Facts for FutureWie Schulen mit ChatGPT umgehen – Neuer Digital-Wettbewerb startet

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ILLUSTRATION - 25.01.2023, Hessen, Darmstadt: Ein Mensch gibt einen Text in den Text-Roboter ChatGPT ein. Für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) an Schulen hat die Berliner Senatsverwaltung für Bildung Empfehlungen für Lehrkräfte herausgegeben. (zu dpa «Senatsverwaltung gibt Empfehlungen für Umgang mit KI an Schulen raus») Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ChatGPT kann auf Befehl Texte schreiben.

Mit Künstlicher Intelligenz können Schülerinnen und Schüler Hausaufgaben schreiben lassen, verschließen können sich Schulen dem Thema deshalb aber nicht.

Ein digitales Gespenst geht um, seit die KI-Anwendung ChatGPT in der Welt ist, und es schleicht auch auf den Fluren und in den Klassenräumen deutscher Schulen umher. KI, das bedeutet „Künstliche Intelligenz“ – und ChatGPT ist sozusagen eine sprachbegabte Unterfunktion, mit deren Hilfe sich Texte zusammenstellen lassen. Diese sucht sich das Programm im Internet zusammen, und natürlich lassen sich auf diese Weise auch Hausaufgaben und Referate erstellen. Dabei ergeben sich mindestens zwei Probleme: Die Eigenleistung von Schülerinnen und Schülern ist nicht mehr überprüfbar; außerdem ist ChatGPT nicht unfehlbar, die Ergebnisse seiner Arbeit haben also mitunter ein „Mangelhaft“ verdient.

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In Potsdam kamen auf Einladung von Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg jüngst 400 Fachleute aus Schulen, Verwaltung, Wissenschaft und Digitalindustrie zusammen, um folgende Frage zu beantworten: Wie wird Künstliche Intelligenz die Schule, das Lehren und das Lernen verändern? Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass Programme wie ChatGPT ihnen nicht den eigenen Kompetenzerwerb abnehmen. Und Lehrerinnen und Lehrer müssen im Einsatz dieser Werkzeuge für den Unterricht geschult werden. Bildungsstaatssekretär Freiberg sagt dazu, man wolle neue Technologien nicht aus den Schulen verbannen, sondern die Chancen aus diesen Systemen nutzen. „Es soll insbesondere ab Jahrgangsstufe 5 Grundsatz in den Schulen werden, sich offensiv, konstruktiv und reflektiert mit den Möglichkeiten von KI auseinander zu setzen.“

NRW bietet Lehrkräften einen Handlungsleitfaden

Auch das Bildungsministerium in Nordrhein-Westfalen will sich der neuen Zeit nicht verschließen. Hier finden die Lehrkräfte im digitalen Bildungsportal des Landes einen Handlungsleitfaden, der seit dem Februar dieses Jahres die Empfehlungen fortsetzt, die NRW bereits seit 2021 zur Künstlichen Intelligenz gibt. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) betont, dass ein sicherer Umgang mit KI-Anwendungen für die Zukunft in Ausbildung, Studium und Beruf immer wichtiger werde. „Mit unserem Handlungsleitfaden geben wir den Schulen Sicherheit für den schulischen Umgang mit KI-Anwendungen. Ein generelles Verbot, KI-Anwendungen zu nutzen, steht nicht zur Debatte. Wir müssen unsere Schülerinnen und Schülern für die Zukunft fit machen.“

Die Politik stützt sich bei ihrer Einschätzung auf wissenschaftliche Forschung wie die von Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel. Zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten gehören KI-gestütztes Schreiben, KI-Sprachmodelle und Auswirkungen des sogenannten Natural Language Processing auf den Bildungsbereich. „Seit der Veröffentlichung von ChatGPT am 30. November 2022 diskutieren und reflektieren wir wie nie zuvor über Themen wie alte und neue Bildungsziele, notwendige Zukunftskompetenzen im KI-Zeitalter, unsere Prüfungskultur und die Integration von KI-Technologien in Lehr- und Lernsettings“, sagt Weßels.

Es zeige sich deutlich, dass neben den großen Herausforderungen auch viele neue Chancen entstehen. „Wenn ChatGPT mit einem einfachen Prompt (einer Frage, einer Anweisung) – zum Beispiel: ‚Du bist mein Trainer für deutsche Zeichensetzung. Erstelle mir einen Test mit 10 Fragen zur Kommasetzung in deutscher Sprache.‘ – zum individuellen Lerntutor für Schülerinnen und Schüler wird, schaffen wir neue Perspektiven für Lernende, die aber auch von den Lehrenden didaktisch flankiert werden müssen.“

Mit anderen Worten: KI kann beim Lernen helfen, doch die Lehrer macht sie nicht überflüssig – Sprachmaschinen wie ChatGPT können Geschichten zum Beispiel erfinden, sie „halluzinieren“. Das muss eine Lehrkraft erkennen und einordnen.

Neu über den Bildungs-Begriff nachdenken

Das sieht auch ein Praktiker wie der Kölner Schulleiter Martin Süsterhenn so, der an der Katharina-Henoth-Gesamtschule arbeitet: „Die allseits diskutierten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz eröffnen in besonderer Weise eine Möglichkeit, neu über den Bildungs-Begriff nachzudenken“, sagt er. Denn KI ermögliche schon jetzt, dass etwa mit Hilfe von Chat-GPT den Erwartungen und Leistungsanforderungen in Schule und Universität entsprochen werden könne und man als Schüler oder Student deutliche Unterstützung beim Leistungsnachweis und sogar Abschlüsse erhalten kann. Aber, so Süsterhenn: „KI kann zwar das erfüllen, aber eben nicht das, was man Bildung nennt.“ Also das Selberdenken, die Eigenständigkeit intellektueller Arbeit.


Der Handlungsleitfaden des Landes NRW

Im Handlungsleitfaden des NRW-Bildungsministeriums heißt es mit Blick auf die Zukunft:

1. Ein Verbot des Einsatzes von KI ist realitätsfern und nicht durchhaltbar, es gilt stattdessen

2. die Potenziale und auch die Risiken für das Lehren und Lernen auszuarbeiten.

3. Der Umgang mit KI muss miteinander verhandelt werden und transparent und rechtlich abgesichert erfolgen. Es besteht hohe Einigkeit darüber, dass ein kompetenter Umgang mit KI-Anwendungen für eine erfolgreiche Bewältigung künftiger Anforderungssituationen in Ausbildung, Studium, Beruf und Alltagswelt unabdingbar ist; auch aus diesem Grund darf sich Schule nicht hermetisch abriegeln.


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