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Mit 5,5 Meter hohem AnhängerDrei neue Giraffen treffen bald im Kölner Zoo ein

6 min
Kardofan-Giraffen im Dresdner Zoo. Auch in den Kölner Zoo ziehen bald drei Kardofan-Giraffen ein, eine Unterart der Netzgiraffe, die es bis 2024 in Köln gab. Die Giraffen-Anlage im Kölner Zoo steht kurz vor Fertigstellung.

Kardofan-Giraffen im Dresdner Zoo. Auch in den Kölner Zoo ziehen bald drei Kardofan-Giraffen ein, eine Unterart der Netzgiraffe, die es bis 2024 in Köln gab. Die Giraffen-Anlage im Kölner Zoo steht kurz vor Fertigstellung. 

Am Wochenende 4. und 5. Juli dürfen Besucher die neue Giraffenanlage besichtigen, bevor die Tiere mit einem Spezialtransport kommen. 

Giraffen dürfen nur stehend transportiert werden, im Liegen kann ihr anfälliges Herz-Kreislauf-System kollabieren. Ein entsprechender Spezialanhänger mit höhenverstellbarem Dach ist bis zu 5,50 Meter hoch. „Misst die Giraffe sechs Meter, muss sie während der Fahrt den Kopf ein wenig einziehen“, sagt Theo Pagel, der Direktor des Kölner Zoos, in den bald neue Giraffen einziehen werden.

„Wir engagieren eine spezielle Firma, die auf Wildtiertransporte spezialisiert ist“, so Pagel. Dieses Unternehmen plane die Route minutiös, da etwa zu niedrige Brücken vermieden werden müssen. Zum Glück haben es nicht alle neuen Giraffen des Kölner Zoos so weit: Zwei Weibchen werden demnächst aus Dortmund anreisen, ein Bulle jedoch aus dem südfranzösischen Montpellier. Ihr neues Zuhause in Köln, die erweiterte Giraffenanlage, ist fast fertig. Die Eröffnung steht in der zweiten Julihälfte an. Ein genaues Datum gibt es noch nicht.

Das Giraffenhaus im Kölner Zoo wurde erneuert und ausgebaut, bald ziehen die Tiere ein. Hier Theo Pagel (r.) mit Rimoine Ole Kararei aus Kenia (2. v. r), Jens Bergmann von chance e. V. (M.), Zoopädagogin Ruth Dickmann und Artenschutz-Kuratorin Johanna Rode-White (l.).

Das Giraffenhaus im Kölner Zoo wurde erneuert und ausgebaut, bald ziehen die Tiere ein. Hier Theo Pagel (r.) mit Rimoine Ole Kararei aus Kenia (2. v. r), Jens Bergmann von chance e. V. (M.), Zoopädagogin Ruth Dickmann und Artenschutz-Kuratorin Johanna Rode-White (l.).

Tag der offenen Tür in der neuen Giraffenanlage des Kölner Zoos

Am kommenden Wochenende, Samstag, 4. und Sonntag, 5. Juli, dürfen die Besucherinnen und Besucher das neue Zuhause der Giraffen innen wie außen begehen – noch ohne Tiere. Das alte Gebäude aus den 1960er Jahren wurde entkernt und zurück gebaut, die Giraffen leben demnächst auf fast 400 Quadratmetern, doppelt so viel Fläche wie zuvor. Neu sind etwa die Rolltore, die vor allem in den warmen Jahreszeiten offenstehen werden, damit die Giraffen sich frei bewegen können. Ein Highlight: Auf einer Aussichtsplattform können die Besucher künftig die Giraffen kontrolliert füttern und ihnen quasi auf Augenhöhe begegnen.

Doch anders als ursprünglich geplant, werden keine Netzgiraffen erwartet, sondern Kardofan-Giraffen. Zwei der früheren Kölner Netzgiraffen sind 2024 nach Stuttgart umgezogen und zwei in den Serengeti-Park Hodenhagen. „Wir sind vom Zuchtprogramm gebeten worden, zu überdenken, ob wir nicht auf die Unterart der Kardofan-Giraffe wechseln wollen, weil sie noch bedrohter ist. Es gibt 182 Tiere in Europa und wir müssen dringend eine Ersatzpopulation aufbauen und dürfen dann auch züchten. Wir können mehr als drei hier unterbringen“, so Pagel.

Die Kardofan-Giraffe stammt ursprünglich aus den trockenen Savannen, Steppen und Buschländern Zentralafrikas. Ihre Verbreitungsgebiete liegen im nördlichen Kamerun, Tschad, in der Zentralafrikanischen Republik und dem westlichen Sudan. Die Netzgiraffe ist hingegen in Kenia, Sudan und Äthiopien heimisch. Zur Unterstützung dieser Giraffenart kooperiert der Kölner Zoo seit etwa drei Jahren mit einem Bildungsprojekt im kenianischen Teil der Serengeti, der Maasai Mara. Zusammen mit der Kölner Organisation Chance e. V. unterstützt der Zoo die sogenannte Mara Siana Conservancy, ein von lokalen Akteuren verwaltetes Gebiet von etwa 6000 Hektar. Dort leben zwischen 1500 und 2000 Massai-Familien in sechs Dörfern.

