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Rauchende KöpfeEpische Spiele mit Kniff

3 min

Kennen Sie dieses Spiel-Gefühl? Sie wollen sich in schönen, überschaubaren Schritten, Baustein für Baustein, ihre kleine Welt aufbauen bei, sagen wir mal, den „Siedlern von Catan“. Aber schon nach zwei Zügen fährt Ihnen – zack – der erste Konkurrent in die Parade. Und kurz darauf – rums – der zweite. Nun gibt es Spieler, die sagen, das gehöre zur Natur der Sache. Zufälle, Unwägbarkeiten – eben nichts, auf das man bauen könne. Ich mag andere Konzepte. Komplexere. Solche, bei denen man schon am Anfang das Ende im Blick haben sollte – auch wenn das erst in drei Stunden in Sicht kommt.

Spielen mit intellektuellem Anspruch

Ich räume ein: Das muss man wollen. Das ist kein „Ach, lass uns mal was spielen“, kein „Zeitvertreib“. Eher ein Fall von „rauchenden Köpfen“ – aber ich liebe diese Art von intellektuellem Wettstreit. Das hat auch nichts mit Schach zu tun. Das ist viel strenger. Und zu schwarz-weiß (außerdem kann man es nur zu zweit spielen).

Im Grunde fängt die Reise in die unendlichen Weiten der Brettspiele – denn um solche handelt es sich in der Regel – schon bei der Spielanleitung an. Wahrscheinlich muss man einen leichten Hau haben, um erst mal ein bis zwei Stunden eine Anleitung zu lesen, um dann drei Stunden mit dem Booklet in der Hand vertrackte Winkelzüge und Sonderregeln zu studieren. Mein Liebling ist „Mage Knight“. Da steht triumphierend auf Seite 13 des Din-A4-großen Heftes mit sehr kleiner Schrift: „Und jetzt geht’s los!“ Für die vertiefenden Regeln kommen dann übrigens noch mal 19 engstens bedruckte Seiten …

„Agricola“

Den Kniff, wie diese anscheinend unspielbaren Spiele funktionieren, erläutert Uwe Rosenberg: „Die Spannungskurve muss stimmen.“ Es reiche nicht, endlos immer wieder dasselbe Aktionsschema aneinanderzureihen. Der Spieleautor aus Aurich ist einer der profiliertesten in Deutschland im Hinblick auf die „epischen Spiele“, wie er sie nennt; mit „Agricola“ heimste er 2008 den Deutschen Spielepreis ein.

Das liebevolle Werkeln auf dem Bauernhof ist indes ein wenig untypisch für diese Zeitfresser. Thematisch drehen sie sich eher um große Szenarien wie das Entwickeln einer Zivilisation. Muss aber nicht sein, wie Rosenberg mir auf der Spielemesse in Essen klarmachte: Wichtig für eine epische Erzählung sei ein thematischer Rahmen, der ausgedehnte strategische Überlegungen in die passende Atmosphäre taucht.

Eigene Zivilisation errichten

Die meisten Longplayer sind Aufbauspiele. Schritt für Schritt errichtet der Spieler seine Zivilisation, bastelt an einem großen Handelsimperium oder erobert Territorien. Dabei gilt es, die Ressourcen optimal einsetzen und manchmal weit im Voraus zu kalkulieren. Klingt komplex? Soll es. Klingt abschreckend? Soll es nicht. Falls Sie nun nach einem Tipp fragen, mit welchem Spiel Sie vielleicht schmerzlos einsteigen könnten: Schauen Sie sich mal „Agricola“ oder „Le Havre“ an.Und noch ein Tipp: Sorgen Sie für einen großen Tisch. Epische Spiele fressen nicht nur Zeit, sie ergreifen auch vom Raum Besitz.