Etliche Lieder von Willi Ostermann sind fest im kölschen Liedgut verankert. In diesem Jahr wäre er 150 Jahre alt geworden.
Vor 150 Jahren geborenWie Willi Ostermann kölsches Liedgut und den Karneval prägte

Willi Ostermann gilt als Kölns bedeutendster Heimatdichter.
Copyright: Ostermann
Willi Ostermann gilt als Kölns bedeutendster Heimatdichter. Etliche seiner Lieder sind fest verankert im kölschen Liedgut, Evergreens wie „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“, „Kutt erop!, Kutt erop!, Kutt erop! (bei Palms do es de Pief verstopp)“ und „Heimweh nach Köln“ inklusive. Ostermann wurde vor 150 Jahren, am 1. Oktober 1876, in Mülheim am Rhein geboren, damals noch eine eigenständige Stadt. Das Rheinland gehörte ab 1815 zu Preußen.
Die Familie Ostermann zog zwei Jahre nach Willis Geburt in die Stadt Deutz, die 1888 nach Köln eingemeindet wurde, womit auch die Ostermanns Kölner wurden. „Ostermanns Fuss“ – den Namen hatten ihm seine Mitschüler wegen seiner roten Haare verpasst – erlernte den Beruf des Stereotypeurs und Galvanoplastiker, seine Leidenschaft gehörte der kölschen Sprache und der kölschen Musik.
Sein erstes Lied, das er auch selbst vortrug, war „Et Düxer Schötzefess“ aus dem Jahr 1899. Ostermann griff dabei auf eine bekannte Melodie zurück: auf „Jahrmarktsrummel“ von Paul Lincke, der seinerzeit als Vater der Berliner Operette galt. „Et Schötzefess“ wurde gleich ein Erfolg.
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Private Familienfotos zeigen Willi Ostermann mit seiner Familie im Garten.
Copyright: Daniela Decker/Willi-Ostermann-Gesellschaft
Das blieb den Karnevalisten nicht verborgen. Ostermann wurde aufgefordert, gemeinsam mit dem Komponisten Emil Neumann, Kapellmeister am Kölner Reichhallentheater, ein Karnevalslied für die Session 1906/07 zu schreiben. „Dä Fuss“ haute 1907 mit „Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt“ einen richtigen Karnevalskracher raus. In dem Lied mit dem griffigen und gut mitsingbaren Refrain wurde bereits deutlich, was den Texter, Komponisten und Sänger auszeichnete und von den anderen Künstlern auf der Karnevalsbühne unterschied.
Willi Ostermann war ein sehr guter Beobachter und vor allem Zuhörer. Er beschrieb in seinen Texten, was er sah, hörte und aufschnappte. Er wusste, worüber sich die Leute aufregten und amüsierten. Er zeichnete Situationen nach, die die Leute kannten. Sie sollten sich, ihre Familien, ihre Nachbarn und deren Alltagsgeschichten wiedererkennen. Große Skandale und Katastrophen ließen ihn eher kalt, er vertonte Milieubeschreibungen.
Ein Karnevalsstar mit ausgeprägtem Geschäftssinn
Ostermann schnappte seine Geschichten, heute würde man sagen Storys, auf der Straße, im Treppenhaus, in der Kneipe, auf der Kirmes oder auf der Familienfeier auf. Seine Gabe war es, die exakten Beobachtungen in griffige Verse zu gießen. Das konnte damals nur er. Das war sein Alleinstellungsmerkmal. Drolligerweise konnte Ostermann keine Noten lesen oder schreiben, er spielte auch kein Instrument. Und wirklich gut singen konnte er auch nicht. Sein kongenialer Partner war der Kapellmeister und Schwager Emil Palm.

Die Willi-Ostermann-Gesellschaft hat von Gerd Schmitz eine umfangreiche Fotosammlung erhalten, die auch private Familienfotos von Willi Ostermann mit seiner Frau Käthe am Lugano enthält.
