohne mich däät jet fähle in Kölle!“ Zum Schluss hin wechselt das Lied noch mal in den alten Vinyl-Sound. Eine Runde Sache – bis dahin. Zwei Tage später sollte es für Heuser und Hahn noch mal anstrengend werden: Besuch des Journalisten-Trios.

Als Background-Sängerinnen stellten sich die Redakteurinnen Barbara Grofe und  Christiane Vielhaber (r.) ans Studio-Mikrofon.

Als Background-Sängerinnen stellten sich die Redakteurinnen Barbara Grofe und Christiane Vielhaber (r.) ans Studio-Mikrofon.

22. Januar: „Das war doch schon ganz gut.“ Ralf Hahn lobt pausenlos. Aber das Ganze muss noch einmal aufgenommen werden. Und noch mal. Jan Wördenweber wirkt zunehmend genervt, weil seine Finger nicht zu 100 Prozent das auf der Keyboard-Tastatur machen, was sie sollten. Hinzu kommen Ideen der beiden Profis, die spieltechnisch eigentlich keine Herausforderungen darstellen – aber Walzer ist nun mal kein Vier-Viertel-Takt und Ostermann nicht Ozzy oder Oasis. Irgendwann ist es geschafft.

Ralf Hahn kocht noch mal einen Kaffee, als die Stadt-Anzeiger-Sängerinnen im Studio eintreffen. Nach dem Männer-Chor sind Barbara Grofe und Christiane Vielhaber dran. Es gilt, dem Refrain mehr Fülle zu verleihen, so dass er die Zuhörer noch mehr zum Mitsingen animiert. Auch hier lobt Hahn die Sängerinnen durchweg, oder sagt Sätze wie: „Das versendet sich“, wenn sich ein Ton mal auf Abwegen befand. Für den endgültigen Durchbruch sorgt Björn Heuser: „Denkt an Henning Krautmacher, der lacht auch immer, wenn er singt. Mit einem Lächeln klingt das viel besser.“ Gelächter. Aufnahme. Perfekt!

27. Januar: In den vergangenen Tagen hat Ralf Hahn an der Feinjustierung gearbeitet – heißt: den Song fertig abgemischt. „Es ist vollbracht: Janz frisch aus dem Studio kommt hier der fertige Track“, schreibt Björn Heuser der Lokalredaktion . Die Freude ist groß, so ein Song sei immer auch eine Art Geburt, sagt der Musiker: „Et Stadt-Anzeiger-Leed“ 2026 ist fertig. Ein Ohrwurm, zum Mitsingen, Mitschunkeln und Feiern des 150. Geburtstags von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Willi Ostermann. (red)


Et Stadt-Anzeiger-Leed

1. Strophe (Ostermann) Vür vill Johrzehnte kohm ich als klitzekleine Held / He en der Breitstroß plötzlich des morjens op de Welt. / Ich wood als Kind verdrivve, ich moot en jedes Huus, öm mich wood vill jejevve – bahl wor ich fein erus.

Refrain (Ostermann): Ich ben der Stadt-Anzeiger, dat Blatt för ärm un rich / wenn einer jet om Hätze hät kütt einfach nur bei mir mich / bei mich (bei mich) /bei mich (bei mich) / dat andre maachen ich.

Refrain neu (Heuser): Ich ben der Stadt-Anzeiger zick 150 Johr / och wenn hück alles anders es, ben ich immer för üch do / Oh jo (oh jo) / oh jo (oh jo) / ich ben immer för üch do.

2. Strophe (Ostermann, leicht überarbeitet von Heuser) Durch mich do kann mer erfahre, wat wer om Hätze hät / met jedem sich verdrage, dat fing ich doch su nett / Mi Wood, dat hät et en sich, ich helfe jään de Lück / dröck dich der Schoh, dann weiß ich ne Rot un du häs Jlöck.

Refrain neu: Ich ben der Stadt-Anzeiger ...

Bridge, neukomponiert und getextet von Heuser: Selvs der ahle Ostermann fing jeden Daach met der Zeidung ahn / jo, do kannste drop zälle – ohne mich däät jet fähle in Kölle!

Refrain neu: Ich ben der Stadt-Anzeiger...