Agnesviertel, SüdstadtWeiter Ärger um die neuen Namen für die Innenstadt-Veedel

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Der Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt

Köln – Pantaleonsviertel, Agnesviertel oder Severinsviertel statt Altstadt/Nord oder Neustadt/Süd: Schon vor gut zwei Jahren hatte der Rat mit breiter Mehrheit beschlossen, dass die eher technokratischen Bezeichnungen der vier Innenstadt-Veedel Namen weichen sollen, die in Köln für die Quartiere seit etlichen Jahren geläufig sind. Die Verwaltung solle darlegen, wie die Umbenennungen vonstatten gehen könnten. Doch das heimelige Vorhaben, das die FDP bereits 2009 angestoßen hatte, gerät in Turbulenzen – und könnte womöglich vollends kippen.

Die Verwaltung hat den gewünschten Plan erstellt und die vier linksrheinischen Veedel des Bezirks Innenstadt – Neustadt/Nord und Süd sowie Altstadt/Nord und Süd – in elf Viertel unterteilt. Deutz, das ebenfalls zum Bezirk Innenstadt gehört, ist nicht Teil der Planung und soll unverändert bleiben. So ähnlich hatte es schon die FDP mit Hilfe von Michael Euler-Schmidt vom Stadtmuseum am Beginn ihrer Initiative dargelegt und sich dabei an den römischen und mittelalterlichen Stadtgrenzen und den von den Kölnern  genutzten Bezeichnungen der Quartiere orientiert.

Gemeinsam mit Grünen, CDU und der Ratsgruppe Gut hatte die FDP im Dezember 2019 beschlossen, dass die Verwaltung die Umbenennungen angehen solle. Das Vorhaben sei „ein Beitrag für realitätsnäheres und bürgerfreundlicheres Handeln der Verwaltung im linksrheinischen Teil des Stadtbezirkes Innenstadt“, argumentierten die Parteien damals.

Verwaltung warnt vor erheblichem Aufwand

Doch die Zustimmung bröckelt. Inzwischen hat die Verwaltung dargelegt, dass die Neueinteilung einigen Aufwand bedeute. Unter anderem müssten die Stimmbezirke für Wahlen neu zugeschnitten sowie Planungen für Schulentwicklung, Kita-Bau und Spielplätze überarbeitet werden. Bei Baugenehmigungen müssten Adressen neu zugeordnet und Bevölkerungsprognosen neu berechnet werden. „In der Summe erheblicher Aufwand durch kleinere und mittlere Änderungsbedarfe sowie Einschränkungen an vielen Stellen der Verwaltung“, resümiert die Stadt und rät von der Neugliederung ab. Stattdessen sollen „Konzepte und Maßnahmen zur Steigerung der Wahrnehmung der historischen Veedel“ geprüft werden, schlägt die Verwaltung vor.

Innenstadt-Quartier

Diese Einschätzung zeigte Wirkung. Ende vergangenen Oktober beschloss die Bezirksvertretung Innenstadt gegen die Stimmen von CDU und FDP, die Stadtteile so zu belassen wie sie sind. Bei der jüngsten Ratssitzung vor gut zwei Wochen flog das Thema, das eigentlich final beschlossen werden sollte, von der Tagesordnung. Offiziell, um die Sitzung etwas zu verkürzen, weil die letzten Rats-Zusammenkünfte des Jahres traditionell sehr lange dauern, hieß es. Im Rathaus ist jedoch zu vernehmen, dass sich inzwischen wohl keine Mehrheit mehr für den Vorstoß finde. Andere Parteien wie die SPD standen der Neuordnung von vorn herein kritisch gegenüber.

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Das liegt vor allem an der größten Ratsfraktion, den Grünen. Nach dem Beschluss von 2019 jubilierte die Fraktion in einer gemeinsamen Pressemitteilung noch, „die Innenstadt wird kölsch.“ Nun möchten die Grünen, die nach der Kommunalwahl 2020 mit einer auf vielen Sitzen veränderten Fraktion agieren, keine Umbenennungen mehr. Dies sei „sehr teuer und aufwändig bei fragwürdigem Effekt“, sagen die Grünen. Ihr Bündnispartner CDU hingegen sieht das völlig anders. „Wir stehen weiterhin zu der Initiative. Die Menschen können sich aktuell nicht wirklich mit den recht nüchternen Bezeichnungen wie Altstadt-Nord identifizieren“, sagt Niklas Kienitz, Fraktionsgeschäftsführer der Union. „Für uns Kölner geht es doch auch immer um das Gefühl, um die Identität, um die Traditionen und Eigenheiten eines jeden Veedels. All das sollte sich im Namen widerspiegeln. Daher halten wir die Umbenennungen weiterhin für sinnvoll und angebracht“, ergänzt er.

„Namen der Realität anpassen“

„Die Grünen fühlen sich an frühere Zusagen offenbar nicht mehr gebunden. Das ist ein einmaliger Vorgang“, kritisiert FDP-Fraktionschef Ralph Sterck. Ohne die Stimmen der Grünen habe die Neuordnung der Innenstadt-Veedel keine Chance mehr, sagt Sterck, der im Agnesviertel getauft wurde. Aufgeben möchte er dennoch nicht. „Niemand sagt, dass er in der Altstadt-Süd wohnt, wenn er im Severinsviertel lebt. Wir müssen die Namen an die Realität anpassen“, argumentiert Sterck. „Ich hoffe, wir können die Grünen wieder für die Idee gewinnen.“ Bei der Ratssitzung am 3. Februar 2022 soll das Thema wieder behandelt werden. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir das hinbekommen“, erklärt Sterck. „Mit einer längeren Übergangszeit, vielleicht bis 2025, sind die Umbenennungen möglich.“

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