Zu seinem lobenden Fazit kommt unser Autor nicht nur aufgrund der Speisen – die sind solide. Das Restaurant im Rathenauviertel hat andere Vorzüge
Henns GeschmacksacheDas Tanica – eines der ungewöhnlichsten Restaurants Kölns

Das Tanica ist für seine Außenplätze in ruhiger Umgebung in der Engelbertstraße bekannt.
Copyright: Martina Goyert
So viel vorweg: Das Tanica ist eines der ungewöhnlichsten Restaurants Kölns. Und wenn im Sommer über Restaurants mit Außenplätzen gesprochen wird, sollte man es auf keinen Fall vergessen. Bei gutem Wetter werden gleich sämtliche Stühle ins Freie gebracht. Und da die Straßen, an denen das Eckrestaurant liegt, sehr ruhig sind, wird es abends lauschig.
Immer wieder sind Bekannte überrascht, wenn ich erzähle, wie viele Gaststätten mittlerweile zum Massimo-Universum gehören. Neben der Rosticceria sind es: Il Bagutta, Barile, Da’s Lupo, Viaa, das Ruver meets Zanchetti, und schließlich das Tanica. 2019 startete man hier mit einer Art Casual-Fine-Dining-Tapas-Konzept, natürlich italienischer Natur. Davon hat man sich längst verabschiedet, zugunsten eines kleinen Menüs, das sehr dem des Barile ähnelt und Speisen bietet, die so in fast jedem Restaurant der Gruppe angeboten werden.
Sechs Vorspeisen, fünf Pastagänge, vier Hauptgänge, zwei Desserts. Alles einzeln bestellbar, oder zu einem Drei-Gang-Menü kombinierbar. Dabei gilt: Vertrauen Sie lieber nicht der Speisekarte online, die ist nicht immer aktuell.

Wolfsbarsch mit Graupenrisotto, Erbsengemüse, Kapernbuttersauce
Copyright: Carsten Henn
Das Menü beginnt unspektakulär mit einem Kohlrabi-Salat. Große Würfel des Gemüses befinden sich auf Spaghetti von Karotte und Kürbis, dazu ein wenig Brunnenkresse und ein Sour-Creme-Dressing. Sehr zurückhaltend gewürzt und – ein roter Faden des Abends – in der Säure viel zu zurückhaltend, um im Sommer so richtig Spaß zu machen. Vor Jahren wäre man mit solch einem vegetarischen Gang noch durchgekommen, heutzutage ist die Gästeschar da schon deutlich Spannenderes gewohnt.

Einige Gäste kommen nicht für das Essen ins Tanica – sondern um einen guten Wein samt kundigem Service zu genießen.
Copyright: Martina Goyert
Viel besser das Tuna Tataki, der Fisch außen kurz angebraten und innen roh, ebenfalls die Gemüse-Spaghetti darunter, wie auch ein paar Shiitakepilze, die erdige Würze addieren. Die auf der Speisekarte erwähnte Chili stellt sich leider als lediglich zwei dünne Scheibchen heraus, dabei passen sie doch so prima.
Die Pasta ist eine Bank
Pasta ist bei allen Massimo-Läden eine Bank. Selbstverständlich wird auch die Version mit weißer Kalbsbolognese angeboten. Das Signature-Dish der Restaurant-Gruppe hat mich bislang jedes Mal überzeugt. Diesmal aber Tortellacci mit Tomate, Mandelpesto und obenauf einem leicht anschmelzenden Büffelmozzarella. Die große Tortellini-Variante – drei sind es auf dem Teller – ist prima al dente gegart, mit viel Füllung, und das Ganze ein schlotziges, leicht pikantes Vergnügen. Auch bei der Trüffel-Pasta geraten die Nudeln vorbildlich al dente, aber die Sauce hätte mehr Cremigkeit gebraucht, und die großzügig gehobelten Trüffel werden gepimpt durch Trüffelbutter oder -öl, was stets die Feinheit killt.

Pasta mit schwarzem Trüffel
Copyright: Carsten Henn
Fisch des Tages ist Wolfsbarsch, schön auf der Haut angebraten, dazu ein Graupenrisotto mit Erbsen und Möhren, gekonnt gegart, und einer gut abgeschmeckten Kapernbuttersauce.
Beim Dessert fällt die Mascarpone-Crème mit Beerenkompott etwas zu süß aus, und hier ist die zu zahme Säure ein besonderes Problem für Balance und Frische. Wunderbar das perfekt komponierte Himbeer-Vanille-Mandel-Praliné (eigentlich ein quadratisches Küchlein) der fabelhaften Kölner Patisserie Lumière. Leider mangelt es auch der dazu gereichten Nocke Joghurteis an Säure-Kick.
Power-Duo mit sensationeller Weinkarte
Jetzt denken Sie vielleicht: Das ist ja alles gut und schön. Ein bisschen Licht, ein bisschen Schatten, was ist daran bitte so ungewöhnlich? Kommt sofort! Zum einen das durchweg nette Service-Team, das mit Falk Schlüter, ehemals ITO, nicht nur einen der kompetentesten Sommeliers Kölns aufweist, sondern seit Kurzem mit Stefan Helfrich, einst La Société, einen der besten Maître, die Köln je gesehen hat. Ein Power-Duo mit dem selbst einige Sternerestaurants der Stadt nicht mithalten können.

Himbeer-Vanille-Mandel-Praliné der Patisserie Lumière mit Joghurteis
Copyright: Carsten Henn
Und dann: die sensationelle Weinkarte – also die große, um die man ausdrücklich bitten muss. Auch hier gilt: Nahezu kein Kölner Spitzenrestaurant hat so etwas. Sie bietet nicht nur extrem Rares und Hochpreisiges (zum Beispiel Coche-Dury oder Leroy) sondern auch im Einstiegsbereich richtig gute Tropfen für einen fairen Kurs. Deshalb kommen einige Gäste nicht, um zu essen, und dazu einen schönen Wein zu trinken. Sondern um einen großartigen Wein zu trinken und dazu etwas Ordentliches zu essen. Und zwar Speisen, die oftmals so zurückhaltend abgeschmeckt sind, dass sie den vinophilen Genuss nicht stören.
Fazit: Solides italienisches Essen, dazu eine mega Weinkarte und ein hervorragend besetztes Service-Team.
Note: 4 von 6
Tanica: Engelbertstraße 31a, 50674 Köln, Tel. 0221 240 5271, Mo-Fr: 12-15 und 18-24 Uhr, Sa: 17.30-24 Uhr, So 17-24 Uhr (Küche jeweils bis 22 Uhr), www.rosticceria-massimo.de/tanica
Henns Auswahl
- Kohlrabi Salat 16,50 Euro
- Tuna Tataki 19,50 Euro
- Tortellacci / Büffelmozzarella 22,50 Euro
- Pasta Trüffel 24,50 Euro
- Wolfsbarsch 34,50 Euro
- Mascarpone-Crème mit Beerenkompott 9,50 Euro
- Praline mit Joghurteis 9,50 Euro
- 3-Gang-Menü mit Pasta im Hauptgang 44 Euro
- 3-Gang-Menü mit Fisch oder Fleisch im Hauptgang 56 €

