Unser Restaurantkritiker Carsten Henn hätte sich bei der Sternevergabe des renommierten Guide Michelin für die Küchen im Rheinland auch mehr vorstellen können
Michelin-SterneAuszeichnung mit durchaus fadem Beigeschmack

Seit 2025 ist Dennis Kuckuck Küchenchef im Zwei-Sterne-Restaurant „Vendôme“ im Grandhotel Schloss Bensberg.
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Die wichtigste Nachricht für Nordrhein-Westfalen wurde bei der großen Guide-Michelin-Gala in Frankfurt nicht mit einer Auszeichnung auf der Bühne bedacht: Dennis Kuckuck hat es tatsächlich geschafft! Der Nachfolger des legendären Joachim Wissler bestätigt auf Anhieb die zwei Sterne des Restaurants „Vendôme“ am Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach. Offiziell gelten diese als verteidigte und nicht als neue Sterne, obwohl ein grundlegender Wechsel in der Küche stattgefunden hat. Was bedeutet: Das „Vendôme“ trug seit Joachim Wisslers Ausscheiden zwar zwei Sterne, ob diese gerechtfertigt waren, stand bisher aber … in den Sternen.
Dieser Erfolg ist eine bemerkenswerte Leistung und eine große Bestätigung für den jungen Koch, der nun offiziell einer der drei Besten seines Fachs in NRW ist. Neben ihm tragen nämlich nur Daniel Gottschlich vom Kölner „Ox & Klee“ und Frédéric Morel vom „Coeur DArtichaut“ in Münster die zwei Sterne – einen Drei-Sterner gibt es aktuell in unserem Bundesland nicht. Alles andere als zwei Sterne wäre für Dennis Kuckuck aber auch völlig unverständlich gewesen, denn er prägt schon seit Längerem die hochklassige Küche des „Vendôme“ mit und gilt als einer der begabtesten Köche Deutschlands.
Jubel in der Diepeschrather Mühle
Verständlicherweise postete er auf Instagram auch gleich ein Video, auf dem er den Champagner in hohem Bogen spritzen lässt. Köln und das Umland hatten weiteren Grund zum Jubel. Nachdem das „NeoBiota“ im letzten Jahr – vermutlich aufgrund des Umzugs – seinen Stern verlor, ist er nun wieder da. Mit Sonja Baumann hat Köln neben Julia Komp vom „Sahila“ nun auch wieder zwei Sterneköchinnen. Hochverdient für das stilistisch hochindividuelle Restaurant, das sehr arbeitsintensiv zu Werke geht, was die Zutaten und Kreationen seiner pflanzenbasierten Küche betrifft. Die beiden Chefs Sonja Baumann und Erik Scheffler wurden auch zu den ersten „Mindful Voices“ in Deutschland erklärt, die eine Art Ersatz des abgeschafften grünen Sterns für Nachhaltigkeit sein sollen. Das Konzept dahinter wirkt allerdings maximal beliebig, und es ist äußerst bedauerlich, dass man sich so mir nichts, dir nichts vom Thema Nachhaltigkeit verabschiedet hat. Das lässt den Michelin noch mehr wie einen Elfenbeinturm erscheinen.

TV-Koch Nelson Müller zog von Essen nach Bergisch Gladbach, und musste für die "Schote" ein Jahr lang auf den Stern verzichten. Den hat er nun aber wieder.
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Auch Nelson Müller, der viel Geld in die Diepeschrather Mühle investiert hat, dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein, dass nun wieder der Stern über seinem Spitzenrestaurant „Schote“ prangt. Das hat der Fernsehstar auch seinem kongenialen Küchenchef Erik Schmitz zu verdanken, der vorher unter anderem im „Ox & Klee“ und dem mittlerweile geschlossenen „Rays“ in Köln am Herd stand. Bei der Preisverleihung in Frankfurt erzählte Müller auf der Bühne, der Umbau des 3,5- Hektar-Resorts habe ihn „einige Kilo gekostet, die jetzt leider wieder drauf sind“. Auch gestand er einige schlaflose Nächte vor der Prämierung ein – kein Wunder, hat der Stern für sein Luxus-Hideaway doch große wirtschaftliche Bedeutung.
