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Bunt, glamourös, kuscheligDiese Kostüm-Trends sind Karneval 2024 besonders angesagt

Lesezeit 5 Minuten
Barbara Grofe und Thorsten Breitkopf probieren verschiedene Verkleidungen in der Kölner Kostümkiste aus.

Barbara Grofe und Thorsten Breitkopf probieren verschiedene Verkleidungen in der Kölner Kostümkiste aus.

Wem Ideen für die Verkleidung fehlen, dem helfen wir aus: zwei Expertinnen über die Kostümtrends und wie man sie liebevoll zusammenstellt.

Zwischenzeitlich fühlt es sich an, als seien wir in einer Stylingshow von Designer Guido Maria Kretschmer gelandet und nicht in der Kölner Kostümkiste, um uns die Trend-Verkleidungen für die aktuelle Session zeigen zu lassen. „Das tut nichts für dich“, sagt Anne Witton ganz wie der Hamburger Designer und schüttelt den Kopf, als ich eine goldene Schlaghose anprobiere, oder besser: mich hineinzwänge. Witton wieselt wieder los, geht auf die Suche nach dem optimalen Gold-Unterteil in dem großen Ladenlokal an der Wormser Straße. Spoiler: Sie wird fündig werden.

Anne Witton und ihre Kollegin Richeza Mueller-Weinitschke, beide auch an diesem normalen Dienst-Tag verkleidet, suchen für alle Kostüme in liebevoller Kleinarbeit nicht nur die Kleidung selbst heraus, sondern auch Kopfbedeckungen, Strümpfe, Handschuhe und Co. „Wir wollen hier niemanden allein lassen“, sagt Anne. Der Job macht ihnen, erzählen sie, auch deshalb so großen Spaß, weil sie so intensiv beraten können.

Klar, rot-weiße-Ringel gehen in Köln immer, aber welche Trends gibt es in der aktuellen Karnevalssession? Anne und Richeza haben sechs ausgemacht, und passend zu jedem Trend statten sie meinen Kollegen Thorsten Breitkopf und mich aus:

Karnevalssession 2024 – Diese Themen sind im Trend

  • Bunter Glitzer-Glitzer
  • Barbie und Ken
  • Die Goldenen Zwanziger
  • Royale Paare
  • Puschelkostüme
  • Schwarz-Weiß-Fantasie

Trend 1: Bunter Glitzer-Glitzer

„Hauptsache, es ist bunt und glitzert und glimmt, dann ist praktisch alles erlaubt“, sagt Anne Witton, die schon seit den 1990er Jahren in der Kostümkiste verkauft. Statt der goldenen Schlaghose, die ja „nichts für mich tut“, wird es ein goldener, ausgestellter Rock, das Oberteil ist ein Schlauch aus magentafarbenen Pailletten, darüber trage ich eine bunt-fransige Jacke, die macht, dass man sich immerzu schütteln und die Fransen fliegen lassen will, sähe das nicht etwas seltsam aus.

Alles zum Thema Karnevalskostüm


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Mein Kollege Thorsten Breitkopf, im normalen Leben als Wirtschaftsressortleiter eher im dunklen Anzug unterwegs, trägt, vermutlich das erste und letzte Mal in seinem Leben, eine Goldleggins; darüber einen Frack, der daherkommt wie ein Mix aus maximal fantasievoller Zirkusdirektor und Thomas Gottschalk zu seinen mode-wildesten Zeiten.

In Sachen Schuhe setzt Anne Witton für uns auf Partnerlook: rote Sneaker mit ordentlich Pailletten darauf. Für den Straßenkarneval müsste ich das Ganze noch mit Leggins und dicker Jacke pimpen, aber das Gute bei diesem Trend ist ja: Zu bunt gibts nicht.

Trend 2: Barbie und Ken

1,4 Milliarden Dollar hat der im Juli in Deutschland veröffentlichte Film „Barbie“ von Greta Gerwig weltweit eingespielt, die Liste der Nominierungen bzw. Auszeichnungen bei Filmpreisen wird lang und immer länger, und die Plastikfigur und ihr Beach-Boy haben es angelehnt an die Filmfiguren auch als Trend in den Karneval geschafft. Karnevals-Ken Thorsten trägt den Strand-Anzug, in dem Hauptdarsteller Ryan Gosling im Film steckte und „beacht“, weiße Socken und eine Perücke, die eine reizende Tolle hat und die man, sollte man das jemals in diesem Leben wollen, farblich leicht angepasst auch als Donald-Trump-Haarteil aufsetzen könnte.

Für mich gibt es, weil Barbie in dem Film auch als Cowgirl daherkommt, eine pinkfarbene Schlaghose und Weste, eine weiße Bluse und passende Puscheljacke, einen rosafarbenen Cowboyhut und eine rosa Herzchen-Sonnenbrille. Während Thorsten in seinem Strand-Outfit lediglich den Kneipenkarneval und keine Stunde auf der Straße überleben würde, taugt das Barbie-Outfit sehr wohl für potenziell fieses Februar-Wetter.

