Abo

Alte Liebe rostet nicht„Wir lassen unsere Jugend auferstehen und kaufen einen R 4“

3 min
Martina Storb steht hinter ihrem R 4 auf einem Feldweg.

Der Renault 4 war ein Bestseller, der mehr als 30 Jahre lang gebaut wurde. Obwohl etwa acht Millionen R 4 vom Band liefen, war es für Martina Storb nicht leicht, ein brauchbares Exemplar zu ergattern.

Martina Storb und ihr Mann konnten einen der letzten R 4 aus slowenischer Produktion ergattern. Mit dem Auto möchten sie bald nach Korsika.

Frontantrieb, große Heckklappe, günstiger Preis. Als der Renault 4 im Jahr 1961 auf den Markt kam, galt er zwar nicht als schön, aber als äußerst innovativ. Das Konzept hielt sich rekordverdächtig lange. Erst 1994, nach acht Millionen gebauten Exemplaren, sagte der kleine Franzose adieu. Martina Storb, Internistin aus Weiden, und ihr Mann konnten einen der allerletzten R 4 aus slowenischer Produktion ergattern. Jede Ausfahrt mit dem „Quatrelle“ gleicht einer Charmeoffensive.

  1. Typ: Renault 4 GTL
  2. Baujahr: 1992
  3. PS: 34
  4. Zylinder: 4
  5. Km/h max: 120
  6. Verbrauch: 6 Liter
  7. Gebaute Exemplare: ca. 8 Millionen
  8. Neupreis: ca. 12.000 D-Mark

Deshalb habe ich ihn:

Schuld sind die Kindheitserlebnisse mit diesem Auto. Wer kann sich nicht mehr an den R 4 erinnern? Er war das erste Großserienfahrzeug mit dieser großen Heckklappe. Damit eignete er sich für Umzüge, als Familienauto, für Urlaubsreisen. Es ging eigentlich alles. Dieses Auto war unglaublich vielseitig. Irgendwann haben mein Mann und ich gesagt: Wir lassen unsere Jugend auferstehen und kaufen uns so ein Teil. Aber das war nicht so einfach. Das war ja kein Auto, das geliebt wurde. Es wurde verschlissen oder verrostete. Zusammen mit einem Freund, der sich damit auskennt, haben wir ungefähr zehn Angebote geprüft. Die meisten waren gammelig. Aber an der Mosel wurden wir fündig. Ein Engländer bot einen R 4 in Top-Zustand an, der lange Zeit in Südfrankreich gefahren wurde und in dem trockenen Klima überlebte.

R 4 mit offener Heckklappe auf einem Feldweg

Dank der riesigen Heckklappe kann der R 4 eine ganze Menge schlucken.

Das kann er:

Wenn man mit einem R 4 unterwegs ist, gucken alle Leute. Viele sprechen mich auch an, meistens sind es Leute der mittleren Generation. Dann heißt es immer: den hatte ich auch mal, den hatte mein Vater, den hatten wir in der Familie, damit sind wir in den Urlaub gefahren. Das Auto weckt halt Erinnerungen, das ist immer so ein wehmütiges Wiedererkennen.

Schaltknüppel und Lenkrad im R 4

Wer einmal R 4 gefahren ist, wird den Schaltknüppel neben dem Lenkrad nicht mehr vergessen.

Das kann er nicht:

Im Winter fahren. Wir haben die Hohlräume zwar mit Wachs konserviert, aber rostanfällig ist er immer noch. Deshalb muss er in der feuchten Jahreszeit in seiner Scheune bleiben. Beim TÜV gibt es immer wieder Irritationen wegen des ungleichen Abstands der Räder. Auf der einen Seite beträgt der Radstand 2400 Millimeter, auf der anderen 2450 Millimeter. Das liegt an den versetzt eingebauten Drehstabfedern. Dadurch steht der Wagen schief auf den Rollen für den Bremstest. Vor allem jüngere Prüfer wissen damit nichts anzufangen.

Bei den früheren Modellen gab es auch den großen Nachteil, dass der kleine Aschenbecher schnell überquoll und die Asche dann im Kassettenschlitz landete, der genau darunter saß. Geraucht wurde früher ja noch ein bisschen mehr als heute.

Motor des R 4

Anschauliche Technik: Das Gestänge der Schaltung ragt beim R 4 über den ganzen Motor.

Das haben wir für ihn getan:

Als wir ihn 2013 gekauft haben, hatte er noch keinen Oldtimerstatus. Damals war er ja gerademal 22 Jahre alt. Damit bekam er auch das Kennzeichen mit dem Merkmal H für Historisch noch nicht, mit dem man auch in die Umweltzonen fahren darf. Das bekommen erst Autos mit mindestens 30 Jahren auf dem Buckel. Wir mussten ihm also einen Katalysator spendieren, damit wir ungehindert reisen konnten.

Heckansicht des R 4

Er ist ein Kind der 1960er Jahre, der R 4 von Martina Storb ist allerdings Baujahr 1992.

Das haben wir erlebt:

Mit Freunden, die auch R 4 fahren, sind wir durch die Eifel gefahren bis ins Elsass. Drei Autos an einer uralten Tankstelle oder im Sonnenblumenfeld - das war sehr, sehr nett. Danach haben wir gesagt: Wenn der Wagen das so gut aushält, fahren wir auch in die Bretagne. Am Ende sind wir 4000 Kilometer auf Tour gewesen, zusammen mit einem Paar in einem zweiten R 4. Bei diesem Anblick waren viele Franzosen geradezu aus dem Häuschen. „Le Quatrelle, le Quatrelle!“, hieß es immer. Die haben sich richtig gefreut, weil in Frankreich noch viel weniger R 4 rumfahren als bei uns.

Das haben wir vor:

Wenn wir demnächst in Rente sind, wäre ein schönes Ziel Korsika. Das ist einfach eine wunderschöne Insel, auf der wir gerne ein bisschen rumtuckern würden. Für die Hinreise nehmen wir aber vielleicht den Autoreisezug. So eine lange Strecke ist dann doch etwas anstrengend in einem R 4.