Einen Stern verloren hat in der Region einzig das „Brockel Schlimbach“ auf der Burg Nideggen. Neueröffnungen mit Ambitionen auf einen Stern hatte Köln in diesem Jahr nicht zu bieten, Bonn mit dem „Theodor’s“ dagegen schon. Erwartungsgemäß erhielt es einen – Koch Fritz Benson, Jahrgang 1996, war zuvor Sous-Chef beim Drei-Sterner „Schanz“ an der Mosel. Nur zwölf Restaurants halten aktuell diese Höchstauszeichnung in Deutschland. Weder das Kölner „La Société“ noch das Restaurant im Pulheimer „Gut Lärchenhof“ oder das „La Vie“ in Düsseldorf, die sich alle berechtigte Hoffnung auf zwei Sterne machen durften, erhielten diese. Für mich völlig unverständlich.
Starres Dreiklassensystem
Ohnehin gab es nur vier neue Zwei-Sterner und einen neuen Drei-Sterner – diesen übrigens völlig zu Recht. Sowohl das neueröffnete „LEU“ in Niederkassel wie „Schloss Loersfeld“ in Kerpen durften über einen Stern spekulieren, aber auch der kam leider nicht. Insgesamt war es diesmal ohnehin eine verhältnismäßig unspektakuläre Sternevergabe – und eine kurze. Im letzten Jahr gab es noch 47 neue Sterne, gegenüber 25 in diesem Jahr. Das kann man als Zeichen deuten, dass die Fine-Dining-Szene an Dynamik verliert, oder dass der Michelin die Latte jetzt höher hängt.
Ärgerlich ist weiterhin, dass das starre Dreiklassensystem vielen ambitionierten Restaurants keine Bühne bietet. Zwar gibt es auch noch die Kategorie „Vom Michelin ausgewählt“, die in der Wahrnehmung aber total unter dem Radar läuft. Beispiel Köln. Dort erfahren einige der beliebtesten und besten Fine-Dining- oder Casual-Fine-Dining-Adressen Kölns – „Alfredo“, „MaiBeck“, „Phaedra“, „Augustin“, „Caruso Pastabar“, „Pvls“, „ITO“, „Essers Gasthaus“ und das famose „Weinbistro L'Escalier“ – nicht die Aufmerksamkeit des Michelin, die sie fraglos verdient hätten.
Geradezu stiefmütterlich behandelt wird vom Michelin mittlerweile auch die Auszeichnung „BIB Gourmand“ für gute Restaurants mit fair kalkulierten Preisen. Gerade einmal zehn neue Auszeichnungen gab es dieses Jahr – keine einzige davon in NRW. In Köln sind damit weiterhin nur das „Capricorn [ i ] Aries“, das „Gasthaus Scherz“ und die „Henne.Weinbar“ ausgezeichnet. Alle zu Recht, aber mir fielen da schon noch ein paar mehr ein. Wer ein wenig Strecke auf sich nimmt, findet in Sprockhövel mit dem „Tante Anna“ nun einen neuen Stern, und in Aachen-Kornelimünster erhielt die ungemein herzliche Gastgeberin Karin Weißer aus dem Stern-Restaurant „Sankt Benedikt“ den diesjährigen Service Award.
Und was sagt der Blick in die Kristallkugel? Dennis Kuckuck ist hungrig auf den dritten Stern, genau wie Daniel Gottschlich. Auch Nelson Müller strebt stark nach höheren Weihen. Die Althoff-Hotelgruppe hat eine große Expertise im Bereich Spitzenküche, die Hoffnung ist, dass diese bei der Neueröffnung des Dom-Hotels – wann immer diese stattfinden wird – zum Tragen kommt. Köln jedenfalls ist kulinarisch mit elf Sternen gegenüber neun in Düsseldorf weiterhin die Nummer eins im Land.
Aber es bleibt der fade Beigeschmack, dass der Michelin die Stärke der heimischen Kulinarik nicht in seiner Gänze erkannt ha