Seit etwa zehn Jahren gibt es das dorfeigene Naturschutzgebiet Mara Siana. Hier verpachten die Massai einen Teil ihres Landbesitzes an die Dorf-Conservancy. Im Gegenzug erhalten sie Einkünfte aus dem Tourismus und Unterstützung beim Herdenschutz. Für die Wildtiere werden dafür Wanderkorridore geöff­net und Weidegründe geschützt. Der Kölner Zoo entwickelt mit einem lokalen Lehrer Bildungsmaterialien für Erwachsene sowie Kinder. „Wir hatten sehr viele Konflikte zwischen Wildtieren und Menschen, da wir eine Hirten-Bevölkerung sind: Wir haben Kühe und Ziegen und diese wurden regelmäßig etwa von Löwen gerissen“, sagt Rimoine Ole Kararei, der für eine Woche zu Besuch in Köln ist.

Giraffen in der Serengeti starben wegen Zäunen und Jagd

Der 43-Jährige vertritt die Interessen der Dorfgemeinschaft, vermittelt zwischen Tourismus und den lokalen Gemeinden. Bevor es die Conservancy gab, sei die Zahl der Wildtiere gegen Null gesunken, erzählt Kararei, der ebenfalls einer Massai-Familie entstammt. „Wir hatten vor zehn Jahren fast keine Löwen mehr, weil sie getötet wurden und jetzt haben wir 22 in der Gegend. Elefanten gab es nur wenige, aber jetzt sind es 150. Auch Giraffen gab es kaum mehr. Und jetzt leben in der Conservancy 200“, so der 43-Jährige.

Eine Innenansicht des neuen Giraffenhauses „Magomba Savanne“ im Kölner Zoo.

Eine Innenansicht des neuen Giraffenhauses „Magomba Savanne“ im Kölner Zoo.

Die Giraffen wurden entweder Opfer von Jägern, die ihr Fleisch weiterverkaufen wollten oder aber die großen Tiere übersahen die Zäune, die die Massai in der Vergangenheit um ihr privates Land errichtet hatten. Das hat die Konflikte mit der Wildnis verschärft. „Die Giraffen starben nach den Stürzen an Herz-Kreislauf-Versagen oder weil sie noch lebend am Abend von den Hyänen gefressen wurden“, sagt Jens Bergmann von Chance: „Darum ist es wichtig, die Giraffen in Europa in Zoos zu halten und im Ursprungsgebiet lokal über die Wildnis aufzuklären“.

Zoodirektor Theo Pagel hat die Mara Siana besucht und war beeindruckt. „Wir waren an einer Schule bei 70 Schülern in einem Klassenzimmer. Es war völlig still. Man merkte, die Kinder wollen lernen. Wir haben etwa zehn von ihnen auf eine Safari-Tour mitgenommen und ein etwa zwölf Jahre altes Mädchen hat mich nach Stift und Papier gefragt. Sie nahm meinen Stift und ein Taschentuch, und als das vollgeschrieben war, schrieb sie ihre Notizen auf ihrem Bein weiter. Das werde ich nie vergessen.“

Pagel ist sich sicher, dass Unterstützung nur so funktionieren könne: „Wir machen es nicht wie in den früheren Zeiten, dass wir einen Deutschen zu einem Ort schicken, um den Menschen zu erzählen, was sie tun müssen. Wir haben einen lokalen Partner auf Augenhöhe. Das ist viel einfacher, weil sie die Sprache kennen und wissen, wie man mit den Menschen richtig umgehen muss.“

Massai-Vertreter zu Besuch im Kölner Zoo

Und das ist für Rimoine Ole Kararei auch nicht immer ganz einfach. Er kommt regelmäßig mit den jeweiligen Vertretern der sechs Dörfer zusammen, um sich zu beraten. Ein typischer Alltagskonflikt: Ein Massai-Vertreter möchte mehr Pacht für sein Land, aber Tourismus-Vertreter beklagen mitunter ein maues Geschäft. „Dafür haben wir eine geregelte Pacht, die in bestimmten Abständen erhöht wird“, sagt Karerei. Oder aber die Touristenführer beklagen sich, dass auf der Safari-Tour die Kühe der Massai gerade zufälligerweise grasen. „Und ich versuche dann zu erklären, dass auch das dazugehört und interessant sein könnte für Gäste“, so Kararei.

Auf Augenhöhe mit den Giraffen: die Aussichtsplattform in Kölner Zoo.

Auf Augenhöhe mit den Giraffen: die Aussichtsplattform in Kölner Zoo.

Keine Jagd auf Wildtiere in der Mara Siana

Bildung, der Schutz der Wildnis, die Schaffung neuer Jobs im Tourismus und das gesicherte Einkommen für die Bevölkerung: diese Ziele verfolgt die Conservancy. Es gibt keine Grenzen und keine Zäune mehr, Ranger der Dorfgemeinschaft halten Ausschau nach den Wildtieren und benachrichtigen die Bewohner, wenn sich Raubtiere in der Nähe befinden. Dann schicken diese ihre Nutztiere woanders hin zum Grasen. Das funktioniere gut, sagt Kararei, der als einziger in seiner kinderreichen Familie die Schule besuchen durfte.

„Damals hieß es, ein Sohn pro Familie – und mein Vater wählte mich aus, weil er fand, ich hüte die Tiere nicht besonders gut.“ Später studierte er Business Administration in Nairobi.

In der neuen Giraffenanlage des Kölner Zoos arbeitet man kurz vor dem Einzug der Tiere unter Hochdruck. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten hat sich die Fertigstellung ein wenig verzögert. Wie lange die Giraffen brauchen, um sich in ihrem neuen Zuhause zu orientieren, sich zu merken, wo Wasser und Futter sind, hängt ganz von dem individuellen Verhalten der Tiere ab. Das könne ein paar Tage dauern oder direkt klappen, sagt Pagel. 

Weitere Informationen zum Bildungsprojekt gibt es online unter chance-international.org und koelnerzoo.de