Große Geschichte und ambitionierte Küche: Das Bill’s Restaurant überzeugt größtenteils geschmacklich – wenn auch mit stolzen Preisen
Henns GeschmacksacheDer Bonner Petersberg – wo Burrata auf Historie trifft

Kulinarisches Ausflugsziel auf dem Petersberg: das Bill’s Restaurant
Copyright: Carsten Henn
Laufkundschaft verirrt sich ganz bestimmt nicht zufällig hierher. Wer die Serpentinen zum über 300 Meter hohen Petersberg nimmt, muss das wirklich wollen – so wie die Fahrrad-Truppe vor mir. Das heute von der Steigenberger-Gruppe geleitete Grand Hotel atmet viel Geschichte. 1892 eröffnet, zwischen 1949 und 1952 Sitz der Alliierten Hohen Kommission, später dann Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Bei „Bill‘s Restaurant & Grill“ denken heutzutage vermutlich viele an den Sänger der Band Tokio Hotel. Benannt ist das kulinarische Aushängeschild des Hauses allerdings nach US-Präsident Bill Clinton, der sich hier 1994 mit Helmut Kohl traf. Aber eine ruhmvolle Historie bedeutet natürlich nicht automatisch, dass man hier heute auch gut essen kann.
Die Atmosphäre ist gediegen. Aufgrund dunkler Holztische mit Platzsets statt gestärkten Decken allerdings nicht à la edles Grand Hotel. Das wäre für ein Restaurant, das auch Grill ist, allerdings auch zu viel des Guten. Der Ausblick über das Rheintal ist erstklassig – das gilt leider auch für die hohen Preise.
Die Speisekarte des sieben Tage die Woche am Abend geöffneten Restaurants versucht, für jeden etwas zu bieten, und listet aktuelle Hits des ambitionierten Mainstreams auf. Unter anderem Rindertatar, Thunfisch Tataki, Black Tiger Garnelen in Knoblauchbutter, sowie sechs Cuts vom Grill, darunter US Bison Hüfte (54 Euro für 300 Gramm), australisches Wagyu (92 Euro 300 Gramm) und Chateaubriand vom Limousin Rind für zwei Personen (120 Euro für 600 Gramm).
Hits des ambitionierten Mainstreams
Los geht es mit lauwarmem Sauerteigbrot samt vier Dips, allesamt von ordentlicher Qualität. Die Kräuterschaumsuppe fällt dann sehr cremig aus und was die Kräuter betrifft eher eindimensional statt komplex. Die Jakobsmuschel als Einlage ist zu klein, zu weich und im Geschmack ein wenig zu fischig.
Die kühle Burrata wird auf bunten Inka Tomaten serviert, dazu gibt es einige dünne Stücke gegrillten Pfirsich. Bei einem Gericht mit wenig Elementen müssen alle stimmen, damit es überzeugt. Der Pfirsich könnte reifer und dadurch weicher sein, und die Balsamico-Perlen mögen als modischer Gag funktionieren, allerdings wird die Säure des Essigs dadurch nicht gleichmäßig auf dem Teller verteilt.

Burrata mit bunten Inka Tomaten, gegrilltem Pfirsich und altem Balsamico
Copyright: Carsten Henn
Auch bei den nächsten Gerichten spielt das Küchenteam mit Fruchtnoten, was selbst kräftigen, schweren Gerichten einen Dreh ins Leichte, Frische verleiht. Am wenigsten fällt dies bei der Jus zum Bäckchen vom galizischen Jungrind auf, die Zitrone enthalten soll, was nicht schmeckbar ist. Das macht aber nichts, denn sie ist überzeugend röstig und das Fleisch ebenso butterweich wie saftig. Zur Deko gibt es ein wenig wilden Brokkoli und als Beilage regulär Buttermilch-Kartoffelpüree, in diesem Fall Süßkartoffel-Pommes von beeindruckender Knusprigkeit.
Der Rehrücken ist geschmacklich etwas auf der Leber-Seite, aber wie bestellt medium gegart. Die Jus ist diesmal mit Sauerkirsch gepimpt, was ihr ein vitales Säurespiel verleiht. Selleriepüree und Pfifferlinge passen wunderbar dazu, einzig die à part servierten Perlgraupen schmecken deutlich zu erdig, um sich harmonisch einzufügen.

Rehrücken mit Sauerkirsch-Jus, Selleriepüree, Pfifferlingen und Perlgraupen
Copyright: Carsten Henn
Bei den Gnocchetti (keine kleinen Gnocchi, sondern eine Pasta, die wie kleine Gnocchi aussieht) gibt es ein paar Stücke Erdbeeren, die erstaunlich gut harmonieren, obwohl auch Spitzkohl mit prägnanter Säure, Kerbel, sowie kräftiger Tête de Moines (ein Schweizer Käse) mit im Spiel sind. Einige Pinienkerne sorgen für leichten Crunch. Eine kluge, herzhaft-rustikale Kombi.
Vielerorts ist das Dessert die Achillesferse eines Menüs, hier ist sie eine positive Überraschung. Das Duo von der Zitrone stellt sich als ein wunderbar zitrisches Sorbet heraus, sowie als ein Mousse in einer weißen Schokoladenhülle, die in Form und Farbgebung einer Zitrone ähnelt, und einen rassig sauren Kern aufweist. Dazu ein wenig Kürbiscrumble mit schönem Crunch, fertig ist ein optisch wie geschmacklich überzeugendes Sommer-Dessert.

Duo von der Zitrone: Mousse und Sorbet, Kürbiscrumble und weiße Schokolade
Copyright: Carsten Henn
Nicht so gut funktioniert das Tonkabohnen-Mascarponemousse, da die südamerikanische Spezialität alles dominiert und sparsamer hätte eingesetzt werden müssen. Die Kombination mit Nougat Parfait und ein wenig Aprikose ist aber durchaus schlüssig.
Der Service ist freundlich und aufmerksam, das Essen kommt schnell, die Temperaturen stimmen. Die Weinkarte (wie die Speisekarte mit einigen Flüchtigkeitsfehlern) ist überraschend groß, bietet aber von den beiden Gebieten, an denen Bonn liegt – Ahr und Mittelrhein – zu wenig.

Das Bill’s wirkt nicht wie ein Restaurant eines edlen Grand Hotels – das ist auch richtig so, findet unser Autor. Es würde sonst nicht zum Grill-Konzept passen. Der Ausblick über das Rheintal ist dafür erstklassig.
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Fazit: Für eine täglich geöffnete Hotelküche überzeugend, allerdings hochpreisig. Der Ausblick ist grandios – den hat man im Sommer allerdings auch vom Biergarten unter Bäumen.
Note: 3 von 6
Petersberg, 53639 Königswinter/Bonn, täglich 18 – 22 Uhr, Tel.: 02223-74-780, hrewards.com/de/steigenberger-icon-grandhotel-petersberg-koenigswinter
Henns Auswahl
- 3-Gänge-Menü 79 Euro (mit Weinbegleitung 104 Euro)
- Burrata / Tomate / Pfirsich 22 Euro
- Kräuterschaumsuppe / Jakobsmuschel 20 Euro
- Gnocchetti / Erdbeere / Spitzkohl 26 Euro
- Jungrindbäckchen / Buttermilch-Kartoffelpüree 36 Euro
- Rehrücken / Perlgraupen 48 Euro
- Tonkabohnen-Mascarponemousse 19 Euro
- Duo von der Zitrone 18 Euro

