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DrogenszeneKölner Stadtrat beschließt Bau des Suchthilfezentrums am Perlengraben

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Das erste Kölner Suchthilfezentrum wird auf einer Fläche am Perlengraben entstehen.

Das erste Kölner Suchthilfezentrum wird auf einer Fläche am Perlengraben entstehen. 

Am Dienstag ging es im Kölner Stadtrat um den Bau des neuen Suchthilfezentrums am Perlengraben. Es gab eine deutliche Mehrheit.

Das erste Kölner Suchthilfezentrum für Schwerstabhängige wird auf einer Fläche zwischen dem Perlengraben und der Wilhelm-Hoßdorf-Straße entstehen. Der Stadtrat hat den Bau am Dienstagabend mit deutlicher Mehrheit beschlossen.

„Ich bin dankbar, dass das auch heute wieder in großer Einmütigkeit entschieden worden ist“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), der kurz nach seiner Wahl das Thema zur Chefsache erklärt und eine eigene Taskforce dafür eingerichtet hatte.

Zehn Millionen Euro pro Jahr

Das Suchthilfezentrum im Panateleonsviertel wird laut der Stadt rund 8,72 Millionen Euro kosten. Auf den angeschlagenen Haushalt der Stadt Köln kommen außerdem für das Personal und den Betrieb pro Jahr laufende Kosten von rund zehn Millionen Euro zu. In Betrieb gehen soll die zweigeschossige Einrichtung im August 2027.

In dem Zentrum, das sich zu Fuß 1,2 Kilometer weit vom Drogenhotspot Neumarkt entfernt befindet, werden sich neben einem Drogenkonsumraum auch Ruhe-, Aufenthalts- und Waschräume befinden, um die Schwerstabhängigen engmaschig zu betreuen und zu unterstützen. Auch der Kleinhandel mit Drogen soll auf dem Gelände toleriert werden. Außerhalb der Einrichtung plant die Polizei hingegen, hart gegen Dealer durchzugreifen.

War zunächst vorgesehen, dass ausschließlich ein externer Träger den Betrieb übernimmt, hat die Politik am Dienstag mit einem Änderungsantrag dafür gesorgt, dass die Stadt Köln in den Betrieb des Suchthilfezentrums eingebunden werden muss. Zudem muss die Stadt das Rahmenkonzept für den Betrieb bis zur nächsten Ratssitzung am 2. Juli weiter ausarbeiten und sich dabei auch dem Sicherheitskonzept widmen.

Rund um die Uhr geöffnet

Die Politiker zeigten sich in ihren Reden überzeugt davon, dass das Suchthilfezentrum erfolgreich sein wird. „Breit aufgestellte Hilfen, hohe Qualität und Niedrigschwelligkeit – das sind die Erfolgsfaktoren. Wir bauen auf einem schon sehr ausgefeilten Drogenhilfesystem in Köln auf“, sagte Mechthild Böll (Grüne). Sie verwies darauf, dass ab dem 26. Mai der neue Drogenkonsumraum in Kalk das Angebot verbessern werde. Dieser wird 13 Stunden pro Tag geöffnet sein.

Das Suchthilfezentrum am Perlengraben soll durchgängig zur Verfügung stehen. Der derzeitige Drogenkonsumraum am Neumarkt war unter anderem daran gescheitert, dass er nicht 24 Stunden und sieben Tage die Woche nutzbar ist. Dafür fehlt der Stadt bis heute das Personal.

Martin Erkelenz (CDU) beschäftigte sich in seinem Beitrag mit dem Standort. „Wir machen uns diese Entscheidung nicht leicht. Den einen richtigen, völlig konfliktfreien, optimalen Standort für ein Suchthilfezentrum wird man in einer Innenstadt einer Großstadt wie Köln wahrscheinlich nicht finden“, sagte er. „Für die Anwohner muss gelten: Sicherheit und Ordnung müssen gewährleistet sein“, so Erkelenz.

SPD-Fraktionschef Christian Joisten sprach von „Chaos und Verelendung“ rund um den bestehenden Drogenkonsumraum am Neumarkt. Das Angebot sei zu klein, um auf die Ausbreitung von Crack als Droge reagieren zu können. Es gebe keine begleitenden Angebote und keine betreute Aufenthaltsmöglichkeit, wie es im neuen Suchthilfezentrum geplant ist. „So wie in den letzten Jahren kann und darf es nicht weitergehen“, sagte Joisten. Am Perlengraben gelte das Motto: Hilfe drinnen, Ordnung draußen.

Linke-Fraktionschefin Isabel Gerken betonte, dass das Suchthilfezentrum nur ein wichtiger Baustein von vielen sein könne. Sie plädierte dafür, dass der neue Drogenkonsumraum in Kalk später auch zum Suchthilfezentrum ausgebaut werden sollte. „Ich würde vorschlagen, wir schauen uns mal an, wie es im Pantaleonsviertel abläuft, wie sich das Zentrum dort entwickelt, wie es angenommen wird, wo man nachschrauben muss – damit können wir weitergehen“, sagte sie.

„Wir müssen heute auch kritisch auf die Ausgestaltung schauen, denn die aktuelle Planung ist ein Kompromiss“, sagte Helena Woll (Volt). Aus ursprünglich drei Stockwerken seien zwei geworden, ein Drittel weniger Fläche. „Unsere Sorge bleibt, ob das wirklich ausreicht, um so ein anspruchsvolles Modell wie in Zürich dauerhaft zu betreiben, oder stoßen wir an Grenzen“, so Woll. Deshalb sei es wichtig, schnell nachzusteuern. „Denn eines ist klar: Dieses Projekt darf nicht scheitern.“