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Zählung im KönigsforstFörster vermessen Bäume für die Kohlenstoffinventur

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„Kohlenstoffinventur“ im Königsforst

Keding prüft mit einem speziellen Gerät, welche Bäume innerhalb eines festgelegten Winkels stehen und somit für die Stichprobe erfasst werden.

Im Königsforst bei Köln wird gezählt und gemessen. Förster ermitteln, wie viel Kohlenstoff der Wald speichert.

Holger Keding hält auf einem Forstpfad inne und blickt von seinem Tablet hoch. „Jetzt da rein“, sagt er und begibt sich mit seinem Mitarbeiter Michael Drews seitlich in den Forst. „Hier muss es irgendwo sein.“ Drews aktiviert seinen Metalldetektor und bewegt ihn über die Erde, woraufhin ein deutliches Signal ertönt. Er schiebt mit seinem Schuh etwas Moos zur Seite, wodurch ein in den Boden gerammter Eisenpflock sichtbar wird.

Die Szene erinnert an eine Schatzsuche, markiert jedoch den Auftakt einer detailgenauen Tätigkeit. Als Förster des Landesbetriebs Wald und Holz NRW sind Keding und Drews mit der Datenerhebung für die nationale Kohlenstoffinventur betraut. Ihr heutiger Einsatzort ist der Königsforst in der Nähe von Köln. Die Aufgabe besteht darin, die Menge des im Forst gebundenen Kohlenstoffs sowie dessen Entwicklung zu dokumentieren.

Datenerhebung in Wäldern läuft bis Ende Oktober 2027

In deutschen Forsten sind bis zum Ende des Oktobers 2027 Spezialisten im Einsatz, die Bäume sowie Totholz zählen und vermessen. Diese gesammelten Informationen bilden die Basis für die Überwachung von Treibhausgasen gemäß dem Kyoto-Protokoll.

Es handelt sich bei der Kohlenstoffinventur um ein gemeinsames Vorhaben des Bundes und der Länder, das nach den Jahren 2008 und 2017 nun zum dritten Mal durchgeführt wird. Die Koordination obliegt dem Bundeslandwirtschaftsministerium, während die Auswertung durch das bundeseigene Thünen-Institut erfolgt. Eine Veröffentlichung der Resultate der laufenden Erfassung ist für das Jahr 2029 geplant.

„Kohlenstoffinventur“ im Königsforst

Bei der Inventur ist alles genau genormt.

Die Inventurteams besuchen stets die identischen Stichprobenorte, um die Vergleichbarkeit der Daten sicherzustellen. Zu diesem Zweck wurde ein digitales Netz mit einer Maschenweite von vier mal vier Kilometern über das Bundesgebiet gelegt. Jeder Netzpunkt markiert einen sogenannten Inventurtrakt, der ein Quadrat mit einer Kantenlänge von 150 Metern darstellt. An den vier Ecken dieses Quadrats erfolgt die Datenerhebung in Probekreisen, die eine Fläche von etwa 2.000 Quadratmetern umfassen. In Nordrhein-Westfalen allein existieren circa 2.300 dieser Kreise.

Ein exakt standardisiertes Vorgehen

Im Königsforst kennzeichnet der Eisenpflock das Zentrum eines dieser Probekreise. An exakt dieser Position errichten Drews und Keding ihre Messstation, die mit einem GPS-Gerät ausgestattet ist. Es werden insgesamt beinahe 150 verschiedene Merkmale registriert, zu denen Baumarten, Höhen und Durchmesser zählen.

Zunächst erheben die Förster Informationen zur sogenannten Verjüngung, womit nachwachsende junge Bäume gemeint sind. „Alles ist genau genormt“, erläutert Landesinventurleiter Lutz Jaschke. Die Messung erfolgt innerhalb eines Probekreises fünf Meter in nördlicher Richtung. Sollte dies unmöglich sein, weicht man nach Süden, Osten oder als letzte Option nach Westen aus. Drews beginnt seine Arbeit mit Zollstock und Maßband, die Resultate ruft er seinem Kollegen Keding zu, welcher sie in das Tablet eingibt. Eine junge Buche bleibt unberücksichtigt, weil ihre Größe unter 20 Zentimetern liegt.

Im Anschluss sind die großen Bäume an der Reihe. Keding blickt hierfür durch ein Spiegelrelaskop; dieses optische Instrument dient der sogenannten Winkelzählprobe. Damit wird festgestellt, welche Bäume in die Stichprobe aufgenommen werden. Den Stammdurchmesser misst Drews mit einem Umfang-Maßband, während zur Bestimmung der Höhe ein Ultraschall-Gerät zum Einsatz kommt. „Wir vermessen dieselben Bäume wie bei der letzten Inventur und ermitteln so den Zuwachs“, führt Jaschke aus.

„Kohlenstoffinventur“ im Königsforst

Die gemessenen Daten werden in ein Programm auf dem Tablet eingetragen.

Erfassung von Totholz inklusive Stümpfen und Ästen

Spezialisten errechnen aus den Messdaten das Holzvolumen. Anhand dieses Volumens, der holzartspezifischen Dichte sowie des Kohlenstoffanteils kann die gebundene Kohlenstoffmenge ermittelt werden. Gemäß der Bundeswaldinventur (BWI) von 2022 waren 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff in lebenden Bäumen deutscher Wälder gespeichert, zuzüglich 46,1 Millionen Tonnen in Totholz.

Für die Erfassung des Totholzes vermessen Keding und Drews innerhalb eines definierten Areals Baumstümpfe, am Boden liegende Stämme und starke Äste. „Worst Case für uns wäre zum Beispiel eine umgefallene Buche, deren dickes Ende ohne Wurzelballen in den Probekreis hineinragt: Dann müssten wir nämlich den gesamten Baum einschließlich aller Äste ab zehn Zentimeter Durchmesser als Totholz vermessen“, äußert sich Jaschke.

„So einen tiefgreifenden Umbruch im Wald gab es noch nie“

Infolge des Klimawandels und der daraus resultierenden Schäden durch Stürme, Trockenheit und Schädlinge überstieg der Holzverlust laut BWI im Zeitraum von 2017 bis 2022 den Zuwachs. Bundesweit verringerte sich der Kohlenstoffvorrat in dieser Periode um drei Prozent. Die laufende Inventur soll Aufschluss darüber geben, wie sich der Bestand seither verändert hat, speziell nach der Borkenkäferkalamität, die besonders Fichten in NRW schwer in Mitleidenschaft gezogen hat.

Gleichzeitig setzt sich die langfristige Entwicklung hin zu strukturvielfältigen Mischwäldern fort. Für NRW dokumentieren die Daten aus dem Zeitraum 2002 bis 2022 eine Zunahme des Anteils an Laubbäumen von 52 auf 66 Prozent. Laut Einschätzung von Jaschke wird dies die Widerstandsfähigkeit des Waldes gegenüber dem Klima sowie sein Potenzial als Kohlenstoffsenke stärken. Die Lage bleibe jedoch anspruchsvoll: „Die Bäume, die jetzt stehen, mussten sich nie mit ausgedehnten sommerlichen Dürreperioden auseinandersetzen.“ Es sei eine spannende Frage, inwiefern die nachfolgende Baumgeneration sich anpassen kann. „Fest steht: So einen tiefgreifenden Umbruch im Wald gab es noch nie.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.