Auf dem Spielplatz an St. Ursula stehen keine Spielgeräte mehr. Die Stadt Köln verspricht eine Erneuerung – allerdings erst nach Abschluss der Arbeiten an einer benachbarten Baustelle.
Zwischen Baustelle und DrogenszeneDer wohl tristeste Spielplatz in Köln

Reinhard Houben (FDP) ist empört über die Zustände auf dem Spielplatz.
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Freitagnachmittag, strahlender Sonnenschein an der Ecke Ursulaplatz und Am Salzmagazin. Eigentlich die perfekte Zeit für Kinderlachen und tobende Dreijährige. Doch wer auf die kleine, umzäunte Fläche blickt, sieht: wenig bis nichts. Kein einziges Spielgerät steht hier mehr, nur gähnende Leere auf der verbliebenen Sandfläche. Stattdessen schläft ein Obdachloser zusammengerollt auf einer Bank. Ein paar Meter weiter verrichtet ein Hund unangeleint sein Geschäft, dessen Halterin die Hinterlassenschaften des Tieres immerhin anschließend wegräumt. Ein Bauzaun einer benachbarten Baustelle ragt auf die Sandfläche, dahinter ist Baumaterial abgeladen worden.
Die Lage ist trister als trist. Außer dem Sand und dem Schild, das die Fläche als Spielplatz ausweist, erinnert nichts an ein Areal, auf dem Kinder eine schöne Zeit verbringen können. Stattdessen berichtet eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, dass der Platz regelmäßig von obdachlosen Menschen und Drogensüchtigen aufgesucht werde. Hier würden Joints gedreht und Crackpfeifen vorbereitet, sagt die Frau. „Kinder gibt es hier nicht mehr.“

Grafitti auf dem Spielplatz im Schatten von St. Ursula
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Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben vertritt die Kölner FDP/KSG-Fraktion im Jugendhilfeausschuss und empört über die Zustände auf dem nicht genutzten Spielplatz. „Ich würde hier keine Kinder spielen lassen“, sagt er und empfiehlt, die Fläche absperren zu lassen oder zumindest zu kontrollieren. „Ich habe aber den Eindruck, die Stadt lässt das hier laufen. Warum lässt man die Fläche so verkommen?“
Die Stadt teilt auf Anfrage dieser Redaktion mit, dass die Spielgeräte 2023 abmontiert wurden, weil sie nicht mehr der Verkehrssicherheit genügt hätten. Bevor neue Geräte hätten aufgestellt werden können, hätten auf dem Nachbargrundstück die – genehmigten – Arbeiten zur Sanierung eines Wohnhauses begonnen. „Da hierfür eine große Baugrube ausgehoben werden musste und aus Gründen der Baustellenabsicherung Teile der Zuwegung zum Spielplatz benötigt wurden, kann die Umgestaltung der öffentlichen Spielplatzfläche erst fortgeführt werden, wenn die Arbeiten auf dem privaten Grundstück fertiggestellt und alle Wiederherstellungsmaßnahmen durch den Bauherrn abgeschlossen sind“, schreibt eine Stadtsprecherin. Sobald die private Baumaßnahme und die Baustellennutzung beendet ist, könne der Platz als Spielfläche wiederhergestellt werden.

