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Alte Liebe rostet nichtDas einmalige Düsenjet-Fahrgefühl im Porsche 911

Sven Müller bekam schon mit 21 seinen ersten Porsche. Vor vier Jahren kaufte er sich erneut ein G-Modell.

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Seinen ersten Porsche 911-er bekam Sven Müller mit 21. Seit ein paar Jahren ist das alte Lebens- und Fahrgefühl zurück. Sein jetziges G-Modell stammt aus den USA.

Seinen ersten Porsche 911-er bekam Sven Müller mit 21. Seit ein paar Jahren ist das alte Lebens- und Fahrgefühl zurück. Sein jetziges G-Modell stammt aus den USA.

Der Porsche 911 ist nicht irgendein Auto, er ist ein Lebensgefühl. Mit dem G-Modell wurde das zeitlos elegante Design in den 1970er-Jahren äußerst erfolgreich fortgeschrieben. Für viele gilt das G-Modell als der Porsche schlechthin. Sven Müller aus Zollstock sieht das ähnlich. Der 56-jährige Kfz-Meister verbrachte in seinem ersten 911-er wilde, aber lehrreiche Zeiten. In seinem jetzigen Porsche lässt er es etwas ruhiger angehen, höchstens auf der Autobahn bringt er die „Heckschleuder“ mal auf Touren. Im Ohr den unverwechselbaren Sound des luftgekühlten Boxermotors, den nicht wenige auch als Musik bezeichnen.

  1. Typ: Porsche 911 SC (G-Modell)
  2. Baujahr: 1982
  3. PS: 180
  4. Zylinder: 6
  5. Hubraum: 2994 ccm
  6. Km/h max: 240
  7. Verbrauch: ca. 15 Liter
  8. Gebaute Exemplare: 58914
  9. Neupreis: ca. 55 000 D-Mark

Deshalb habe ich ihn:

Schon mit 21 habe ich meinen ersten Porsche bekommen. Es war ein gebrauchter 911-er von 1976, vermittelt von meinem Vater. Er hatte eine Tankstelle in Rodenkirchen und wollte wohl, dass ich lerne, mit diesem Auto verantwortungsvoll umzugehen. Für den Porsche habe ich ein Käfer-Cabrio verkauft, eine ziemliche Steigerung also. Das Fahrgefühl im 911er ist einmalig und die mechanischen Geräusche des luftgekühlten Heckmotors sowieso. Einen Unfall hatte ich nie in den 15 Jahren, die ich diesen ersten Porsche hatte, allerdings 14 Punkte in Flensburg.

Damals habe ich aber tatsächlich gelernt, das Fahrzeug zu beherrschen. Einmal habe ich mich in einer Autobahnausfahrt komplett gedreht, zwei Freunde saßen auch noch mit drin. Zu ihrem Entsetzen bin ich die Ausfahrt dann nochmal gefahren, weil ich wissen wollte, woran es gelegen hat. Danach war mir klar: Wenn ein 911er ausbricht, darf man nicht vom Gas gehen, man muss Gas geben.

Mit dem G-Modell wurde das klassische Design des 911ers erfolgreich fortgeschrieben. Das G-Modell blieb von 1973 bis 1989 im Programm.

Mit dem G-Modell wurde das klassische Design des 911er erfolgreich fortgeschrieben. Das G-Modell blieb von 1973 bis 1989 im Programm.

Das kann er:

Diese einfache Technik, das Fahrgefühl und der Klang begeistern mich noch immer. Nach dem ersten 911-er hatte ich 15 Jahre lang keinen, auch aus finanziellen Gründen, die Ersatzteile sind sehr teuer. Vor vier Jahren dann hatte ich die Gelegenheit, einen importierten Wagen aus Florida günstig zu kaufen. Der hatte zwar einige optische Mängel, war aber technisch okay. G-Modell fahren ist was ganz Spezielles, das kann kein anderes Auto bieten. Bei 200 km/h kommt man sich in dem Auto vor wie in einem heutigen Auto mit 300 Sachen. Man denkt, man sitzt im Düsenjet. Man liegt förmlich auf der Straße mit dem Ding. Um das Schnellfahren geht es mir aber nicht mehr, heute ist sowieso fast jedes andere Auto schneller.

