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Aktion zum 9. NovemberWir putzen gemeinsam Stolpersteine in Köln und der Region

„Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ rufen vor dem 9. November dazu auf. Schicken Sie Fotos von Ihrer Putzaktion ein.

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Die Stolpersteine oxidieren mit der Zeit und werden schlecht lesbar.

Die Stolpersteine oxidieren mit der Zeit und werden schlecht lesbar.

In Sachsen hat der Stadtrat von Heidenau bei Dresden mit den Stimmen von CDU, AfD und einem Bürgerbündnis beschlossen, künftig keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum zu genehmigen. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus soll dort künftig an den Stadtrand, auf einen Friedhof, verlegt werden. Gunter Demnig, der 1992 in Köln die Stolperstein-Initiative ins Leben gerufen hat und inzwischen weit mehr als 100.000 Stolpersteine in über 1800 Gemeinden in 31 Ländern verlegt hat, reagiert fassungslos: „Die Behauptung, dass die Bewohner das nicht mehr wollen, ist eine fundamentale Lüge“, sagt er. Sein Verlege-Programm sei bis Dezember 2027 ausgebucht – die Nachfrage nach neuen Stolpersteinen also größer denn je. Er kündigt an: „Ich werde jetzt erst recht weitermachen.“

Unter anderem auch in Köln: In der kommenden Woche werden an vier Tagen insgesamt 65 neue Stolpersteine an 28 Orten im Kölner Stadtgebiet verlegt (am 11.11. finden karnevalsbedingt keine Verlegungen statt). Doch viele der schon vor längerer Zeit gesetzten Stolpersteine sind schmutzig, oxidiert und nicht mehr gut lesbar.

Deshalb wollen wir von Köln, der Geburtsstadt der Stolpersteine, aus ein Zeichen setzen – und zwar über die Stadtgrenzen hinaus: Wir in Köln und der Region pflegen unsere Stolpersteine, wir reinigen sie, und wir halten die Namen und Schicksale der Menschen, an die sie erinnern, in bester Erinnerung. „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ rufen darum alle Kölnerinnen und Kölner sowie die Menschen in der Region dazu auf, im Vorfeld des oder am 9. November die Stolpersteine vor ihrer Haustür, in ihrer Nachbarschaft oder ihrem Veedel von Schmutz zu befreien und zu polieren.

Der 9. November ist als Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 ein zentrales Datum der Erinnerungskultur in Deutschland – in dieser Nacht brannten Synagogen, wurden jüdische Geschäfte zerstört und Menschen ermordet oder verschleppt. Gerade in Zeiten, in denen anderswo in Deutschland das Gedenken infrage gestellt wird, ist ein glänzender, gut lesbarer Stolperstein ein kleines, aber starkes und ermutigendes Signal: Wir vergessen nicht.

Der Stolperstein-Künstler Gunter Demnig

Der Stolperstein-Künstler Gunter Demnig

Kostenlose Reinigungssets

Die Sparkasse Köln-Bonn stellt kostenlose Reinigungssets zur Verfügung. Rund 1000 Reinigungssets werden auf die Filialdirektionen in Köln und Bonn verteilt, 60 Stück pro Filialdirektion. Spätestens ab Freitag, 6. November, stehen die Sets dort für alle bereit, die sie nutzen möchten, solange der Vorrat reicht. Auch in den mobilen Filialen, den Sparkassen-Bussen, liegen Sets bereit. Natürlich lassen sich die Stolpersteine aber auch ohne Sparkassen-Set reinigen. Die Platten der Stolpersteine bestehen aus Messing. Dieses oxidiert mit der Zeit und bildet so praktisch eine Schutzschicht; es entstehen Verfärbungen von Hellbraun bis fast Schwarz.

Zum Säubern empfohlen werden gebräuchliche Metall- oder spezielle Messingputzmittel aus dem Drogeriemarkt. Dazu genügen etwas Wasser und ein einfacher Küchenschwamm. Von Hilfsmitteln mit harter Oberfläche wie Drahtbürsten oder anderen harten Gegenständen wird abgeraten. Bei milchigen Metall-Putzmitteln empfiehlt es sich, eine geringe Menge zunächst auf einen Stofflappen statt direkt auf die Messingfläche zu geben – so lassen sich weiße Putzmittelränder auf dem umliegenden Pflaster vermeiden, die sich nur sehr langsam wieder zersetzen. Nachdem die Messingplatte mit der Reinigungsmilch eingerieben wurde, sollte das Mittel etwa eine Minute antrocknen, bevor das Messing poliert wird. Mit der Aktion geht es darum, die Erinnerung symbolisch zu pflegen und lebendig zu halten.

Schicken Sie uns Ihre Fotos

Wir freuen uns, wenn sich viele Menschen an der Aktion beteiligen und ihre Putzaktion dokumentieren: Schicken Sie uns gerne ein gutes Foto (Format jpeg) von Ihrer Stolperstein-Putzaktion mit ein paar erklärenden Sätzen dazu – wer Sie sind, wie viele und welche Steine Sie gereinigt haben, was Sie zum Mitmachen bewegt hat – bis zum 10. November, 12 Uhr, an die E-Mail-Adresse leserforum@kstamedien.de. Bitte nennen Sie als Betreff „Stolpersteine“, außerdem den Namen des Fotografen. Sie erteilen uns mit dem Senden die Erlaubnis, die Fotos honorarfrei abdrucken zu dürfen und erklären, das Einverständnis aller auf dem Bild abgelichteten Personen eingeholt zu haben. Wir veröffentlichen eine Auswahl.


Hera Lind war mit Tamar Dreifuss befreundet.

Hera Lind war mit Tamar Dreifuss befreundet.

Lesung über das Leben von Tamar Dreifuss

Rund um den 9. November veranstaltet die Redaktion eine Buchpremiere: Bestseller-Autorin Hera Lind stellt am 12. November um 19 Uhr ihren Tatsachenroman „Erhobenen Hauptes“ vor, in dem sie die Lebensgeschichte von Tamar Dreifuss erzählt. Im Gespräch mit Kulturchefin Anne Burgmer sprechen Hera Lind und Tamar Dreifuss’ Kinder Iris Hagedorn und Raphael Dreifuss über Familiengeschichte, Verlust, Überlebenswillen und die Verantwortung der nachfolgenden Generationen. Musikalisch begleitet wird der Abend vom A-cappella-Trio Klangkunst. Das Buch kann vor Ort erworben und signiert werden. Comedia-Theater, Vondelstraße 4–8, Köln. Tickets für 18 Euro gibt es hier.


Reinigungssets der Sparkasse

In Köln liegen die Reinigungssets an folgenden Filialdirektionen der Sparkasse Köln-Bonn zur Abholung bereit:

• Neumarkt – Neumarkt 1D • Ehrenfeld – Venloer Str. 295 • Nippes – Neusser Str. 236 • Kalk – Kalker Hauptstr. 129–133 • Mülheim – Peter-Huppertz-Str.7 • Dellbrück – Dellbrücker Hauptstraße 121 • Lindenthal – Dürener Str. 187 • Heimersdorf – Haselnusshof 1 • Rodenkirchen – Maternusplatz10 • Weiden – Goethestr. 8 • Porz – An der Sparkasse 1