2025 hat ein neues Team das Restaurant am Rathenauplatz übernommen – und sorgt für einen „erfreulichen“ Besuch, findet unser Gastro-Kritiker.
Henns GeschmacksacheWeinstube Bacchus in Köln: Tropfkerzen, gute Weine und pfiffige Speisen

Die Weinstube Bacchus am Rathenauplatz
Copyright: Laura Clemens
So viel vorweg: Die Weinkarte wird gerade neu geschrieben. Auf der aktuell ausgeteilten gibt es zwar schon ein paar schöne Positionen, aber etliches ist auch durchgestrichen. Der Sommelier erzählt mir, es würden Weine aus Deutschland, Italien und Frankreich dazukommen. Als ich ihn nach einem deutschen Chardonnay frage, empfiehlt er einen „Kalk & Stein“ von Rings aus der Pfalz – ein beeindruckend rassig-würziger Tropfen. Für ein paar Euro weniger gibt es den süffigen Chardonnay von Dreissigacker aus Rheinhessen. Vinologische Kompetenz ist also vorhanden, den Namen „Weinstube“ trägt das Bacchus also zu Recht. Cocktails und Bier vom Fass gibt es aber auch.
2024 habe ich das Restaurant schon einmal getestet – und einige Zeit danach erfahren, dass ein neuer Pächter gesucht wird. Ende 2025 übernahm dann ein komplett neues Team. Die rustikale Inneneinrichtung samt Tropfkerzen in leeren Weinflaschen ist geblieben. Sie entwickelt im Kontrast zu den teils kosmopolitischen Speisen einen besonderen Reiz. Und wer auch in der kalten Jahreszeit ein wenig Frischluft-Feeling sucht: Der Wintergarten ist weiterhin vorhanden.

Max Maubach und Lotta Kimmig von der Weinstube Bacchus
Copyright: Arton Krasniqi
Die Speisekarte versucht mit Überschriften wie „Jet für Zweschedurch“, „Jet Richtiges“ und „Sößes für Hingerher“ eine kölsche Verbundenheit zu suggerieren, die kulinarisch allerdings nicht zu erkennen ist. Es gibt sechs Kleinigkeiten zum Wein, vier kleine Speisen, vier Hauptspeisen, vier Beilagen, zwei Desserts und einen Käseteller. Auch für Vegetarier und Veganer findet sich darunter eine Auswahl.
Traditionelles Ambiente und internationale Gerichte
Als Gruß aus der Küche gibt es eine Gurken Gazpacho im Shot-Glas, sehr frisch, grün und klar in der Aromatik. Die kleine Brotauswahl von Merlet mit Salzbutter und Olivenöl (5,50 Euro) überzeugt. Zu den kleinen Snacks zählt auch eine Aioli, bei der man mit einer kleinen, kreativen Zugabe arbeitet, welche der oftmals schweren Knoblauch-Olivenölcreme mehr Leichtigkeit und Frische verleiht: Meerrettich. Und für die Würze gibt es zusätzlich noch etwas Miso. Beides so subtil, dass die Aioli trotzdem noch Aioli bleibt. Auch bei dem roten Tapas-Schälchen mit weißer Bohnencreme (beide 4,50 Euro) hat man mit Zitrone und Sumach für ein komplexeres Aromenspiel gesorgt. Früher kam all so etwas kostenlos auf den Tisch, aber diese Zeiten scheinen überall vorbei zu sein.

Pan con Tomato mit Anchovis
Copyright: Carsten Henn
Das Pan con Tomato geht dagegen schon als regulärer, kleiner Snack durch. Die Brotscheibe ist warm und außen schön knusprig, aber eben nicht knochentrocken und verbrannt, darauf etwas geriebene, angenehm fruchtig schmeckende Tomaten, sowie ein paar Anchovis und Fenchelsaat, die mit ihrer Anis-Note süßlich-würzige Akzente setzt. Einfache Küche, die überzeugt. Modern dagegen die Tatar-Happen, hinter denen sich hauchdünn, knusprig frittierte Kugeln mit kühlem Tatar von geräucherter Karotte, pikant abgeschmeckt, verbergen. Darauf jeweils ein Klecks Basilikum-Creme und etwas eingelegte Zwiebel.

Lachsfilet mit viel Forellenkaviar
Copyright: Carsten Henn
Es dauert trotz nicht vollen Hauses zu lange, bis der lockere, nette und hippe Service (ist wahrscheinlich total unhip „hip“ zu schreiben) mit dem Hauptgang an den Tisch kommt. Das gezupfte BBQ‑Hähnchen bietet erfreulicherweise nicht die so oft anzutreffende, aufdringliche BBQ-Rauchnote. Eigentlich bietet es gar keine BBQ-Note, sondern wirkt aufgrund Minz-Joghurt und Limette wie ein Gericht aus der levantinischen Küche (auch das Stück dünnes, weiches Fladenbrot weist hierhin).
Leicht geflämmtes Lachsfilet mit viel Forellenkaviar klingt überraschend nach Fine Dining. Der Garpunkt wird perfekt getroffen, aber der Fisch findet sich in einer Kohlrabicreme mit Dill, die eher einer Suppe ähnelt, und die aromatisch nicht richtig Schwung aufnimmt.

Zitronen-Tartelett
Copyright: Carsten Henn
Als Beilagen gibt es einen schlichten Salat, der eigentlich nur aus Lollo Rosso und Gurken besteht, mit einem sehr geradlinigen, essigbetonten Dressing. Die Pommes sind knusprig, dazu werden Malz-Mayo und Gewürz-Ketchup gereicht. Ungewöhnlicher sind die frittierten, ganz leicht süßlichen Maisbällchen, die auch als Snack durchgegangen wären, mit einem Dip vom alten Gouda, ein wenig Chili und kleinen Gurken.
Bei Desserts bin ich ja immer auf das Schlimmste vorbereitet, weil diese von vielen Restaurants nachlässig behandelt werden – im Bacchus ist diese Sorge aber unnötig. Das Tartelett bietet dünnen, nur leicht gebackenen Teig mit vorbildlicher Textur, die Zitronencreme weist eine erfrischende Agrumen-Note auf, und on top gibt es dünn geschnittene Erdbeerscheiben. Ein schöner Abschluss!
Fazit: Traditionelles Ambiente, schöne Weine, pfiffige Speisen mit guten Zutaten.
Bewertung: 5 von 6
Weinstube Bacchus, Rathenauplatz 17, 50674 Köln, Tel.: 0179 - 11 55 410, Di-Sa 16-24 Uhr, So 16-23 Uhr (Küche ab 18 Uhr), www.weinstube-bacchus.de
Henns Auswahl
- Pan con Tomate 8,50 Euro
- Karotten-Tatar-Happen 7,50 Euro
- Geflämmtes Lachsfilet 25 Euro
- Gezupftes BBQ Hähnchen 21 Euro
- Beilagensalat 6,50 Euro
- Pommes 6,50 Euro
- Maisbällchen 6,50 Euro
- Zitronen-Tartelett 6,50 Euro

