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Alte Liebe rostet nichtHorst Nordmann besitzt Kölns ältestes Motorrad mit Straßenzulassung

Der 123 Jahre alten Maschine ist ihre Verwandtschaft mit dem Fahrrad noch anzusehen. Die frühen Allright-Motorräder wurden in Köln hergestellt.

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Horst Nordmann und sein Motorrad

Horst Nordmann hegt und pflegt das älteste Motorrad Kölns mit Straßenzulassung.

Vernickelte Hebel, Sattel aus Leder, Tank aus Messing. Die Allright 2,75 PS von Horst Nordmann ist ein ästhetisches Meisterwerk und Kölns ältestes Motorrad mit Straßenzulassung. Die Verwandtschaft mit dem Fahrrad ist der 123 Jahre alten Maschine mit dem Schnüffelventil noch anzusehen. Wer genauer hinschaut, bemerkt auch ihre Kölner Herkunft. Was im Schatten des Doms für die Mobilität der Massen geleistet wurde, sei beträchtlich, so Horst Nordmann. Wertgeschätzt werde diese Leistung aber eher woanders.

  1. Typ: Allright 2,75 PS
  2. Baujahr: 1903
  3. PS: 2,75
  4. Hubraum: 333 Kubikzentimeter
  5. Höchstgeschwindigkeit: 50
  6. Zylinder: 1
  7. Verbrauch: 2,5 Liter

Deshalb habe ich sie:

Die Köln-Lindenthaler Metallwerke bauten ursprünglich Fahrräder, die unter dem Namen Allright höchst erfolgreich waren. Ab 1901 tüftelte Chefkonstrukteur Reinhard Sieper dann an der Motorisierung der Fahrräder herum. Die frühen Allright-Motorräder gehörten schnell zum Besten, was man kriegen konnte, und wurden in großen Stückzahlen nach England exportiert.

Messingtank, Ledertasche und Ölpumpe der Allright 2,75 PS

Zwischen Messingtank und Ledertasche sitzt die manuell zu bedienende Ölpumpe.

Ich interessiere mich jetzt seit mehr als 40 Jahren für die Kölner Zweirad-Geschichte und hatte lange Zeit Kontakt zu einem älteren Engländer, dem diese Allright gehörte. Sie war nicht komplett, weshalb ich dem Mann immer wieder Tipps gab, wie er die Maschine ans Laufen bringen kann. Aber er hatte nie genug Zeit, sein Projekt zu beenden. Eines Tages rief mich seine Frau an und sagte, ihr Mann sei gestorben. Und er habe ihr quasi auf dem Sterbebett gesagt, dass ich das Motorrad wieder nach Köln holen soll, wo es ja auch herkam. Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt meine Sammlung nicht mehr vergrößern. Aber eine Allright mit einer Fahrradgabel hatte ich noch nicht. Also habe ich es mir anders überlegt.

Das kann sie:

Diese Allright war ein Meilenstein. Die Innovation bestand darin, dass erstmals ein zuverlässiger Motor in einem leichten Fahrgestell untergebracht wurde. Ab diesem Zeitpunkt explodierte die Fahrzeugtechnik förmlich. Viele gute Ingenieure kamen nach Köln, auch zu den Köln-Lindenthaler Metallwerken. Schon etwas später beschäftigten sie sich mit der Luftfederung oder erdachten das Planetengetriebe in der Hinterradnabe. Das Fahren wurde immer bequemer und es gab endlich den Leerlauf. Man konnte damit anhalten bei laufendem Motor. So etwas hatte meine Maschine zwar noch nicht, aber sie hat weltweit Anerkennung gefunden.

Tacho der Allright 2,75 PS

Schöne Patina am alten Tacho

Bis 1910 waren die Motorräder aus Lindenthal vor allem in England bei vielen Rennen erfolgreich. Dafür sorgte der Importeur Billy Wells, der wusste: Wenn ich sportliche Veranstaltungen gewinne, kann ich die Dinger viel besser verkaufen. Allerdings konnten sich nur Ärzte oder Anwälte ein Motorrad leisten. Man muss bedenken, dass zur Jahrhundertwende ein Fahrrad den Jahresverdienst eines Arbeiters kostete.