Funktionaler Arbeitsplatz im 911-er.

Funktionaler Arbeitsplatz im 911-er.

Das kann er nicht:

Durch den Heckmotor ist es in höheren Geschwindigkeitsbereichen ein gefährliches Auto, das man beherrschen muss. Nicht umsonst wird der 911-er auch Heckschleuder genannt, weil er in Kurven gern ausbricht. Er erfordert deine ganze Aufmerksamkeit. Und auch deine Muskulatur, denn er hat weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker. Man muss richtig darin arbeiten. Richtig doof ist aber nur Dauerregen. Dann beschlägt er von innen, weil die Lüftung damals noch nicht so toll war. Aber sobald die Sonne scheint, zack, geht’s raus. Nur, wie gesagt, es ist ein luftgekühlter Motor. Deshalb muss man ihn schön warm fahren, bevor es auf die Autobahn geht. Diese Aufwärmphase sollte so um die 20 Minuten dauern.

180 PS tun im Heck des Porsches von Sven Müller ihren Dienst. Die „Heckschleuder“ sei bei höheren Geschwindigkeit ein durchaus gefährliches Auto.

180 PS tun im Heck des Porsches von Sven Müller ihren Dienst. Die „Heckschleuder“ sei bei höheren Geschwindigkeit ein durchaus gefährliches Auto.

Das habe ich für ihn getan:

Ich habe ihn für wenig Geld von einem Bekannten gekauft, der Fahrzeuge aus den USA importiert. Technisch war der Porsche gut in Schuss, nur optisch nicht. Der Preis war deshalb unschlagbar. Jetzt oder nie, habe ich mir gedacht. Immerhin kann ich als Kfz-Meister Vieles selbst erledigen. Lenkrad und Sitze mussten erneuert werden, mein Sohn hat ihn schließlich auf Hochglanz poliert. Ich habe dann noch einen Sportauspuff drangeschraubt, damit der Boxersound noch besser rauskommt. Aber alles im legalen Bereich natürlich. Rostprobleme gab es nie, da der Wagen 40 Jahre lang in Florida unterwegs war. Über die Werkstatt des Vorbesitzers habe ich herausbekommen, dass der Porsche tatsächlich nur 47.000 Meilen gefahren wurde, wie es auf dem Tacho steht. Das sind rund 75.000 Kilometer. Damit ist er so gut wie neu.

Besonderes Kennzeichen der G-Modelle sind die so genannten Faltenbälge an den Stoßstangen - schwarze Gummiteile, die die Folgen leichter Aufprälle mindern sollten. Sven Müller hat sich darüber hinaus einen Sportauspuff gegönnt.

Besonderes Kennzeichen der G-Modelle sind die sogenannten Faltenbälge an den Stoßstangen – schwarze Gummiteile, die die Folgen leichter Aufprälle mindern sollten. Sven Müller hat sich darüber hinaus einen Sportauspuff gegönnt.

Das haben wir erlebt:

Wenn die Porsche-Saison losgeht, immer am 1. Mai, fahre ich zum Porsche-Treffen in Dinslaken. Aber nur jedes zweite Jahr. Denn am 1. Mai findet auch das sogenannte Maikäfer-Treffen in Hannover statt, ein Treffen für VW‑Käfer-Besitzer. Da ich auch drei Käfer besitze, muss ich mich aufteilen.

Das haben wir vor:

Es sind halt noch viele kleine Details zu erledigen. Die hinteren Fuchsfelgen würde ich gern gegen breitere austauschen und die Heckblende mit dem Porsche-Schriftzug auch, die hat nämlich Risse. Aber allein diese Blende kostet bei Porsche 500 bis 600 Euro. Man kriegt eigentlich alle Teile neu. Nur es kostet halt richtig. Man muss sich bei so einem Auto überlegen, wo man das Geld zuerst investiert. Aber es ist auf jeden Fall gut investiertes Geld.