1880 wandere der damals zehnjährige HermannJoseph Schulte aus Wipperfürth in die USA aus. Seine Nachkommen kamen jetzt zum Besuch in die Hansestadt.
FamilienbesuchIhr Urgroßvater wanderte einst aus Wipperfürth in die USA aus

Der US-Bürger Jan Frost und Familie wurden im Wipperfürther Rathaus empfangen.
Copyright: Ralf Joost
Sie sind angereist aus Kalifornien, aus Colorado, dem US-Staat Washington und aus Basel. Ihr Ziel: Jenen Ort zu besuchen, den ihr Ur-, Urur- und Urururgroßvater 1880 verlassen hatte, um in den „neuen Welt“ sein Glück zu machen. 13 Mitglieder der Familie Frost waren zu einem kleinen Empfang im Wipperfürther Rathaus geladen, dort wurden sie vom stellvertretenden Bürgermeister Lothar Palubitzki begrüßt.
Jon Frost, Ökonom aus Seattle, der aber mit seiner Frau Elisa und den zwei Kindern in Basel lebt, hatte vor einigen Monaten per E-Mail den Kontakt zu Bürgermeisterin Anne Loth geknüpft. 2002 waren Frost und seine Eltern schon einmal zu Besuch in der Hansestadt. Für andere Mitglieder der weit verzweigten Familie ist es der erste Trip nach Deutschland. Jon und sein Vater Joe, der auch mit dabei ist, interessieren sich sehr für die Familiengeschichte.

Hermann Joseph Schulte und seine Frau Mary Elizabeth Sturbaum.
Copyright: Repro: Frost
„Mein Ururgroßvater Johann Hermann Joseph Schulte wurde 1869 in Wipperfürth geboren und wanderte am 22. Mai 1880 als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Nebraska aus“, schildert Jon. Heute leben Hunderte der Schulte-Nachkommen in den USA. „Die Familie ist katholisch, und viele hatten sehr viele Kinder“, erzählt Joe Frost. Alleine im Jahr 1880 seien rund 250.000 Deutsche in die USA ausgewandert.
Dass die Schultes damals im US-Bundesstaat Nebraska landeten, war kein Zufall. Eine der großen Eisenbahngesellschaften habe gezielt Land an Auswanderungswillige verkauft – und zwar schon in Deutschland. „Der Hektar Land kostete 15 Dollar“, erzählt Joe. Man wusste nur nicht, was man dafür bekam, ob das Land fruchtbar war oder nichts taugte.
Der Hektar Land kostete 15 Dollar
Nun, 146 Jahre später, begeben sich die Schulte-Nachfahren auf Spurensuche. Die Wipperfürther Stadtarchivarin Sarah Zeppenfeld schickte Jon Frost in den vergangenen Monaten zahlreich Kopien von Personenstandsurkunden zu. Auch Norbert Wegerhoff vom Heimat- und Geschichtsverein half bei Recherchen.
So stellte sich heraus, dass Louise Walder-Schulte, die Mutter von Hermann Joseph Schulte, 1841 in Niederscheveling, gelegen zwischen Wipperfürth und Kreuzberg, zur Welt gekommen war. Auch sie wanderte mit in die USA aus und verstarb 1921 in Nebraska.

Louise Walder Schulte (1841 in Niederscheveling, Wipperfürth geboren und 1921 in Nebraska verstorben), die Mutter von Hermann Joseph Schulte
Copyright: Repro: Frost
Ein Neffe von ihr, Wilhelm Hubert Walder (1877 – 1941), war Eigentümer des Schuhhauses Walder an der Hochstraße 35 in Wipperfürth. Das Geschäft bestand wohl bis 1976. Vor dem Empfang im Rathaus führte Erich Kahl die US-Familie durch die Kirche St. Nikolaus mit dem alten Taufbecken und ihren vielen Heiligenfiguren. Rose, einem weiteren Familienmitglied, fällt auf, dass viele der Namen dieser Heiligen in der Familie als Vornamen sehr beliebt waren.
Darüber hinaus halten die Schulte-Nachfahren bis heute an einem Brauch fest, der typisch deutsch ist. Sie feiern den Nikolaustag und stellen ihre geputzten Schuhe vor die Tür, in die dann kleine Geschenke kommen. „Nikolaus ist für uns ein Familienfest, an dem wir uns alle treffen.“
Beim Bummel durch die Wipperfürther Altstadt entdeckt die Frost-Familie die Metzgerei Schulte und erfährt, dass es schräg gegenüber lange Zeit das Café Schulte gab. Ob es sich dabei um den gleichen Familienzweig handelt oder nicht, ist allerdings noch nicht geklärt.
Dafür haben die Frosts vermutlich das Elternhaus von Hermann Joseph Schulte ausfindig gemacht – es steht in Großblumberg, in unmittelbarer Nähe der Neyetalsperre. Dort soll die Familie, ganz kurz vor der Auswanderung, ein letztes Mal zu einem gemeinsamen Abendessen zusammengekommen sein. Und so kehrte auch die US-Familie in der Gaststätte in Großblumberg ein.
Jon Frost hat in München studiert und spricht perfekt Deutsch. Sein Cousin Matthew – auch er ist mitgekommen – lebte als US-Soldat vier Jahre in Bayern und denkt gerne an diese Zeit zurück. „Der Empfang im Wipperfürther Rathaus war sehr besonders. Wir sind von der Gastfreundlichkeit der Stadt sehr begeistert“, bedankt sich Jon Frost auch im Namen seiner Familie.
