Mit der Nachfolge der Ouzeria am Brüsseler Platz tritt der junge Koch Jakob Erdsiek in große Fußstapfen – und kann sie füllen, ohne viel Chichi.
Henns GeschmacksacheKleine Karte, viel Aroma – Warum die neue „Bar Brio“ in Köln überzeugt

Jakob Erdsiek hat mit seiner „Bar Brio“ die Nachfolge der „Ouzeria“ am Brüsseler Platz angetreten.
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Als die „Ouzeria“ nach 22 Jahren schloss, war ich mit Sicherheit nicht der Einzige, der dies sehr bedauerte. Die bange Frage war zudem, wer in den Räumlichkeiten am Brüsseler Platz die Nachfolge antreten würde. Gemunkelt wurde über einen jungen, engagierten Koch, der sein eigenes Restaurant starten wollte. Es handelte sich um Jakob Erdsiek, der das Catering „Dinner & Disco“ betreibt und Ende 2025 ein dreimonatiges Pop-up mit frischer Pasta in der „Bredouille“ an der Venloer Straße durchgeführt hatte.

Die Farben Braun und Orange sowie helle Holztische prägen das Restaurant.
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Und nun ist sie da, seine „Bar Brio“. Die Farben Braun und Orange prägen sie, dazu helle Holztische, jazzige Musik. Plätze gibt es draußen und – klimatisiert! – im Inneren. Die Speisekarte ist überschaubar: zwei Snacks, Brot, Austern, drei kalte Speisen, vier warme, ein Dessert, ein Käsegang, alles in Tapas-Größe, mehrere vegetarische Optionen. Mittags ist die Karte noch kleiner, dann gibt es allerdings auch zwei Pastagerichte. Konzentration auf das Wesentliche?
Das Brot ist stets der erste Hinweis, ob man es mit Qualität ernst meint. Es besitzt eine dicke Kruste, stammt aus der Nähe Hannovers und schon Erdsieks Mutter kaufte es. Dazu wird aufgeschlagene Salzbutter gereicht. Beides überzeugend.
Die Kartoffel-Kräuterkrokette (eigentlich sind es fünf Bällchen) fällt unter „Snacks“. Heiß, knusprig, mit dicker Panade, dazu kommt eine Zitronen-Aioli mit animierender, zitrischer Frische. Ein wenig mehr Salz hätte der Füllung gutgetan, dafür ist die Kräuternote präsent.

Gelbschwanzgarnele als grob geschnittenes Tartar mit Kohlrabiwürfeln. Der Kick: ein fruchtiger Erdbeersud.
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Salz ist bei den dunkel gerösteten Sauerteig-Crostini kein Problem, dank des darauf drapierten Schinkens, und des generös darüber geraspelten Pecorinos. Auch Pfeffer findet sich reichlich, sodass hier viel geschmacklicher Druck entsteht. Die Eatability ist bei Crostinis ja oftmals ein wenig herausfordernd, aber ohne Crunch wäre es schließlich nur die halbe Freude.
Gelbschwanzmakrele – zur Verwirrung auch als Hamachi, Yellowtail oder Kingfish bekannt – ist aktuell ein echter Star in der Kulinarik. Serviert wird sie meist roh, so auch hier, als grob geschnittenes Tatar, das Erdsiek mit knackigen Kohlrabiwürfeln kombiniert. Darunter findet sich eine cremige Estragon-Mayonnaise, aber der wahre Kick dieses Gerichts ist der super fruchtige Erdbeersud mit herrlicher Säure. Es sind nur wenige Elemente, wie bei allen Gerichten hier, aber sie sind mit viel Verstand ausgewählt. Das ist im besten Sinne rustikale Landküche, bei der auch mit Butter und Öl nicht gespart wird.
Bewusst kein Fine Dining
Dies gilt auch für den Fisch des Tages, einen schön glasig gegarten Kabeljau, zu dem es Bohnen, Salicorn (auch als Meeresspargel bekannt), Dill und Frühlingslauch gibt, sowie eine handwerklich gut gearbeitete, aufgeschäumte Holunder Beurre Blanc. Das ist nahezu lupenreine Klassik. Erdsiek sucht nicht krampfhaft den kreativen Dreh, sondern Kombinationen, die sich über Jahrzehnte bewährt haben.

Der Fisch des Tages: ein glasig gegarter Kabeljau mit Bohnen, Salicorn, Dill und Frühlingslauch
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Sein saftiges Barbecue Chicken gerät ihm durch ungleichmäßig on top verteiltes Harissa punktuell zwar mächtig scharf, aber das Püree von weißen Bohnen bietet angenehme Cremigkeit, der Brokkoli Biss, und Sumach addiert Frische. Einzig der auf der Speisekarte genannte Sherry hält sich allzu dezent zurück – was allerdings nicht weiter stört. All diese Gerichte sind schmucklos angerichtet, auf zumeist einfachem, weißem Geschirr, den Eindruck von Fine Dining vermeidet man hier konsequent.
Beim Käsegang dann wieder eine dieser Gewinner-Kombinationen: Comté gehobelt und als Creme, auf saftiger Brioche, dazu in Riesling und Apfelsaft eingelegte Apfelwürfel. Frische, Würze, Schmelz, leichte Röstaromen: passt!

Das einzige Dessert auf der Karte kombiniert Fenchelsamen-Eis mit einem Sichuan-Pfeffer-Baiser, Erdbeeren und ein wenig Fenchel
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Das einzige Dessert kombiniert eine Nocke Fenchelsamen-Eis mit einem Sichuan-Pfeffer-Baiser, Erdbeeren und ein wenig Fenchel. Nicht zu süß, balanciert in Frucht und hauchzarter Schärfe.
Erfreulicherweise werden zu all dem auch ein paar schöne Weine angeboten, glasweise (0,1l) zwischen 5,50 bis 9,50 Euro, einzig der sehr gute Champagner schlägt mit 15 € zu Buche. Ob Fratelli Pontes Roero Arneis, Hubers Chardonnay oder Zillingers Grüner Veltliner: Hier findet sich auch für Weinfreaks etwas. Wer eher für Gerstensaft zu haben ist: Mühlen Kölsch gibt es vom Fass, unter anderem Rothaus Tannenzäpfle aus der Flasche. Ein paar Cocktails und hausgemachte Limonaden sind auch im Angebot. Also auch bei den Getränken: sehr durchdacht, diese erfreuliche Neueröffnung, bei der man Jakob Erdsieks Leidenschaft für sein Projekt deutlich spürt.
Fazit: Aromenstarke und schnörkellose Küche, schöne Location, netter Service, gute Weine.
Note: 5 von 6
Bar Brio, Brüsseler Str. 68, 50674 Köln, Mo-Do 12 – 0, Fr-Sa 12 – 1 UhrTel. 0221 – 986 25 25 4, www.barbrio.de
Henns Auswahl:
- Sauerteig-Crostini „Cacio e Pepe“ 8 Euro
- Kartoffel-Kräuterkrokette 7,50 Euro
- Gelbschwanzmakrele 13 Euro
- BBQ Chicken 16 Euro
- Fisch des Tages 16 Euro
- Erdbeere / Fenchel / Sichuan Pfeffer 7 Euro
- Brioche / Comté / Apfel 9 Euro