Der Bauzaun ragt auf die Sandfläche, dahinter sind Baumatrialien zu sehen.
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Heißt mit anderen Worten: Kindern und Jugendlichen steht die Spielfläche nicht zur Verfügung, solange nebenan gebaut wird. Die von Houben geforderte Sperrung habe die Stadt nicht durchgeführt, damit der Platz weiterhin von der Öffentlichkeit genutzt werden könne. „Öffentliche Spielflächen stehen der Bevölkerung ohne Altersbegrenzung für einen friedlichen und störungsfreien Aufenthalt zur Verfügung“, so die Stadtsprecherin. Dem Ordnungsamt lägen bislang keine Beschwerden vor. Houben hält das für eine „schwache Argumentation“. De facto könne die Fläche nicht als Spielplatz genutzt werden. Und dann könne man sie auch abzäunen.
Der Spielplatz im Schatten von St. Ursula ist nicht der einzige trostlose Spielplatz in Köln. So fehlen auf der Fläche am Spielplatz neben dem Bürgerzentrum Ehrenfeld Rutsche, Klettergerüst und Fußballtore, auf dem Areal am Brüsseler Platz finden sich immer einmal wieder Glasflaschen und Scherben im Spielbereich, die wohl die feiernden Besucher des Platzes hinterlassen haben. Weitere Beispiele gibt es zuhauf.
Zum Beispiel der Spielplatz Auf dem Berlich: Zwei Sandkästen, so gut wie keine Spielgeräte, Graffiti an den Mauern, ein Mann schläft unter einem Baum. Immerhin gibt es eine funktionierende Wasserpumpe und schöne Bäume, die im Sommer Schatten spenden. Und die Besucher sind in der Mehrzahl Jugendliche und Erwachsene, die auf Bänken sitzen und an Wasser oder Limo nippen oder ein Sandwich verzehren.
Nach Angaben der Stadt habe es an den Spielgeräten „erhebliche, witterungsbedingte Schäden“ gegeben, so dass die Geräte hätten abgebaut werden müssen. Derzeit werde der Platz neu geplant, unter anderem sollen durch das Entfernen von dichtem Gehölz und dunklen Ecken „ein hellerer und besser einsehbarer Ort“ entstehen. Fertig werden soll er im Frühjahr 2027.

Ein Mann schläft auf einer Bank auf dem Spielplatz.
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Man kann der Stadt nicht nachsagen, sie wäre untätig. Sie muss stadtweit mehr als 700 Spielplätze betreuen – und das wird in Zeiten knapper Kassen nicht einfacher. Dem Bericht „Kommunale Spielraumplanung 2025 – 2030“ zufolge hat die Kommune zwischen 2018 und 2022 insgesamt 465 Spielplätze teilweise oder ganz saniert oder neu eingerichtet. Nach eigenen Angaben habe man die Qualität der Anlagen verbessert, wenn auch die Zielquote von zwei Quadratmetern Spielfläche pro Einwohner mit einem Wert von 1,2 deutlich verfehlt wurde. Im Planungszeitraum (also bis 2030) sind mehr als 120 Neugestaltungen und Neubauten geplant. Darunter auch der Spielplatz an St. Ursula.

Das Schild weist den Spielplatz als weiterhin geöffnet aus.
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So wurde 2019 und 2020 etwa der Spielplatz auf dem Rathenauplatz aufwendig von Schadstoffen saniert. Nun gibt es unter anderem Trampoline, ein riesiges Klettergerüst, eine Seilbahn und einen Wasserspielbereich. Der rund 1300 Quadratmeter große Wasserspielplatz im Inneren Grüngürtel wurde ebenfalls 2020 vollständig saniert. Unter anderem wurde in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein „wasserhygienisches Konzept“ entwickelt. Im Juli beziehungsweise Oktober 2025 wurden auch die Spielplätze im Johennes-Giesberts-Park und an der Porzer Glashüttenstraße eröffnet. Die Liste ließe sich auch hier fortsetzen.
Zurück zur Spielfläch an St. Ursula, wo vorerst der Sandplatz eine Spielfläche ohne Spiel ist und die Kinder erst zurückommen können, wenn die Baustelle verschwunden ist. Nach Informationen des Bauherrn sollen die Arbeiten „noch in diesem Jahr“ abgeschlossen werden. Die Stadt Köln könnte theoretisch also mit der Sanierung Anfang 2027 beginnen, die Stadt nennt aber derzeit kein Datum, wann die Spielgeräte tatsächlich erneuert werden. Ratsherr Houben hat indessen angekündigt, eine Anfrage im kommenden Jugendhilfeausschuss zu stellen.