Das kann sie nicht:

Man muss schon ein paar technische Details kennen, ein Gefühl für die alte Technik entwickeln. Einen Elektrostarter gibt es zum Beispiel nicht, die Allright will mühsam angetreten werden. Die Zündung und die Drosselklappe werden mit einem Hebel eingestellt und statt eines Gasgriffs gibt es am Lenker eine Zündunterbrechung, die du betätigst, wenn du in eine Kurve fährst oder anhalten möchtest. Auch die Ölpumpe muss manuell bedient werden.

Technik der Allright 2,75 PS

Die Einzylinder-Maschine mit Schnüffelventil will mühsam angetreten werden.

Der Hersteller entschuldigte sich für die Pannen, die damals nicht selten vorkamen, mit dem Hinweis auf die Dampfloks. Auch sie befänden sich ständig in der Wartung und müssten von einem Heer an Technikern in Betrieb gehalten werden. Was moderne Motorräder auch besser können, ist das Bremsen. Bei der Allright muss man verschiedene Dinge beachten, damit sie rechtzeitig zum Stillstand kommt.

Das habe ich für sie getan:

Als ich sie bekam, war sie nicht fahrfähig. Den Rahmen und die Gabel hatte der englische Vorbesitzer zwar repariert, der Motor befand sich aber in einem Plastikeimer. Durch meinen Ersatzteil-Fundus, den ich jahrzehntelang zusammengetragen habe, hatte ich zum Glück alles parat, was ich brauchte, um die Maschine komplett restaurieren zu können. Jeden Schritt habe ich dokumentiert und im Online-Forum des Veteranen-Fahrzeug-Verbands zur Diskussion gestellt.

Der VFV ist der älteste Verband, der sich um die Belange der frühen Mobilität vom Fahrrad bis zum Lkw kümmert. Wir haben ein riesiges Archiv und rund 1500 Besucher täglich im Online-Forum. Als Verbandsvorsitzender liegt mir vor allem die Nachwuchsarbeit am Herzen. Ich finde eben, dass viele junge Leute in der heutigen Wegwerfgesellschaft nicht mehr mitbekommen, dass man auch etwas pflegen oder reparieren kann. Das hat mit Nachhaltigkeit und Wertschätzung zu tun.

Das haben wir erlebt:

Am liebsten fahre ich damit bei organisierten Touren durch schöne Landstraßen. Bei diesen Oldtimer-Rallyes fährst du durch die schönsten Gegenden, die es überhaupt gibt. Dabei lernt man Deutschland immer wieder aufs Neue kennen. Dass der Viertaktmotor vor 150 Jahren in Köln entwickelt wurde und Köln sozusagen das Silicon Valley der Mobilität war, wurde zuletzt in vielen Gegenden gefeiert – aber nicht unbedingt in Köln. Ich kriege immer einen roten Kopf, wenn ich gefragt werde, was hier zum Jubiläum stattfindet und ich sagen muss: nichts.

Das haben wir vor:

Es ist schon ein unglaublich tolles Gefühl, etwas zu besitzen, was unsere Uropas und Uromas hergestellt haben, und zu erforschen, wie das funktioniert. Wenn du zum ersten Mal mit so einer Maschine fährst und alles begriffen hast mit den Hebeln, der Pumpe und der Zündung, dann fühlst du dich wieder wie das kleine Kind auf dem Fahrrad, dem man die Stützräder abgenommen hat.

Ich werde auch weiterhin mit der Allright durch die Gegend fahren und sie bei öffentlichen Vorträgen vorstellen. Aber eigentlich sollte sie in einem Technikmuseum stehen, das die Stadt Köln betreibt. Hier könnten junge Leute vielleicht dazu animiert werden, einen handwerklichen Beruf zu erlernen und stolz zu sein auf Dinge, anstatt immer nur zu konsumieren und wegzuwerfen.

Aufgezeichnet von Tobias Christ