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Überraschung in BickendorfHomeoffice mal anders – plötzlich steht Freddy Schenk in meinem Hinterhof

Lesezeit 3 Minuten
Eine junge Frau und ein älterer Mann mit Bart stehen in einem begrünten Hinterhof.

Die Schauspieler Lea Gerstenkorn und Dietmar Bär beim Tatort-Dreh in Bickendorf

Unsere Autorin wird von einem „Tatort“-Dreh in ihrem Hinterhof überrascht. Fiktion und Wirklichkeit gehen dabei eine Liaison ein.

Seit 1997 gibt es den Tatort aus Köln. Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln seit 26 Jahren quer durch die Veedel. Heute macht zumindest einer von ihnen Drehstopp in meinem Bickendorfer Hinterhof. Dietmar Bär ist um kurz vor neun Uhr in der Erdgeschosswohnung gegenüber von meinem Balkon verschwunden, mit ihm eine ganze Reihe von anderen Schauspielern und Mitarbeitern.

Nicht zum ersten Mal ist er hier am Start, vor etwa zwei Jahren parkte in unserem geräumigen Hof schon einmal der Oldtimer, mit dem der Kommissar so gerne durch Köln kreuzt, damals diente eine andere Wohnung als Filmset.

Draußen auf der Straße stehen große Transporter mit Equipment. Mitglieder der Filmcrew laufen tief vermummt gegen das usselige Dezember-Wetter von der Straße in den Hof, schleppen Scheinwerfer und Ausrüstungsteile. Der für den WDR-Tatort zuständige Sprecher einer Kölner Agentur weiß, dass der neue Tatort wieder gut zur Stadt passen wird – genau wie die erst am vergangenen Sonntag gesendete 92. Folge-Folge „Des anderen Last“

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Ein ganz normaler Arbeitstag in Bickendorf für die „Tatort“-Crew – eine Überraschung für mich

Das aktuelle Werk im Werden trägt den Arbeitstitel „Restschuld“. Darin suchen die Kommissare nach einem jungen Inkasso-Manager, der spurlos verschwunden ist. Am Tatort befindet sich ein großer Blutfleck, von einer Leiche fehlt zunächst jede Spur. Die Schuldner des Geldeintreibers geraten schnell ins Visier der Ermittler. Einer von diesen wohnt also in meinem Bickendorfer Hinterhof, wo an diesem nasskalten Dezembertag auch ein Komparsen-Baby mit seinen Eltern auf den Einsatz vor der Kamera wartet.

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag für Schauspieler, Crew und Nachbarn. Außer mir scheint niemand die Aktivitäten vor der eigenen Haustür zu beachten. Immerhin habe ich nach langer Zeit am Sonntag mal wieder den Kölner Tatort verfolgt, darin fiel immer wieder der Satz: „In Köln schneit es ja nie.“ In der Schlussszene des Films rieselte dann auf einmal Kunstschnee auf das Kommissar- und Assistenten-Team, das am Weihnachtsmarkt auf dem Heumarkt Weihnachten feierte. Zufällig schneite es an diesem Abend dann ja auch in echt.

„Tatort“-Dreh in Köln: Ganz normaler Arbeitstag für Freddy Schenk

An diesem Abend gingen Fiktion und Wirklichkeit eine zauberhafte Liaison ein. Ich war eine von 9,35 Millionen Zuschauern, die sich den Film über Rache und Schuld angesehen hat. Eine besondere Häufung von Dreharbeiten in Bickendorf sei übrigens nicht nachweisbar.

Eine Sprecherin der Stadt Köln verweist darauf, dass viele Dreharbeiten nicht genehmigungspflichtig seien und es daher keine Statistik zu den beliebtesten Drehorten in Köln gäbe. Ich meine, dass Bickendorf neben dem Rhein und dem Dom aber ganz vorne mit dabei sein muss.  

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