Requisiteur, Kassiererin, Schneiderin: Der Zirkus ist ein Entertainment-Unternehmen mit vielen Berufsbildern. Wir haben mit fünf Menschen gesprochen, die nicht im Rampenlicht stehen.
„Einmal ging nichts mehr an der Kasse“Diese Menschen halten den Roncalli-Zirkus am Laufen

Das sind die Menschen hinter den Kulissen, die den Laden am Laufen halten, darunter: Requisiteur Tristan Franzen.
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Es ist Mittagszeit, die Manege wird gerade hergerichtet: Requisiteur Tristan Franzen saugt die letzten Sägemehlreste ab und macht den Boden frei für das, was später ganz leicht und stimmig wirken soll. Hier werden Artistinnen und Artisten ihr Können zeigen, Clowns das Publikum auf Trab halten. Damit der Roncalli diese nostalgische Atmosphäre entfalten kann, braucht es neben den Künstlern auch jene, die nicht im Rampenlicht stehen. Hinter den Kulissen sorgt ein großes Team dafür, dass die Fäden zusammenlaufen und die Show reibungslos läuft.
Über 200 Mitarbeiter zählt der Roncalli-Zirkus, der noch bis Ende Mai am Neumarkt gastiert. Elektriker, Kassiererin, Archivarin, Gastronom: Der Zirkus vereint viele Berufe. Wir haben mit fünf Menschen gesprochen – manche davon sind neu dabei, andere Roncalli-Fans seit Kindertagen.

Roncalli-Zelt am Neumarkt (Archiv)
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Salome Junge (25) empfängt die Gäste und ist ein bisschen „Mädchen für alles“

Salome Junge ist Mitarbeiterin Tourneebüro/ Empfang.
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Zirkuswagen Tourneebüro: Hier lächelt die 25-Jährige Salome Junge jeden freundlich an, der erst einmal nicht weiter weiß.
„Seit einem Jahr arbeite ich bei Roncalli und bin die erste Anlaufstelle sowohl für externe als auch interne Personen. Ob Kollegen, Café-Gäste, Pressevertreter: Die Menschen wenden sich mit allen möglichen Fragen, wie etwa zu Parkplätzen oder zu Reservierungen in unserem Café, an mich. Immer wieder werden auch Leute zu mir geschickt, die Fragen haben, für die ich gar nicht zuständig bin. Dann muss ich eine Lösung finden. Ich mag es, dass ich in einem Spaßunternehmen arbeite und die Menschen in ihrer Freizeit zu uns kommen. Ich finde es toll, Städte kennenzulernen, in denen ich vorher nie war.“
Requisiteur Tristan Franzen bringt die Kraft mit

Tristan Franzen, Requisiteur kommt aus Köln und ist arbeitet seit acht Jahren bei Roncalli
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Tristan Franzen ist hochgewachsen. 2,06 Meter misst der Kölner, dessen Kraft dem Zirkus zugute kommt. Flink und routiniert schwärmen die Requisiteure zwischen den Nummern in der Manege aus: wenige, aber gekonnte Handgriffe reichen und die Bühne ist parat.
„Meine Aufgabe ist es, in der Manege zu helfen, vor jeder Nummer Requisiten reinzutragen. Wir sind sieben Requisiteure. Es kann schon mal etwas Peinliches passieren, aber wir helfen dabei, dass die Show dennoch reibungslos läuft. Und wir für sind bei Ankunft für den Aufbau und bei Abreise für den Abbau des Zirkuszelts zuständig. Ich bin seit acht Jahren beim Circus Roncalli. Gelernt habe ich etwas ganz anderes: Garten- und Landschaftsbau. Am Zirkus liebe ich die Atmosphäre unter den Leuten. Ich komme aus Köln, aber finde es für mich perfekt, nach drei oder sechs Wochen aus einer Stadt wieder abzureisen.“
Schneiderin Greta Hemsing (27) muss schnell nähen, wenn etwas reißt

