Schmeckt’s, Frau Floß? FranzösischeKlassiker mit rheinischem Charme am Rathenauplatz

Ihm gehört die Brasserie Santé und dann kocht er auch noch selbst: Chefkoch Alexander Jansen.
Copyright: Arton Krasniqi
Im Santé am Rathenauplatz gibt es französische Brasserieklassiker und eine der schönsten Terrassen im Veedel.
Wie lautet die alte Makler-Weisheit? Lage, Lage, Lage! Wenn man ein Ladenlokal am Rathenauplatz ergattert, ist das quasi schon die halbe Miete. Der Platz gehört zu den schönsten der Stadt. Zwischen Altbauten, riesigen Bäumen und jeder Menge Grün sitzt man hier mitten in der Stadt und fühlt sich trotzdem ein wenig so, als wäre man im Urlaub. Ende Juni eröffnete die Brasserie Santé und der Andrang war riesig. Die Betreiber nennen ihr Konzept „moderne rheinische Brasserie“ und wollten vor allem einen Ort schaffen, an dem man unkompliziert gut essen und einen schönen Abend verbringen kann.
Die Karte liest sich zunächst allerdings, als müsse man für den Abend vorsorglich das Sparschwein schlachten: Hummer, Austern, Kaviar mit Chips, Entenleberpastete. Wer da an Fine Dining und eine dreistellige Rechnung für zwei Personen denkt, kann das Porzellanschweinchen aber wieder beruhigt zurück ins Regal stellen. Eine Brasserie ist im Kern ein bürgerliches französisches Restaurant – und genau das ist das Santé. Steak frites, Boeuf Bourguignon, Rindertatar und andere Brasserieklassiker stehen zu durchaus moderaten Preisen auf der Karte. Dazu Wein, eine Käseplatte, eine Tarte Tatin und fertig ist der frankophile Abend.
Das Steak Frites macht dabei ziemlich genau das, was es soll. Das Fleisch ist saftig und gut gebraten, die Pommes knusprig, dazu ein Töpfchen Sauce béarnaise und gemischter Salat. Auch die Trüffelpommes gefallen ausgesprochen gut: goldbraun, kross und mutig gesalzen. Das sind Gerichte, bei denen man nicht lange darüber nachdenken muss, ob sie funktionieren. Sie funktionieren einfach.

Das Hummersandwich kostet im Santé 14,90 Euro.
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Beim Hummersandwich ist die Portion erfreulich üppig. Der Salat schmeckt frisch, dezent gewürzt und leicht cremig. Ich hätte mir allerdings ein weiches Brötchen gewünscht, ähnlich wie beim Lobster Roll. Die schmalen Weißbrotscheiben haben der relativ schweren Hummerfüllung schlicht nicht genug entgegenzusetzen. Sowohl die Statik betreffend als auch den Geschmack. Das ist aber durchaus eine persönliche Präferenz.
Ein paar handwerkliche Stolpersteine
Salade Niçoise steht auf meiner langen Liste von Lieblingsgerichten: gekochte Kartoffeln, grüne Bohnen, Tomaten, Oliven, Thunfisch, Kapern, vielleicht ein gekochtes Ei – und vor allem eine amtliche Vinaigrette, die alles miteinander verbindet. Im Santé liegen die Zutaten dagegen in kleinen, voneinander getrennten Häufchen auf dem Teller. Ich finde diese Art des Anrichtens bei Salaten immer ein bisschen unglücklich. Beim Tatar gehört das traditionell dazu, ich weiß. Aber nicht beim Salat Nizza. In der Mitte thront ein ordentlicher Berg eingelegter Thunfisch. Ein Stückchen Artischocke hat auch den Weg auf den Teller gefunden. Aber wo sind die grünen Bohnen samt frischem Bohnenkraut? Stattdessen gibt es eine Handvoll rohe, unmarinierte Paprika und ein halbiertes Kirschtomätchen. Da ist noch Luft nach oben. Einen riesigen Unterschied würden gute Oliven, frische Kräuter, vielleicht drei Tomätchen mehr und eben grüne Bohnen machen.
Überhaupt würde ich mir beim Santé ein bisschen mehr Jahreszeit auf dem Teller wünschen. Gerade eine Brasserie muss ja nicht jeden Monat ihre komplette Karte neu erfinden. Aber ein paar saisonale Gerichte würden dem Konzept guttun. Der wilde Brokkoli mit Béarnaise und Miso ist grundsätzlich eine gute Idee, aber leider viel zu fettig geraten. Was ist denn da passiert?
Zum Schluss kommt die Crème brûlée mit Lavendel. In der Theorie eine Ode an die Provence, bei der Umsetzung gab’s ein paar handwerkliche Stolpersteine. An einigen Stellen war die Oberfläche der Creme aufgerissen. Das kann beim Zuckern passieren. Wenn diese Stellen allerdings nicht noch einmal mit Zucker abgedeckt werden, verbrennt die Creme beim Abflämmen und wird sofort schwarz. Das schmeckt auch verbrannt. Dazu war der Lavendel zu stark dosiert und ich würde noch einmal über die lila-graue Farbe nachdenken. (Der Lavendel war das ganz sicher nicht.)
Tatsächlich hatte ich im Santé aber einen richtig schönen Abend. Der Service ist aufmerksam und freundlich, die Atmosphäre entspannt und die Terrasse am Rathenauplatz einfach zauberhaft. Das Konzept ist super und passt perfekt an diesen Ort: französische Brasserieklassiker, rheinische Anklänge, eine schöne Weinbegleitung und ein Preisniveau, dass einem gutbürgerlichen Restaurant entspricht. Auf der Karte gibt es viel zu entdecken und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Fazit: Charmante Brasserie mit großartiger Terrasse, nettem Service und französischen Klassikern (4 Dreiecke)
Brasserie Santé, Rathenauplatz 21, 50674 Köln, www.brasserie.koeln, geöffnet Di–Sa ab 17.30 Uhr.
Meine Auswahl:
Hummersandwich mit Senf und Brioche // 14,90 Euro
Salade niçoise mit Thunfisch, Anchovis, Kapern und Oliven // 16,90 Euro
Steak frites // Entrecôte mit Bernaise, Fritten und grünem Salat // 29,90 Euro
Trüffelpommes mit Parmesan und Mayo // 9,90 Euro
Wilder Brokkoli mit Béarnaise und Miso // 9,90 Euro
Crème brûlée mit Lavendel // 7,90 Euro
