Warum man sich beim 1. FC Köln über einen neuen Rasen freut, beim dem das berühmte „Gras fressen“ für die Spieler äußerst ungesund wäre.
Satirischer WochenrückblickNeuer Hybridrasen ist für FC-Profis ungenießbar


Frisch verlegt: der neue Hybridrasen im Stadion
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Na bitte. Kurz vor dem Saisonauftakt ist der FC endgültig in der Ersten Liga angekommen. Zumindest was den Stadionrasen angeht. Bisher hatten die Gegner in Müngersdorf immer eine gute Ausrede, wenn die Bälle auf dem Naturrasen versprangen, durch Löcher holperten oder ihnen auf halbem Weg die Luft ausging.
Ich kenne das aus unserem Kleingarten. Da gibt es Wegrutsch-Löcher, die sind extrem tückisch. Wenn man da nicht aufpasst, fliegt der Rasenmäher-Akku beim Drüberfahren aus der Halterung.
Bleiben wir am Boden. In der letzten Saison gab es für die Gastmannschaften kaum Anlass zur Raserei über den Rasen, weil sie in der Regel gewonnen oder wenigstens einen Punkt geholt haben. Bis auf Freiburg, Wolfsburg, Hoffenheim, Mainz und den HSV. Die haben zwar das Spiel, danach aber kein Wort über den Rasen verloren. Das war ihnen wohl zu billig.
In all den Naturrasen-Jahren von Müngersdorf haben meistens nur die Trainer den Platz verantwortlich gemacht. Ober-Motzki war ausgerechnet FC-Coach Steffen Baumgart, der in Sachen Rasen kaum zu bremsen war. „Die Jungs haben sich mehr auf den Arsch gelegt als alles andere. Für diesen Rasen musst du dich beim Gegner entschuldigen.“ Ausgerechnet Baumgart, in dessen Fußball-Philosophie „Gras fressen“ bis heute ein fester Bestandteil ist.
Das haben wir gern. Erst auf dem frischen Grün herumkauen und sich anschließend beschweren.
Das geht ab sofort nicht mehr. Und wäre auch ungesund. In den neuen Hybridrasen sind nämlich feinste Kunststofffasern eingewebt. Das macht ihn für Fußballprofis leider ungenießbar, dafür aber super bespielbar. Weil die Wurzeln des echten Grases die Plastikfasern umschlingen und nicht mehr loslassen. Ein paar Zentimeter drüber auf dem Platz sieht man als Spieler nach solchen Umschlingungsaktionen mindestens Gelb.
Gras fressen ist nicht mehr drin
Gras fressen ist also nicht mehr. Da muss FC-Trainer René Wagner auf die Frage, wer den Stürmer Ragnar Ache und seinen neuen Spielkameraden Thijs Dallinga in der neuen Saison füttern soll, andere Antworten finden.
Auch der Geißbock dürfte angesichts des leichten Plastikgeruchs, die das neue Geläuf verströmt, ein wenig irritiert sein, obwohl Hennes IX. seine Heimspiel-Möhren immer schon im Plastikeimer serviert bekommt.
Auf so einem Hybridrasen läuft der Ball wie am Schnürchen. Das soll die Spielfläche im Stadion „nachhaltig auf ein noch höheres Niveau heben“, sagt FC-Sportchef Thomas Kessler. Hoffentlich nicht bloß die Spielfläche.
Sonst könnten die fünf wichtigsten Punkte-Lieferanten der vergangenen Saison auf dumme Gedanken kommen. Allen voran Hoffenheim. Zum Bundesligastart. Am Samstag in einer Woche. Vorher geht’s am Montag zum Pokalspiel noch nach Würzburg in die Dritte Liga.
Come on Effzeh! Jetzt bloß nicht überheblich werden. Zwischen Hybrid und Hybris liegen nur ein paar winzige Buchstaben.