Greta Hemsing ist Schneiderin bei Roncalli.
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Drei Waschmaschinen stehen startbereit im Zirkuswagen der Schneiderin. Nach der Show geben die Artisten ihre Kostüme zum Waschen und Trocknen ab.
„Für das Waschen bin ich allerdings nicht zuständig, sondern für die Kostüme, vor allem, wenn etwas kaputtgeht. Dann muss ich schnell handeln und reagieren. Das passiert eigentlich immer und regelmäßig, ich bin nie ohne Arbeit. Es kann während einer Show passieren, dass ein Reißverschluss reißt, den ich schnell zunähen muss, weil die Person in einer halben Minute dran ist.
Da ist schon Druck dahinter. Bei Roncalli bin ich ganz frisch seit November dabei. Für meinen temporären Arbeitsplatz im Wagen musste ich mich umgewöhnen, da ich vorher am Theater gearbeitet habe, wo ich ein größeres Atelier hatte. Die Begegnung mit den verschiedenen Menschen ist das Schönste am Zirkus. Wir sind alle sehr unterschiedlich und arbeiten gemeinsam daran, eine tolle Show zu machen.“
Christian Lindenberg (37) machte seine Roncalli-Leidenschaft zum Beruf

Christian Lindenberg leitet das Produktionsteam und ist seit der Kindheit großer Roncalli-Fan
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Mobiles Büro bekommt im Zirkuswagen von Christian Lindenberg eine neue Bedeutung: Schreibtisch, Laptop, Aktenschrank, nur eben nicht in tristem Bürograu, sondern in warmen Holzfarben.
„Im Produktionsteam verbinden wir das Kreative mit dem Technischen. Beispielsweise findet am 18. Mai unsere Jubiläumsgala statt. Es gibt viele Ideen von unserem Direktor Bernhard Paul und unserem Geschäftsführer Patrick Philadelphia zu dem Abend. Unsere Aufgabe ist es, diese Ideen umzusetzen. Was brauchen wir dafür? Strom, Deko etc. Bei kurzfristigem Ausfall gibt es ein Team um mich herum, das mich vertreten kann und die Abläufe kennt. Beim Zirkus hat man aber den Anspruch, an solchen Terminen nicht auszufallen.
Das Tolle an unserem Job ist, dass es Herausforderungen, Probleme und Lösungen gibt. Dass wir mit dem was wir tun, die Leute begeistern dürfen und ihnen Freude vermitteln, finde ich großartig. Das ist mein persönlicher Ansporn, auch als langjähriger Roncalli-Fan. Ich feiere sozusagen mein eigenes Jubiläum: Ich bin seit 25 Jahren Fan des Zirkus und seit zehn jahren arbeite ich für Roncalli. Wie ein fußballbegeisterter Mensch, bin ich dem Zirkus früher in andere Städte hinterhergefahen. Kennengelernt habe ich Roncalli in meiner Heimatstadt Bremen. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“
Nadine Koterba (42) hat schon einen Ausfall der Kasse erlebt

Nadine Koterba leitet die Kasse.
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Der Kassenwagen des Circus Roncalli gilt als nostalgisches Aushängeschild. Der historische Wagen wurde aufwendig restauriert und mit dem typischen Roncalli-Schriftzug restauriert. Chefin ist hier seit 14 Jahren Nadine Koterba.
„Ich bin für einen Kassierer und eine Kassiererin verantwortlich und dafür, dass Veranstaltungen angelegt und in den Verkauf gehen können. Ich mache die Abrechnung von meinen Kollegen und kümmere mich um Reservierungen. Eine Kassenpanne? Einmal ist in Hamburg kurz vor dem Einlass das Kassensystem komplett ausgefallen. Es ging nichts mehr. Weder konnte ich reservierte Karten ausgeben noch Karten verkaufen. Ich bin rausgegangen und habe die Menschen in der Schlange darüber informiert. Wir mussten tatsächlich später mit der Show anfangen. Am Zirkus liebe ich, dass wir immer an verschiedenen Orten sind. Man freut sich auf die Städte, in denen man schon war. Ich komme aus Erftstadt, Köln ist wie Heimspiel für mich.“