Copyright: Daniela Decker/Willi-Ostermann-Gesellschaft
Willi Ostermann besaß einen ausgeprägten Geschäftssinn. Er hatte bereits 1910 einen eigenen Musikverlag, um seine Texte und Lieder zu verlegen und zu vermarkten. Eine Agentur vermittelte ihm Auftritte in ganz Deutschland. Der Kölner war im Rundfunk präsent und er produzierte und verkaufte fleißig Schallplatten. Ostermann zählte zu den Pionieren auf dem Gebiet, er nahm schon 1909 seine erste Platte auf. Zunächst erschienen die Sachen auf Schellack, ab den 1930er Jahren auf Vinyl.
Der Karnevalsstar schrieb auch hochdeutsche Schlager. Vorzugsweise Marschlieder und Walzer. Der Schlager „Rheinland-Mädel“ mit den Zeilen „Drum sollt ich im Leben ein Mädel mal freien, dann muss es am Rhein nur geboren sein“ soll im Jahr 1927 mit einer Auflage von einer Million Schallplatten einen Gewinn von 130.000 Goldmark eingebracht haben. Großen künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg hatte er zudem mit Liedern für Revuen. „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ schrieb er 1930 für die Karnevalsrevue „Die Fastelovendsprinzessin“ im Varieté-Theater Groß-Köln in der Friesenstraße. In der Hauptrolle war Grete Fluss zu hören und zu sehen. Willi Ostermann war ein vermögender Mann, er besaß ein großes Haus am Neumarkt. Er soll allerdings auch eine Menge Geld auf der Pferderennbahn beim Wetten gelassen haben.
„Heimweh nach Köln“ als letztes Lied
Willi Ostermann wurde nur 59 Jahre alt. Er starb am 6. August 1936. „Heimweh nach Köln“ ist sein letztes Lied. Die Verse und den Refrain schrieb er schwer krank im Kölner Krankenhaus Lindenburg (dem heutigen Universitätsklinikum). Er konnte es nicht mehr fertigstellen. Thomas Liessem, einer seiner engsten Freunde, soll es „textlich vollendet“ haben. Liessem trug das Lied bei Ostermanns Beerdigung am 10. August auf dem Friedhof Melaten vor. „Heimweh nach Köln“ zählt zu den inoffiziellen Hymnen Kölns, die Melodie gab es schon. Die übernahm Ostermann von seinem früheren Lied „Sehnsucht nach dem Rhein“.
1944, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, ließ Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die öffentliche Aufführung des Liedes „Heimweh nach Köln“ per Heeresverordnung verbieten. Es ging vor allem um die Zeilen „Wenn ich su an ming Heimat denke, un sin d’r Dom su für mir stonn, mööch ich direkt op Heim an schwenke, ich mööch zo Föß noh Kölle Jon“. Dies, so fürchtete Goebbels, könnte die Kampfmoral der Truppe untergraben. Zumal die der Rheinländer.
Wo Willi Ostermann auch heute noch in Köln und Umgebung präsent ist
Willi Ostermann ist nicht nur über seine Musik in Köln und im Rheinland präsent. Es gibt den Ostermann-Brunnen auf dem Ostermann-Platz in der Kölner Altstadt. Es gibt die Willi-Ostermann-Medaille, die als höchste Auszeichnung in der Kölner Kultur und Mundart gilt. Sie wird für besondere Verdienste um das Kölner Liedgut verliehen. Nicht in jedem Jahr. Es gab sogar eine Unterbrechung von 15 Jahren. 2022 wurde mit Jörg P. Weber erstmals wieder ein Künstler ausgezeichnet.
In Königswinter, im Nachtigallental, steht seit fast 80 Jahren ein Willi-Ostermann-Denkmal. Als Dank für seine Hymne auf Königswinter mit dem Lied: „Da wo die sieben Berge…“ und der Zeile: „…wo fröhlich sie marschierten durchs Nachtigallental“. Die Willi-Ostermann-Gesellschaft ist eine Karnevalsgesellschaft, die das Andenken an den Sänger sehr pflegt. Unter anderem kümmert sie sich um die Pflege und Reinigung des Ostermann-Brunnens und um die Grabstätte von Willi und Käte Ostermann auf dem Melaten-Friedhof. Es gibt die Willi-Ostermann, ein Schiff der Köln-Düsseldorfer. An seinem Geburtshaus in Mülheim und an seinem späteren Wohnhaus am Neumarkt 33 gibt es Gedenktafeln.

