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100 Ideen für Köln„11.11 Uhr soll ein täglicher Köln-Moment werden“

4 min
Annette Frier

Annette Frier

Schauspielerin Annette Frier wünscht sich eine kölsche Unterbrechung, in der die Menschen innehalten.

Was ist meine konkrete Idee für Köln?

Meine Idee besteht aus neun Klängen und elf Sekunden: „What the world needs now is love“, singt Jackie DeShannon. Die Welt braucht Liebe, Köln auch.

Gut, dass es in unserer Stadt etwas gibt, was sie allen anderen auf der Welt voraushat: eine eigene Uhrzeit. Zweimal im Jahr hat jeder sie im Kopf: an Weiberfastnacht und am Elften im Elften. Exakt um 11.11 Uhr heben die Jecken ab und starten in ein eigenes Universum.

Aber 11.11 Uhr gibt es auch an 363 anderen Tagen im Jahr. Ich wünsche mir, dass wir daraus einen Köln-Moment des Miteinanders machen. Gerne täglich, auch sonntags.

Warum wäre die Umsetzung meiner Idee gut für Köln?

Ich stelle mir den Köln-Moment als Unterbrechung vor in dem, was wir gerade tun. Eine kurze Zeit für etwas anderes: ein Gruß an den Menschen, der gerade neben mir sitzt, steht oder geht – auf der Straße, in der KVB, im Stau an der Ampel, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen, in der Arztpraxis. Eine Erinnerung daran, wie gut es uns geht; dass wir Menschen haben, die wir lieben; in Freiheit und Frieden leben.

Andere Kulturen kennen im Alltag dieses Moment der Unterbrechung. Ich war mal auf Bali. Da lassen die Menschen völlig selbstverständlich zwischendurch alles stehen und liegen, gehen an ihre Altäre, werden still, legen vielleicht ein Blümchen ab – für die Liebe, für Frieden, für Glück.

Für den Köln-Moment könnten täglich die Glocken klingen.

Für den Köln-Moment könnten täglich die Glocken klingen.

Das könnte bei uns in der Köln-Minute passieren. Gekommen ist mir diese Idee übrigens, als ich in der Kirche Maria in der Kupfergasse vor dem Bild der Schwarzen Muttergottes ein Kerzchen aufgestellt habe. Hört sich vielleicht ein bisschen fundimäßig an. Sind wohl meine katholischen Wurzeln. Kann ich nix gegen machen.

Für die kölsche Unterbrechung hätte ich auch gleich den Vorschlag für ein Mantra, ein Mini-Gebet zu welchem „höheren Wesen, das wir verehren“, auch immer: „Ave – Schalom – Insch‘alaaf“. Wie ich darauf komme? Das „Ave“ ist „die“ Grußformel im (christlichen) Abendland, den einen bekannt aus „Asterix“, den anderen vom Rosenkranz. Hier wird das Ave zum Friedensgruß. Das jüdische „Schalom“ spricht von der Hoffnung auf Frieden. Und „Insch‘alaaf“ drückt den Wunsch aus, dass die Dinge sich zum Guten fügen, „so Gott will“. In meiner Version klingt gleich noch das kölsche Grundgesetz mit: Alles wird gut – et hät noch immer jot jejange.

Einander das zu sagen, dafür um 11.11 Uhr 11 Sekunden zu reservieren – ich glaube, das täte uns und unserer Stadt gut.

Wie könnte die Umsetzung gelingen?

Man könnte sich ein Logo überlegen und daraus Aufkleber, Buttons, Plakate machen, die auf den Köln-Moment aufmerksam machen. Täglich um 11.11 Uhr könnten die Kirchen die Glocke schlagen. In den Bahnen der KVB könnte man den Köln-Moment ansagen und mit einem „Ping“ die 11 Sekunden markieren.

Für ein kleines, simples Ritual könnten alle, die mitmachen, zum Beispiel die Hand aufs Herz legen. Aber das ist nur eine ergänzende Idee zur Idee.

Welche Ressourcen oder Beteiligten braucht es dafür?

Meine Idee ist an keinen Ort gebunden. Jeder kann mitmachen, niemand muss. Wenn man dran denkt – schön! Wenn man den Moment verpasst – auch nicht schlimm. Morgen gibt es wieder einen! Und: Meine Idee kostet nix. Aber sie macht aus ein paar Sekunden unter vielen einen kostbaren Moment. Zeitveredelung zum Nulltarif. Das war’s von mir – für den Moment! In diesem Sinne: Ave – Schalom – Insch’alaaf!


Annette Frier, Jahrgang 1974, ist Schauspielerin, Komikerin, Fernsehmoderatorin und Regisseurin. Sie ist in Köln geboren und aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Mann und ihren Zwillingen in der Stadt.


Zur Serie „100 Ideen für Köln“

„100 Ideen für Köln“ ist die Serie des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die der Stadt neue Impulse verleihen soll: „100 Ideen für Köln“. Was muss passieren, damit die viertgrößte Stadt Deutschlands mit ihrer Strahlkraft in die Region zukunftsfähig bleibt? Was ist dringend zu verbessern? Was fehlt in dieser Stadt? Im Vorfeld der Kommunalwahl am 14. September sammeln wir besten Vorschläge, Lösungen und Visionen – auch als Inspiration für die künftige Stadtspitze. Dazu fragen wir nicht nur prominente Vertreter der Stadtgesellschaft, sondern auch Sie, liebe Leserinnen und Leser: Stimmen Sie ab über die ersten 50 Ideen für Köln.

Aufgezeichnet von Joachim Frank