Trend 3: Die Goldenen Zwanziger

Schon im vergangenen Jahr hatten die Profis von der Kostümkiste und von Deiters die Zwanzigerjahre als Thema ausgemacht, und auch in diesem Jahr ist es noch absolut in, sich zu Karneval wie in „Babylon Berlin“ oder „The Great Gatsby“ zu kleiden.

Thorsten bekommt also einen Anzug samt Hosenträgern, Taschenuhr und Schiebermütze in die Umkleide gereicht. Für meine Begriffe könnte er das auch im Alltag tragen, er selbst sieht das anders. Ich trage ein locker fallendes Charleston-Kleid mit langen Handschuhen, eine Haube mit Brosche und Feder, eine sehr lange Perlenkette und eine dieser gefühlt drei Meter langen Zigarettenspitzen. Moka Efti, wir wären dann so weit.

Trend 4: Royale Paare

Seit September singen die Briten nicht mehr „God save the Queen“, sondern „God save the King“ – der Karneval aber schafft, was in der Realität nicht mehr möglich ist: Königin Elisabeth II. und König Charles III. gemeinsam auf ein aktuelles Bild zu bringen.

Die Lilibet, die gerade in der Kölner Kostümkiste liebevoll zusammengebaut wird, trägt ein blaues Kleid, ein kleines weißes Täschchen, ihre Haare sind grau und kurz, und ihre Schärpe ist rot. Sie, genauer er, sitzt überaus royal aufrecht auf einem Ohrensessel. Ich als König Charles III. trage die Krone etwas windschief auf dem Kopf („Frauen setzen Kopfbedeckungen immer etwas schräg auf, das ist kecker“, wurde mir vorher gesagt), eine weiße Rüschenbluse und einen purpurroten Umhang, der verdächtig an Jürgen Drews, den König von Mallorca erinnert. Aber was solls: König ist König. Und einen so schönen Riesenring mit rotem Stein trägt Drews auf Malle ganz sicher nicht.

Trend 5: Plüsch-Natur

Klug sind, der Profi weiß das, ja Kostüme, die man mit wenigen Handgriffen von einem Draußen- zu einem Drinnen-Kostüm umbasteln kann – mit der Erdbeere und Biene, die man uns gerade in die Kabinen bringt, ist das problemlos möglich. Thermo-Leggins und Pullover darunter und dicke Jacke darüber, easy. So oder so, für drinnen oder draußen gestylt, sind beide Plüsch-Kostüm-Kleider mit passenden Kopfbedeckungen wirklich niedlich und einfach umzusetzen bzw. anzupassen. 

Trend 6: Schwarz-Weiß-Fantasie

Der letzte Kostüm-Trend für diesen Tag erinnert ein wenig an „Rondo Veneziano“ (die Älteren erinnern sich), allerdings ohne die venezianischen Masken. Thorsten und ich tragen schwarz-weiße, Löwendompteur-mäßige Jacken mit schwarzer bzw. silberglänzender Leggins (mal wieder), Zylinder und Pailletten-Hut. Anna sagt, sie habe nun schon häufig gehört, dass Menschen an „Der Nussknacker“ dächten, wenn sie Kostüme dieser Machart sähen. Großer Vorteil: Das Ganze ist bequem, und über anstrengende Fragen wie  „Sitzt alles, wie und wo es sitzen soll“, muss man sich mit diesen teuer aussehenden Jacken keine Gedanken machen. Ein echter Vorteil.

Militärisch anmutende Kostüme in Köln bislang kaum gefragt

Übrigens: Bislang ist die Nachfrage nach militärisch anmutenden Kostümen und Accessoires in der Kölner Kostümkiste sehr, sehr übersichtlich. Kaum Camouflage-Kleidung, kaum SWAT-Verkleidungen, wenig, das martialisch daherkommt. „Ich finde das super“, sagt Anne Witton. Sie hofft, dass das so bleibt.


Kölner Kostümläden: Eine Auswahl

  • Kölner Kostümkiste Wormser Str. 55a, 50677 Köln 0221/669 40 285 www.koelner-kostuemkiste.de
  • Jot Jelunge Lindenstraße 53, 50674 Köln 0221/249891 www.jotjelunge.de
  • Deiters Hohenstaufenring 34-40, 50674 Köln; Gürzenichstraße 25, 50667 Köln; Otto-Hahn-Straße 1-3, 50997 Köln; Doktor-Gottfried-Cremer-Allee 5, 50226 Frechen 0800/664 68 64 www.deiters.de
  • Kappes Longericher Str. 239a, 50739 Köln 0221/599 49 26 www.kappeskoeln.de
  • Party Discount & Karneval Discount Köln Hohenstaufenring 66-70, 50674 Köln 0221/12 07 270 www.party-discount.de
  • Der Karnevalswierts Gürzenichstraße 22, 50667 Köln 0221/98 658 050 www.karnevalswierts.com
  • Deko Festartikel Schmitt Johannisstraße 67, 50668 Köln 0221/12 36 87 Ferdinand-Porsche-Straße 5, 51149 Köln 02203/ 33 000 www.festartikel-schmitt.de
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